Santiago de Compostela Katastrophe am Nationalheiligtum

Am Ziel: Pilger vor der Kathedrale in Santiago de Compostela.

(Foto: Reuters)

Seit dem Mittelalter kommen die Menschen nach Santiago de Compostela und begehen am 25. Juli traditionell das Fest des heiligen Jakob. Auch viele Passagiere aus dem verunglückten Schnellzug dürften auf dem Weg zu diesem Pilgerfest gewesen sein.

Von Carolin Gasteiger

Santiago de Compostela, die galicische Hauptstadt, in deren Nähe sich am Mittwochabend ein Zugunglück mit mindestens 78 Toten ereignete, ist vielen als Ziel des berühmten Jakobsweges ein Begriff. Ursprünglich machten sich die Wanderer dort auf, um die Gebeine des heiligen Jakob zu besuchen. Die Überreste des Schutzpatrons Spaniens liegen der Legende nach in der Kathedrale von Santiago de Compostela. Der spanische Name Santiago kommt vom lateinischen sanctus jacobus.

Bereits zu Beginn des neunten Jahrhunderts, einigen Quellen zufolge 829, sollen die Überreste des Heiligen hier entdeckt worden sein. Nachdem die spanischen Christen den Apostel Jakob im Kampf gegen die Mauren um Hilfe gebeten hatten und prompt siegten, wurde er zum nationalen Wundertäter - und als "Maurentöter" bekannt. Heute hält der Schutzheilige als Attribut versöhnlich die Jakobsmuschel, das Erkennungszeichen der Pilger, in der Hand.

Schon im Mittelalter kamen bis zu 500.000 Menschen im Jahr in die Pilgerstadt im Nordwesten Spaniens. Sie aßen, tranken und schliefen in der Kathedrale und machten Santiago de Compostela bald neben Rom und Jerusalem zu einer der wichtigsten christlichen Pilgerstätten. In der Neuzeit kürte die Unesco Santiago mit seiner mittelalterlichen Altstadt und den Pilgerwegen zum Weltkulturerbe.

Heutzutage legen jährlich Zehn-, manchmal Hunderttausende von den Pyrenäen kommend die Strecke bis nach Santiago zurück. 2012 kamen dort mehr als 190.000 Menschen an. Am meisten kommen die Spanier selbst, nimmt Santiago doch den Rang eines Nationalheiligtums ein. Prominente Pilger wie Paolo Coelho oder hierzulande Hape Kerkeling ("Ich bin dann mal weg") verstärken den Trend seit Jahren. Ihr gemeinsames Ziel heißt Santiago de Compostela, wo viele aus Dankbarkeit und Erleichterung über das Ende der strapaziösen Wanderung die Statue des heiligen Jakob umarmen. Santiago ist auch Endpunkt einiger ruhigerer Jakobsweg-Varianten wie dem Silberweg von Sevilla aus oder dem Camino del Norte an der Küste entlang.

Jedes Jahr begehen Gläubige und Touristen den Todestag des heiligen Jakob am 25. Juli mit einem großen Fest. Auch in diesem Jahr laufen schon seit Montag die Feierlichkeiten für den spanischen Schutzpatron, am Donnerstag sollte das traditionelle Feuerwerk, das "Apostelfeuer", stattfinden. Nach dem Zugunglück wurden alle Feierlichkeiten jedoch abgesagt, wie es auf der Homepage des Pilgerbüros heißt. Medienberichten zufolge ist es gut möglich, dass auch viele der Passagiere des entgleisten Zuges auf dem Weg zu den Feierlichkeiten in Santiago waren.

Gedrängel auf dem Jakobsweg "Ruhe verdammt, wir sind doch Pilger!"

Zigtausende pilgern auf den Spuren von Paolo Coelho und Hape Kerkeling nach Santiago de Compostela. Über die Wunder eines weiten Weges - und eine Heimsuchung.