Schloss Arenenberg am Bodensee Treffpunkt für Revolutionäre und Künstler

Sie zog nicht weit weg, sondern nur den See entlang nach Arenenberg, das sie in weiser Voraussicht einige Jahre zuvor gekauft, renoviert und mit einem Park hatte ausstatten lassen. In den darauffolgenden Jahren entwickelte sich der Wohnsitz zu einem Magneten einerseits für Revolutionäre aus ganz Europa und andererseits für viele Künstler des Kontinents: Die Schriftsteller Alexandre Dumas der Ältere und François-René de Chateaubriand waren zu Gast, der Komponist Franz Liszt, der Naturforscher Herrmann von Pückler-Muskau, und der Berlin-Architekt Friedrich Schinkel.

Nachdem Louis Napoleon 1848 zunächst Präsident der zweiten französischen Republik und anschließend als Napoleon III. Kaiser der Franzosen geworden war, kehrte er Arenenberg zunehmend den Rücken. Als er 1870 nach der Schlacht von Sedan vor den preußischen Truppen und ihren Verbündeten kapitulierte und abdankte, zog er sich ins Exil in den Londoner Vorort Chislehurst zurück, wo er wenige Jahre später starb. Sein Sohn Louis - Ironie der Geschichte - fiel 1879 als britischer Offizier im Krieg gegen die Nation der Zulu in Südafrika.

Seine Mutter Eugenie kam nur noch selten nach Arenenberg, und im Jahre 1906 vermachte sie den Besitz dem Kanton Thurgau - mit der Auflage, ihn der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und in der Kapelle regelmäßig Messen für sie und ihre Familie lesen zu lassen. Beiden Verpflichtungen kam der Kanton nach; dennoch fristete Arenenberg viele Jahre lang ein Mauerblümchen-Dasein.

Landschaftlich nicht spektakulär

Ein wenig mag das auch mit dem Ruf des Thurgaus sowohl in der Schweiz als auch im benachbarten Ausland zu tun gehabt haben. Er zählt landschaftlich nicht zu den spektakulären Kantonen: Drei- und Viertausender, die sich in Gebirgsseen spiegeln, üppige Klöster und reiche Städte kann der Thurgau nicht bieten. Aber mit seinem reichen Ackerland, den Wäldern und nicht zuletzt den Apfelbäumen auf den sanft geschwungenen Hügelketten strahlt er eine unaufdringliche, beschauliche Ruhe aus.

Auch sportlich nicht hochtrainierte Radfahrer werden lieber die Bodensee-Küste entlang rollen und in einem der vielen Landgasthäuser einkehren, anstatt sich über steile Passstraßen abzustrampeln. Ein Höhepunkt einer jeden Rundfahrt aber ist Arenenberg.