Von Gerd Zitzelsberger

Spektakuläre Großprojekte in der Schweiz wackeln oder kippen, weil die Bauten unbezahlbar sind.

Wie Seifenblasen zerplatzen die Träume, und das Wettrüsten in den Alpen kommt offenbar nahezu zum Stillstand: Vor einem Jahr noch wurden beinahe im Wochenrhythmus immer neue Großprojekte angekündigt, die zusätzliche Touristenscharen in die Berge ziehen sollten. Doch inzwischen zerschellt manches Vorhaben an den Felsen der Realität, andere wackeln oder müssen verkleinert werden.

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Zu den spektakulärsten Projekten gehörte die Idee der Jungfraubahnen AG im schweizerischen Interlaken, am Fuße von Eiger, Mönch und Jungfrau: Die Zahnradbahn auf das Jungfraujoch sei einfach zu langsam, befanden Verwaltungsratspräsident Thomas Bieger und sein Management.

Touristen aus Japan oder China hätten für einen einzelnen Berg allenfalls einen halben Tag Zeit, auch wenn die Reise bis auf 3570 Meter hinauf führt. Gegenwärtig aber beträgt allein die reine Fahrtzeit von der Talstation Grindelwald bis zum Joch und zurück mehr als sechs Stunden.

Deshalb plante die Bergbahn-Gesellschaft, einen schrägen Tunnel von oben nach unten in das Bergmassiv zu sprengen. Mit einem Schnellaufzug sollten dann die Touristen in dem Tunnel binnen 20 Minuten auf das Jungfraujoch gehievt werden. Schon die Einzigartigkeit der Anlage würde für zusätzliche Besucherströme sorgen.

Technisch machbar wäre der Lift auf den Berg, glauben die Ingenieure. Doch die Kosten liegen doppelt bis fünfmal so hoch wie die ursprünglich geschätzten 130 Millionen Euro, musste Bieger in der vergangenen Woche nun bekennen.

Die Konsequenz: Die Bahngesellschaft hat das Projekt beerdigt. Stattdessen will sie jetzt die bestehende Strecke ein bisschen ausbauen und schnellere Triebwagen anschaffen. Schon das kostet an die 60 Millionen Euro und wird fünf bis sechs Jahre erfordern. Dafür geht es dann auf dem Joch noch rummeliger zu als heute: Bis zu 6000 Touristen pro Tag werden sich auf der Aussichtsplattform drängen.

Daniel Luggen, seit einem Jahr Fremdenverkehrsdirektor ein paar Täler weiter in Zermatt, wundert sich nicht, dass das Projekt der Konkurrenz geplatzt ist: "Das war ein Marketing-Gag; die Jungfraubahnen haben versucht, sich zu profilieren." Übel nimmt er das den Nachbarn keineswegs: "Wir kämpfen gegen Kreuzfahrtschiffe, Dubai oder Thailand, die bringen jeden Tag etwas Neues." Da sei es schon angebracht, dass die Alpenregion auf sich aufmerksam mache.

Auch die Zermatter haben schließlich Sinn für Marketing: Sie machten vor einem Jahr mit der Idee Schlagzeilen, das Klein Matterhorn höher zu legen: Ein 117 Meter hohes Dreibein aus Beton und Stahl sollte aus dem 3883 Meter hohen Berg einen richtigen Viertausender machen.

Lesen Sie weiter, was aus den Plänen am Matterhorn geworden ist.

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