Ruhiges Venedig Jenseits vom Markusplatz

Männer reparieren Boote, Frauen binden Blumensträuße, Kinder spielen Fangen: Nur wenige Meter vom Markusplatz entfernt lässt sich ein Venedig ohne Touristen erleben.

In den Gassen flattert die Wäsche, im Schatten dösen Hunde und aus den Häusern dringen Stimmen. Während die Touristenmassen am Markusplatz fast nicht zum Aushalten sind, gibt es nur wenige Gehminuten entfernt ein ungewöhnlich gemütliches Venedig.

Fast wie auf dem Dorf

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Dafür muss man allerdings nach Castello, Dorsoduro oder Cannaregio schlendern. Castello ist einer der originärsten Stadtteile. Hierhin verirren sich nur wenige Touristen, obwohl vom Markusplatz aus eine breite Promenade mit einem wunderschönen Blick über den Lido herführt.

Verlässt man die Wasserseite und wendet sich über die Via Garibaldi dem Stadtinneren zu, taucht man in eine andere Welt ein: Waren eben noch tausende Touristen um einen herum, so ist von dieser beengenden Hektik plötzlich nichts mehr zu spüren.

Stattdessen treffen sich ältere Damen und Herren für einen Plausch auf den Bänken in den Gassen. Und Kinder spielen in den Fußgängerzonen Fangen. Das auffälligste Kennzeichen von Castello sind die Wäscheleinen, an denen vor den Fenstern und zwischen den Häusern weiße Unterhemden, blaue Hosen und rote Bettbezüge hängen. Das ist in den Touristenzentren der Stadt zwar verboten, weil die Wäsche dem Image schaden könnte, doch hier in Castello lassen sich die Bewohner diese Gewohnheit nicht nehmen.

Ähnlich entspannt geht es im Bezirk Dorsoduro südlich des Canal Grande zu. Die Pestkirche Santa Maria della Salute und die Peggy-Guggenheim-Sammlung sind nur wenige Minuten entfernt, doch von dem Trubel ist hier in den Gassen ebenfalls nichts zu spüren. Zur Mittagszeit läuft man meist alleine an den Kanälen, den Geschäften und unzähligen Kirchen entlang. Am Nachmittag erwacht aber auch in Dorsoduro wieder das Leben. Männer reparieren ihre Boote, Hausfrauen erledigen in den kleinen Tante-Emma-Läden ihre Einkäufe, und Handwerker tuckern mit ihren voll beladenen Kähnen durch die Kanäle.

Wer Glück hat, kann bei seinem Spaziergang auch einen Blick in einen der Privatgärten ergattern. Oder man kann an einer verborgen gelegenen Werft den Baufortschritt an einer der berühmten venezianischen Gondeln beobachten. Deutlich präsenter sind die Kirchen, die einst Venedig in kleine soziale Einheiten unterteilten und die noch immer bei vielen Gläubigen fest zum Alltag gehören.

Über den Platz Santa Margherita und das sich anschließende Universitätsviertel geht es über den Canal Grande in den Stadtteil Cannaregio. Rund um den Hauptbahnhof Venedigs drängeln sich zwar viele Besucher durch die Gassen, doch etwas weiter östlich erstreckt sich die Einkaufsstraße der Venezianer - die Strada Nova. In kleinen, oft noch familienbetriebenen Geschäften werden Kaffeespezialitäten, frische Wurstwaren und selbst gebundene Blumensträuße verkauft.

Wenn es etwas später geworden ist und die Tagestouristen die Stadt verlassen haben, kann man vom Canal Grande aus in Ruhe die ansonsten überlaufenen Attraktionen zumindest von außen bewundern. Dafür steigt man am besten in ein Vaporetto, sichert sich einen Platz an der Spitze und lässt sich über den Canal fahren, in dem das Licht der untergehenden Sonne schimmert. Während am Ufer die leeren Gondeln hin- und herwackeln, ziehen die Rialto-Brücke, das herrschaftliche Hotel Gritti-Palace und der Markusplatz vorbei.