Schloss Arenenberg am Bodensee Majestät kommen gleich

Am Schweizer Ufer des Bodensees fand Napoleon III. eine zweite Heimat. In dem mit Originalmöbeln eingerichteten Schloss Arenenberg fühlen sich Besucher, als träte der Kaiser im nächsten Moment aus der Kulisse, um seine Gäste zu begrüßen.

Von Wolfgang Koydl

Na gut, man muss die Augen ein wenig zusammenkneifen, gleichsam einen Weichzeichner über die eigene, eingebaute Optik legen, wenn man das Bild so sehen will, wie Dominik Gügel es schwärmerisch beschreibt: die Palmen, die Pinien, die Pappeln, dazu tief unten die Bucht, eingerahmt von lieblichen Hügeln wie von den Sitzreihen eines Amphitheaters. "Da kann man sich doch gut die Bucht von Neapel vorstellen, finden Sie nicht?", fragt Gügel, Museumsdirektor von Schloss Arenenberg am Bodensee.

Dieses Bild wird zwar einerseits leicht getrübt durch die Abwesenheit eines Vulkans von den Ausmaßen des Vesuv und andererseits durch das herbstliche und gänzlich unmediterrane Wetter mit tiefen, grauen Wolken, Nebelfetzen und Nieselregen. Aber mit ein klein wenig Phantasie kann man sich schon ausmalen, wie Napoleon und seine Eugenie von der Terrasse ihres Schlosses aus hinab auf den Bodensee geblickt und sich im sonnigen Süden gefühlt haben.

Bodensee? Napoleon? Bei dem großen Franzosenkaiser denkt man an den Invalidendom und an Waterloo, an Elba und vielleicht auch noch an St. Helena. Und bei der Erwähnung seines Neffen, des schillernden Napoleon III. mit dem gezwirbelten Schnurrbart, steht das Bild des Pariser Städteplaners Haussmann und seiner prachtvollen Boulevards auf - aber doch nicht der zweifellos reizvolle, letztlich jedoch ziemlich provinzielle See im Dreiländereck Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Doch das Schloss Arenenberg, nur zehn Kilometer westlich von Konstanz auf einer Anhöhe über dem Untersee imschweizerischen Kanton Thurgau gelegen, war jahrzehntelang ein wichtiges Zentrum für die Familie Bonaparte.

Der mächtige Korse selbst war zwar nie hier; aber für seine Adoptivtochter und Schwägerin Hortense de Beauharnais und ihren Sohn Louis Napoleon, den späteren französischen Kaiser Napoleon III., wurde das Anwesen mit dem prächtigen Park für viele Jahre zu einer zweiten Heimat. Louis Napoleon, der abwechselnd hier am Bodensee und in Augsburg aufwuchs, bezeichnete Arenenberg denn auch zeitlebens als sein Elternhaus. Ganz abgesehen davon, dass er muttersprachlich Deutsch mit alemannischem Einschlag sprach.

Hortense, die Tochter von Napoleons Gemahlin Josephine aus deren erster Ehe, musste aufgrund der endgültigen Niederlage des Kaisers nach der Schlacht von Waterloo 1815 Frankreich verlassen und flüchtete zunächst nach Konstanz. Dort wurde sie argwöhnisch von den Siegermächten England, Russland und Preußen observiert. Man wusste ja nicht, ob und welche politischen Pläne die Bonaparte-Erbin und ihre Söhne schmiedeten. Auf Druck der Großmächte verwies der Großherzog von Baden, auf dessen Territorium Konstanz lag, die Französin schließlich des Landes.