Safari-Tourismus und Ebola Zu viel Angst vor Afrika

Tausende Kilometer liegen zwischen diesen Zebras in Botswana und den Ebola-Gebieten. Aber so differenziert wird der Kontinent nicht wahrgenommen.

(Foto: Botswana Tourism)

Auf Safari-Urlauber sind nicht nur die ärmsten Staaten im Osten und Süden des Kontinents angewiesen - doch seit Ebola bleiben Touristen aus. Als würde man nicht zum Oktoberfest fahren, weil in der Ukraine gekämpft wird, klagen Veranstalter.

Von Stefan Fischer

Die Sorge ist unbegründet, aber sie treibt Urlauber offenkundig um: Das Ebola-Virus hält derzeit Touristen davon ab, nach Afrika zu reisen - auch weit abseits der betroffenen Länder. Mit der Folge, dass seit dem Ausbruch der Ebola-Epidemie in Westafrika der Safari-Tourismus auch im östlichen und südlichen Afrika in der Krise steckt: Die Buchungen gehen merklich zurück, die Zahl der Stornierungen steigt.

"Viele Leute nehmen Afrika als ein Land wahr, nicht als einen riesigen, in sich sehr unterschiedlichen Kontinent", sagt Thomas Mach, Marketingleiter bei Diamir Reisen.

Das niederländische Unternehmen Safari Bookings, das mit dem gleichnamigen englischsprachigen Internet-Portal nach eigenen Angaben den größten Online-Marktplatz für Safarireisen betreibt, hat jetzt Zahlen veröffentlicht, die für die Branche alarmierend sind: Etwa die Hälfte der mehr als tausend Veranstalter, die Safaris über die Website verkaufen, hat sich an einer Befragung durch das Unternehmen beteiligt, nur ein Drittel von ihnen gibt an, keine Einbußen zu haben.

Jeder zweite meldet Buchungsrückgänge um 20 bis 70 Prozent seit Ausbruch der Epidemie, jeder fünfte Stornierungsraten von 30 Prozent und mehr. Ostafrika ist dabei durchschnittlich stärker betroffen als der Süden des Kontinents.

Die Situation ist absurd. Die Hauptländer für Safari-Tourismus, etwa Namibia, Südafrika, Botswana, Sambia, Tansania sowie Kenia, liegen zwischen 4000 und 5500 Kilometer entfernt von der Region, in der Ebola grassiert - so weit wie London, Paris, Berlin und Rom auch. Augenfällig wird das auf einer Weltkarte, die Safari Bookings auf seiner Website veröffentlicht hat.

Egal ob Europäer, Amerikaner oder Asiaten: Sie kommen bei einem Safari-Urlaub der Ebola-Region nicht näher, als sie es in ihrer Heimat sind. Spanier, die nach Uganda reisen, sind dort von Westafrika sogar weiter entfernt als in ihrer Heimat.

Überdies haben die Länder Süd- und Ostafrikas längst Schutzmaßnahmen ergriffen: Zwar unterscheiden sich die Bestimmungen im Detail, doch grundsätzlich gilt, dass Menschen, die zuletzt in den von Ebola betroffenen Staaten waren, nicht einreisen dürfen oder sich zumindest einer Untersuchung am Flughafen unterziehen müssen.

"In Johannesburg gibt es beispielsweise schon seit Jahren einen Fieberscanner am Flughafen", sagt Michael Merbeck, Gesellschafter des Safari-Spezialisten Abendsonne Afrika. Unabhängig von Ebola werden dort schon länger Einreisende mit fiebrigen Erkrankungen ausgemacht. Es ist eben nicht so, dass Afrika gleich Afrika ist. Dennoch beobachtet auch Merbeck "seit sechs bis acht Wochen", dass die Anfragen weniger werden und die Buchungen rückläufig sind.

Nicht nur Reiseveranstalter sind betroffen. Den Menschen fehlen die Einnahmen

Diese Entwicklung bestätigen nicht alle deutschen Reiseunternehmen, die Safari-Tourismus im Angebot haben. Dertouristik mit den Marken Dertour, Meier's Weltreisen und ADAC Reisen stellt "bislang keine Veränderungen im Buchungsverhalten und bei der Nachfrage fest", sagt eine Sprecherin. Ähnlich äußert man sich bei Neckermann. Die einzige Ausnahme: Kenia.

Seit einem Jahr bereits kriselt dort der Tourismus. Die Ursache dafür liegen allerdings in der Sicherheitslage begründet: In dem Land sind zuletzt Touristen gezielt von Islamisten ermordet worden.