Reisen zur Fußball-WM Russland nutzt sein Potenzial als Reiseland nicht

Russland putzt sich heraus mit Skulpturen des Wolf-Maskottchens. Der Werbeeffekt der Fußball-WM dürfte allerdings schnell verpuffen.

(Foto: Sergei Bobylev/imago/ITAR-TASS)

Kein Sommermärchen: Obwohl das Interesse an Russland groß ist, verkaufen sich Reisen zur Fußball-Weltmeisterschaft schlecht - auch weil in Europa kaum dafür geworben wird.

Von Hans Gasser

Schon mal was von Etschpotschmak gehört? Oder von der Kul-Sharif-Moschee? Beides ist in Kasan zu finden, der Hauptstadt von Tatarstan. Ersteres sind dreieckige Teigtaschen, mit einer Mischung aus Lammfleisch und Kartoffeln gefüllt. Letzteres ist ein 6000 Gläubige fassendes Gotteshaus und Wahrzeichen der Stadt Kasan.

Sie ist Austragungsort der Fußball-WM, knapp 900 Kilometer östlich von Moskau. Deutschland spielt hier am 27. Juni gegen Südkorea. Die Zahl der deutschen Touristen, die dafür in die Stadt reisen werden, dürfte eher überschaubar sein. Denn zum einen ist das Land sehr groß und bis auf Moskau und St. Petersburg den meisten Deutschen weitgehend unbekannt. Zum anderen hat Russland wegen Putins Politik ein gravierendes Imageproblem.

Auf nach Russland!

Auch wenn man das Regime unsympathisch findet: Die Menschen in Russland sind es nicht. Wer das Land bereist, erlebt große Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft. Kommentar von Hans Gasser mehr ...

Maria Pushkareva war vor drei Jahren angetreten, dies anlässlich der Fußball-WM zu ändern. Die Tourismusexpertin hat damals zusammen mit einer Kollegin Russland beraten, wie es zur viel beachteten WM ein professionelles und langfristig wirksames touristisches Konzept erarbeiten könnte. "Unser Vorbild war das Sommermärchen 2006 in Deutschland", sagt Pushkareva. Es sollte nicht nur in Infrastruktur, sondern vor allem auch in Image und Servicequalität investiert werden. "Wir haben aber schon ein Jahr später wieder aufgehört, weil wir gemerkt haben, dass es bei den offiziellen Stellen keine Perspektive für unser Konzept gab."

Russland wird in Europa kaum beworben. Man sieht das Potenzial des Tourismus noch nicht

Man denke dort, mit Wolga-Kreuzfahrten, Transsibirischer Eisenbahn und Städtereisen gebe es ja ein ausreichendes Angebot, so Pushkareva. "Man begreift nicht, dass ein so großes und vielfältiges Land ein langfristiges Themenmarketing im Ausland braucht, um erfolgreich zu sein." Das Geld werde lieber in Straßen, Bahnverbindungen und Ortsverschönerungen investiert, die später auch den Einheimischen zugute kommen. In der Tat wird Russland als Reiseland in Europa kaum beworben, was in Zeiten weltweit wachsender Touristenströme außergewöhnlich ist. Die offizielle Tourismus-Website bietet zwar eine deutschsprachige Unterseite, auf der über die elf Austragungsstädte kurz das Wichtigste zusammengefasst ist. Man merkt aber, dass darauf nicht viel Geld und Energie verwandt wurde.