Russen auf Reisen "Wir sind das viele Geld nicht gewöhnt"

Wodka-Exzesse, Kasernenhofton, Prassen ohne Grenzen: Russische Urlauber haben ein schlechtes Image. Darüber ist nun in Russland selbst eine Debatte entbrannt.

Deutsche und Briten haben sich im Urlaub lange genug bekriegt - jetzt haben sie einen gemeinsamen Gegner: Russen im Wodka-Rausch, die nachts in Hotelpools Volkslieder grölen oder am Strand Schaschliks am offenen Feuer brutzeln.

Erstmals besuchen in diesem Jahr mehr russische Touristen den türkischen Badeort Antalya als deutsche Urlauber.

(Foto: Foto: dpa)

Internetforen sind voll wüster Beschimpfungen gegen die "unzivilisierten Leute aus der ehemaligen Sowjetunion", die sich mit ihren meist schnell verdienten Petrodollar wie die Könige aufführen. Immer beliebter werden Tipps für den "Urlaub ohne Russen". Über den "Touristen-Krieg" ist nun auch in Russland die Debatte voll entbrannt - nicht ohne Selbstkritik.

"Ich will mich eigentlich auch selber lieber ohne meine Landsleute erholen, natürlich können auch Deutsche unangenehm sein, aber wenn Russen da sind, ist die Erholung garantiert futsch", meint Dima im Moskauer Boulevard-Blatt Komsomolskaja Prawda.

Auch viele andere Zeitungen halten ihren Lesern den Spiegel vor. Die Liste mutmaßlicher Feriensünden ist lang: Neureiche, die mit Geld um sich werfen, aggressive Russinnen, die am Strand mit "Kriegsbemalung" und viel nackter Haut fremde Männer becircen, Vordrängeln und Hamstern am Buffet, Wutausbrüche und immer wieder Alkoholexzesse.

Die russische Seele sei eben groß - und eine Überforderung für den Westen, heißt es in den Gazetten. Immer mehr Russen haben dank hoher Rohstoffpreise und wachsender Einkommen Geld. Bisher leisten sich jährlich etwa fünf Prozent der rund 140 Millionen Menschen des Riesenreichs einen Auslandsurlaub.

Die türkische Touristenhochburg Antalya etwa ist nicht länger fest in deutscher Hand. Erstmals liegen die russischen Urlauber seit Jahresbeginn mit 1,267 Millionen vorn - gegen 1,214 Millionen Deutsche.