Von Sven Weniger

Auf der nördlichsten Shetlandinsel Unst gibt es viel Wind, wenig Menschen, aber ein Bushäuschen, das berühmt geworden ist.

Niemand soll sagen, dass es keine Märchen mehr gibt in unserer nüchternen Zeit. Sie schreiben sich nur anders. Dieses handelt von einer Bushaltestelle, die zum Kultobjekt wurde, und es geht so:

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So sah der Unterstand 2010 aus. (© Sven Weniger)

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Es war einmal ein kleiner Junge mit Namen Bobby, der lebte auf einer sehr kleinen Insel. Jeden Tag fuhr er mit dem Fahrrad von zu Hause zu besagter Bushaltestelle, um von dort in die Schule zu kommen. Eines Wintermorgens aber hatte ein Sturm das Dach des Wartehäuschens fortgeblasen, seine traurigen Reste wurden kurz darauf abgerissen. Von nun an wartete Bobby jeden Tag frierend bei Wind und Wetter am Straßenrand, mutterseelenallein, denn weit und breit gab es nur Wiesen und Ödland. Da fasste sich der Junge ein Herz und schrieb einen Beschwerdebrief an die örtliche Zeitung, und ein Wunder geschah...

Unst ist die nördlichste der Shetland-Inseln, die zu Schottland gehören; es ist sogar die nördlichste Insel Großbritanniens überhaupt. 614 Einwohner zählt der Zensus; davor steht ein "circa", ganz sicher scheint man sich nicht zu sein. Außerdem gibt es mehr als 100.000 brütende Seevögel, eine Handvoll Dörfer, zerklüftete Küsten, viel Meer, im Winter nur drei Stunden Tageslicht.

Wer Unst googelt, wird stets auf "Kunst" korrigiert, so als sei die Insel nur ein Tippfehler. Und doch war es das Internet, das die Geschichte von Bobby und seinem Bushäuschen hinaustrug in die Welt.

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