Reiseziele auf "Atlas Obscura" Gesucht: die bizarrsten Orte der Welt

Derweze - das "Tor zur Hölle" in Turkmenistan.

(Foto: Alamy/Tim Whitby/Atlas Obscura)

Höhlen voller Glühwürmchen, Wurzelbrücken im Dschungel, das brennende "Tor zur Hölle": Mit Liebe fürs Makabre und Abseitige sammelt Ella Morton solche Plätze für die Webseite "Atlas Obscura".

Interview von Jannis Brühl, Austin

Vom Tempel aus Bierflaschen in Thailand über Tschernobyl bis zur Eisbachwelle: Die Webseite Atlas Obscura stellt ungewöhnliche, verrückte oder makabre Orte vor und hat damit viele Fans gefunden. Die Australierin Ella Morton hat mit den beiden Gründern der Webseite das Buch "Atlas Obscura: An Explorer's Guide to the World's Hidden Wonders" mit 700 Einträgen geschrieben. Ein Gespräch am Rande des Tech-Festivals SXSW im texanischen Austin über leuchtende Höhlen und lustige Grabsteine.

Frau Morton, was ist der bizarrste Ort, auf den Sie gestoßen sind?

Es sind so viele bizarre Orte! Ein Highlight ist wohl das "Tor zur Hölle" in der Wüste von Turkmenistan, ein im Durchmesser 70 Meter großes, brennendes Loch. Es entstand 1971, als ein Team sowjetischer Geologen nach Gas bohrte. Sie brachen in einen riesigen Hohlraum durch. Ihr Bohrgerät fiel hinein, das Loch entstand. Sie zündeten das Gas an, weil es sonst zu gefährlich gewesen wäre. Der Krater brennt seit 45 Jahren.

Und Ihr persönlicher Lieblingsort, den Sie besucht haben?

In Neuseeland, wo ich geboren bin, war ich als Kind in den Waitomo-Höhlen. Man rudert einen unterirdischen Fluss entlang. Die Decke der Höhle sieht aus wie ein Sternennebel, eine Galaxie. All diese funkelnden Lichter! Es sind Glühwürmchen im Larvenstadium - ein Nachthimmel aus Insekten.

Die Waitomo-Höhlen in Neuseeland sind voller Glühwürmchen.

(Foto: Martin Rietze/Atlas Obscura)

480 Seiten, gebunden im DIN-A4-Format - vielleicht ein bisschen schwer für einen Reiseführer.

Ja, es ist wie ein Ziegelstein! Es ist kein Reiseführer, eher eine Sammlung von 700 Orten, die einem zeigen, was auf der Welt alles möglich ist. Ein Startpunkt, von dem aus Menschen etwas entdecken können. Dafür müssen sie nicht um die halbe Welt reisen. Wer das Buch liest, soll sich fragen: Was gibt es Unentdecktes in meiner Straße, in meinem Viertel, in meiner Stadt?

Oft wünschen sich Urlauber Infinity-Pools und weiße Strände. Die Besucher der Atlas-Obscura-Webseite faszinieren aber eher sonderbare Orte. Wie würden Sie die Community der Seite beschreiben?

Neugierig. Unsere Community ist am Makabren, am Seltsamen und Exzentrischen interessiert. Sie reisen dorthin, wo es besonders spannend ist - das kann auch Tschernobyl sein. Und sie schlagen Wege ein, an denen andere Touristen einfach vorbeigehen. Nur so finden sie Menschen, die in ihrem Hinterhof eine Burg bauen.

Ella Morton von Atlas Obscura feiert die Exzentriker.

(Foto: Michelle Enemark/Atlas Obscura)

Wo gibt's denn das?

Es sind sogar mehrere Menschen, die das tun, zum Beispiel in Colorado. Oder etwa einen Mönch in Spanien, der sein ganzes Leben damit verbracht hat, eine Kathedrale in seinem Garten zu errichten. Die lokalen Exzentriker eben.

Was verbindet diese Exzentriker?

Sie sind alle sehr leidenschaftlich und widmen sich ihren Projekten, auch wenn sie sehr lange dauern. Ra Paulette aus New Mexico zum Beispiel gräbt Höhlen - und niemand sagt ihm, dass er das tun soll. Er macht es einfach. Das ist, was er mit seinem Leben anfangen will. Wir feiern solche Leute.