sueddeutsche.de: Was sind denn nach Ihrer zehnjährigen Erfahrung die gefährlichsten Baderegionen Europas?

Anzeige

Lüke: Das verändert sich, wenn die Gemeinden etwa mehr Rettungsschwimmer einsetzen. Generell kann man aber sagen, dass England eine gute Überwachung hat, Osteuropa hingegen eher problematisch ist - hier sind auch Alarmierung und professionelle Rettungssysteme oft zu langsam oder nicht ausgebaut.

Auch Spanien ist ein gefährliches Badeland, die Regierung spricht selbst von 2000 Badetoten im Jahr, ich gehe von noch mehr aus. Die meisten sterben an den Festlandküsten, da müsste man einiges ändern.

Griechenland ist ebenfalls gefährlich wegen der vielen Inseln, auf denen die Strände meist unbeaufsichtigt sind. Hier kann man froh sein, wenn man im Notfall überhaupt medizinische Hilfe bekommt. Allgemein besteht ein direkter Zusammenhang zwischen Risiko und Überwachung.

sueddeutsche.de: Kann ich schon vor Urlaubsantritt in Erfahrung bringen, ob ich zu sicheren Stränden reise?

Lüke: Eine Informationskette gibt es da leider nicht, das erfährt man erst am Urlaubsort, indem man Einheimische, Dienstleister, andere Urlauber und auch Reiseleiter fragt. Außerdem sollte man sich an die Warnungen halten und etwa bei roten Flaggen nicht ins Meer gehen. In Spanien wurden dann zwar schon Strafen verhängt, aber da muss erst einmal die Polizei gerufen werden - und letztlich wiegen die touristischen Interessen stärker.

sueddeutsche.de: Direkt nach dem Tod ihrer Schwester auf Formentera, die eine andere Frau vor dem Ertrinken retten wollte, gingen die Menschen an derselben Stelle wieder schwimmen. Sie waren auch am Platja Migjorn - was haben Sie empfunden, als Sie die sorglos Badenden gesehen haben?

Lüke: In dem Moment noch nichts, ich stand unter Schock. Doch im Nachhinein kann ich zur Entschuldigung dieser Menschen sagen, dass wohl viele gar nicht wussten, was da passiert war. Wenn ich jedoch für den Strand verantwortlich wäre, würde ich niemanden dort baden lassen, wo kurz zuvor ein Mensch gestorben ist - aber da treffen grausame Schicksale auf grundlegende Urlaubsbedürfnisse.

Die Organisation Blausand.de setzt sich für mehr Badesicherheit in Europa ein, informiert und organisiert Kampagnen, um die Zahl der Ertrinkungsopfer in Europa zu reduzieren - statistisch gesehen 100 Menschen pro Tag.

Sie sind jetzt auf Seite 4 von 4

  1. Badespaß auf Kosten der Sicherheit
  2. "Besonders heimtückisch sind Unterströmungen"
  3. Das richtige Verhalten in Notfällen
  4. Sie lesen jetzt Die gefährlichsten Baderegionen Europas
Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Wo die Deutschen wohnen

Die Nationalmannschaft logiert während der EM an einem exklusiven, schnörkeligen Ort. Reise-Beilage zur EM Jetzt lesen ...

(sueddeutsche.de/kaeb/dd/jj)