Veraltet, heruntergekommen, teuer und noch dazu unfreundliches Personal: Wie bayerische Hotels Touristen abschrecken.
"Es war eine Katastrophe", erinnert sich Tourismus-Fachmann Friedhelm Becker (Name geändert) voller Schrecken. Mit seiner Frau logierte er vergangenes Wochenende in einem renommierten Drei-Sterne-Hotel an einem bayerischen Bilderbuch-See.
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"Das Zimmer war original aus den 60er Jahren und verströmte Wirtschaftswunder-Romantik", sagt Becker. "Es war noch nicht mal richtig retro." Er habe sich wie in der alten Filmkulisse vom "Weißen Rößl" am Wolfgangsee gefühlt. Bereits der Zimmerschlüssel verlangte einige Raffinesse ab, um ihn nicht im Schloss abzubrechen.
Durch einen abgewetzten Türstock ging es ins Zimmer: Die Möbel in Eiche furniert und abgestoßen, durchgesessene Kanapees, unter dem Teppichboden heimtückische Löcher in den Dielen, der Lampenschirm auf dem Nachttisch fiel bei Berührung zu Boden, im Bad blieb die Heizung kalt, und die Benutzung des Klos erforderte akrobatische Fähigkeiten. Der Charme vergangener Zeiten setzte sich im Frühstücksraum fort.
Nur der Übernachtungspreis war auf dem neuesten Stand: 90 Euro.
Das ist kein Einzelfall in bayerischen Fremdenverkehrsorten. Knarzende Dielen, Preislisten mit Stand von 1987 noch in D-Mark, ein liebloses Frühstücksbuffet und zur Abrundung unfreundliches Personal, das die Augen zur Decke schraubt, wenn der Gast zusätzlich ein weiches Ei bestellt.
Neubauten sind rar: In Garmisch etwa, das 2011 die Ski-Weltmeisterschaft ausrichtet, ist das letzte neue Hotel vor 25 Jahren errichtet worden. Die traditionellen bayerischen Touristenorte stecken in einer tiefen Krise. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Instituts für Fremdenverkehr an der Universität München (dwif), die der SZ vorliegt. Beauftragt hatte sie das bayerische Wirtschaftsministerium.
Analysiert wurde die Situation in Garmisch-Partenkirchen, Bad Hindelang, Zwiesel und Bischofsgrün. Zutage kam Beunruhigendes: Seit 1992 sind die Übernachtungszahlen in diesen Orten um fünf bis 38 Prozent zurückgegangen. In Bad Hindelang ist der durchschnittliche Aufenthalt von acht Tagen im Jahr 1992 auf 5,4 Tage im vergangenen Jahr geschrumpft.
Am stärksten hat es Bischofsgrün im Fichtelgebirge getroffen, wo die Gästezahlen um ein Drittel sanken. Das passt so gar nicht zu den Erfolgsmeldungen, die seit Jahren in schöner Regelmäßigkeit verkündet werden.
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Könnte es sein, daß die bayerischen Hotels darniederliegen, weil die deutschen Touristen lieber nach Spanien und in die Türkei fliegen?Und sich Investitionen deshalb nicht mehr lohnen?
Wir haben als Familie (aus USA) in den letzten Jahren immer Urlaub in Ostdeutschland gemacht und waren begeistert von Ausstattung und Service (Wir sind nicht nur in Nobel-Hotels abgestiegen). Manchmal war uns die Renovierungssucht im dick aufgetragenen Zuckerbäckerstil (auf Usedom und Rügen z.B.) schon fast zu viel. Könnte es sein, daß bayerische Hotels finanziell nicht so gefördert werden wie Hotels in ostdeutschen Landstrichen?
Zum Service in Bayern: Man muß die - für manche unerträgliche - zuweilen muffige bis grantelnde Herzlichkeit der Bayern mögen...und sollte es sich gut überlegen, kurz vor Torschluß (Ende der Zeit für warme Küche) noch ein Paar Wiener bestellen zu wollen.
Zu den geforderten Hotelneubauten: Wenn die anfangen, jedes gewachsene Dorf zu verschandeln, sieht uns dort keiner mehr.
Liebe(r) Skarrin, wie recht Sie haben!!!
"Deshalb will das Wirtschaftsministerium neben seinem längst ausgeschöpften 300-Millionen-Euro-Förderprogramm auch den Bau neuer Hotels fördern."
Das wird dann fürchte ich so aussehen, dass bisher grüne Wiesen mit neuen Hotelbunkern im Pseudo-Alpenstil verbetoniert werden, während in den Städtchen und Dörfern selbst, denkmalgeschützte Hotels wie das im Artikel genannte zu malerischen Ruinen verfallen.
Eine solche kann man z.B. in Gmund am Tegernsee besichtigen, gleich am Seeanfang an der linken Straßenseite, wenn man aus Richtung A8/Abfahrt Tegernsee kommt.
Ob das dann wirklich den Tourismus fördert?
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