Den Grundstein zur "Neuen Burg" wurde am 5. September 1869 gelegt. Doch die Arbeiten gingen nicht so zügig voran, wie es zumindest Ludwig II. erwartete: Die Lage auf dem Berg erschwerte den Bau. Zwar setzte er den Beteiligten so enge Fristen, dass sogar Nachtschichten eingelegt wurden. Doch in den Hauptteil des Schlosses, den Palas, konnte Ludwig erst 1884 einziehen. Zuvor lebte er lange Zeit im Torbau, der bereits 1873 fertig war.

Ludwig II. hielt sich für einen König von Gottes Gnaden - die Wirklichkeit sah anders aus: Der konstitutionelle Monarch hatte nur noch geringen Spielraum. Der junge Prinz, der mit 18 Jahren im Jahr 1864 bereits König wurde, verlor bereits zwei Jahre später seine alleinige Herrschaft: Die Preußen besiegten im "Deutschen Krieg" Österreich und Bayern, so dass Bayern außenpolitisch von Ludwigs preußischem Onkel abhängig war.

Diese Schmach trübte Ludwigs Selbstbild vom König von Gottes Gnaden, er flüchtete auf seinen Schlössern in eine Phantasiewelt, in der er der wahre und einzige König war - ein Märchenkönig. Er entzog sich der Realität, schlief tagsüber und lebte von 1875 an in der Nacht.

Mit seiner Leidenschaft für mittelalterliche Sagen und Gralslegenden wuchsen auch seine Ansprüche an Neuschwanstein als neue Gralsburg, in der er als "Parzival" wachte - so wurde auch der Thronsaal größer, sehr viel größer gebaut als geplant.

Im Schlosshof, Foto: AP

22. Juli 2009, 11:122009-07-22 11:12:00 © sueddeutsche.de