Reiseziel Deutschland "Meck-Pomm" übertrumpft Bayern

Strandkörbe am Ostseestrand von Sellin auf der Insel Rügen

(Foto: dpa)

Aber nur ganz knapp: Deutschland-Touristen reisen für längere Urlaube erstmals lieber in den Norden als in den Süden. Trotzdem gibt sich Bayern gönnerhaft.

Von Hans Gasser

Rein optisch ist es eine klare Sache: Wie sich der Tourismusverband von Bayern und jener von Mecklenburg-Vorpommern zurzeit auf der weltgrößten Tourismusmesse ITB in Berlin präsentieren, erinnert ein wenig an David und Goliath. Der Bayern-Stand ist doppelt so groß, trumpft auf mit vielen interaktiven Bildschirmen, einer Videoleinwand, die aus der ganzen Messehalle zu sehen ist und ein junger Lüftlmaler verziert im Pop-Art-Stil eine Leinwand. Demgegenüber sieht der Stand von Mecklenburg-Vorpommern mit seinen Stellwänden und Stapeln von Prospekten eher alt aus.

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Und doch hat das kleine nordostdeutsche Bundesland dem Konkurrenten aus dem reichen Süden ein Schnippchen geschlagen: 2016 unternahmen die Deutschen mehr lange Urlaubsreisen nach Mecklenburg-Vorpommern als nach Bayern. Das geht aus der eben veröffentlichten Reiseanalyse 2017 der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) hervor. Diese erhebt seit vier Jahrzehnten durch eine repräsentative Umfrage das Reiseverhalten der Deutschen und in Deutschland lebenden Ausländer. Und fast immer lagen die Bayern an erster Stelle.

Nun liegt 2016 das Land an der Ostsee mit 5,6 Prozent aller Urlaubsreisen, die länger als fünf Tage dauern, vorne. Bayern kam auf 5,5 Prozent. Das ist knapp, aber dennoch ein großer Erfolg für ein Bundesland, das nur 1,6 Millionen Einwohner und ein fast 14-mal geringeres Bruttoinlandsprodukt als Bayern hat.

Touristisch gesehen, erlebt das Land seit vielen Jahren eine Erfolgsgeschichte. Ob Badeurlaub an der Ostsee, Aktivurlaub an der Müritz oder Städtereisen nach Rostock, Stralsund oder Wismar - der Ausbau der Hotellerie, ein gutes Preis-Leistungsverhältnis sowie geschicktes Marketing führen zu immer höheren Übernachtungszahlen. 30,3 Millionen waren es 2016, das dritte Rekordjahr in Folge und laut Tourismusminister Harry Glawe "das beste Ergebnis in der Landesgeschichte".

Von einer "Genugtuung" spricht Tobias Woitendorf, stellvertretender Geschäftsführer des Tourismusverbandes, schiebt aber hinterher, dass man sich nicht so sehr in Konkurrenz zu Bayern sehe. Das habe mit den Bergen ein ganz anderes Angebot. Man messe sich mehr mit Schleswig-Holstein und Niedersachsen mit ihren Stränden und Inseln. Und hier liege man deutlich vorne.

Der Erfolg bei den längeren Urlaubsreisen ist wohl auch auf die Attraktivität für Familien zurückzuführen, die am Strand, an den Seen oder in den drei Nationalparks ihren Sommerurlaub verbringen. An der besseren Auslastung in der Nebensaison will man nun arbeiten.

Nimmt man aber zu den längeren Reisen auch die Zahl der Kurzurlaube hinzu, wird der Wettkampf zwischen Bayern und Mecklenburg-Vorpommern wieder einseitig. Hier liegt der Freistaat weit vorne, genauso bei der absoluten Übernachtungszahl: 90 Millionen waren es 2016, der fünfte Rekord in Folge. Kein Wunder, dass Jens Huwald, Chef von Bayern Tourismus, sich ganz entspannt gibt.

"Die Kollegen aus Mecklenburg-Vorpommern machen einen tollen Job", sagt er. Man stehe gar nicht in Konkurrenz, sondern kooperiere stark miteinander, etwa bei der Werbung im Ausland. "Trotzdem bleibt Bayern die Nummer eins."

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