Nach ein paar Wochen, in denen immer mehr Mails ankommen, beginnen wir plötzlich Sehnsucht nach der eigenen Stadt zu haben. Die gleiche Sehnsucht, die uns hergetrieben und die sich irgendwann in Selbstverständlichkeit verwandelt hat: Nach der schieren Größe, in der man sich trotzdem nicht verloren fühlt. Nach der großen Freiheit, die einem hier erlaubt wird. Der Zwanglosigkeit. Dem Mach-doch-was-du-willst. Dem Gefühl, nie stehen zu bleiben - weil nichts jemals fertig wird. Auch nach den Läden, den Bars, den Cafés, in denen man deshalb stundenlang sitzen bleibt, weil einen kein Kellner verscheucht. Und der schönen Gelassenheit, die sich irgendwann einstellt. Fast sind wir ein bisschen stolz, hier zu wohnen. Bis der Berliner in uns motzt: "He, is doch bloß Bahlin!"
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Die meisten Menschen bei Haustauschferien wollen übrigens gar nicht nach Berlin. Sondern nach New York. Wir probieren es selbst, suchen unter den knapp 1200 Angeboten drei heraus und schreiben einem Penthousebesitzer an der Upper East Side, einer Familie mit Brownstone in Brooklyn und einem Paar mit einer phantastischen Wohnung am Union Square Park. Keine Antwort. Nicht eine.
Vielleicht fehlt ihnen an unserer Wohnung der Pool. Vermutlich will der New Yorker im Sommer bloß aus der Stadt raus, nicht in eine andere rein. Wir nehmen es ihnen nicht übel. Schließlich haben wir immer noch Acapulco.
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(SZ vom 17.07.2010/kaeb)
Debatte um Militärintervention in Syrien
Träumen, planen, reisen
Genauso wenig wie die Simon-Dach-Str. in Friedrichshain, der Ku'Damm in Wilmersdorf, die Friedrichstr. oder Oranienburger Str. in Mitte, die Oranienstr. oder Schlesische Str. in Kreuzberg, die Hauptstr. in Schöneberg oder oder oder. Es gibt 13 Bezirke, 97 Ortsteile und hunderte Kieze. Und jeder fühlt sich priviliegiert auf seine Weise und mit seiner persönlichen Auswahl von Berlin.
Ganz sicher ist da für jeden was dabei. Ich lebe seit meiner Geburt hier in Berlin und war noch nicht mal in der Reichstagskuppel usw.. Was sich die meisten Berlin-Touristen auswählen, wenn sie nur 2-3 Tage in Berlin Zeit haben, habe ich in einem viertel Jahrhundert nicht als bedeutsam empfunden. Daher wundere ich mich immer, wenn jemand, der die 2-3 Tage-Tour oder auch etwas länger meinetwegen, etwas allgemeines über Berlin sagen will.
Ich habe kürzlich Friedrichshagen in Köpenick entdeckt. Ein wunderschöner kleinstädtisch, dorfartiger Ortsteil im Südosten Berlins. Überhaupt hat Köpenick (seit der Bezirksreform mit Treptow vereint) mit seinen irsinnig riesigen Parks und dem Müggelsee (der rund 5% der Fläche Berlins ausmacht) viele Westbezirke in Lebensstandart und Entwicklungsstand überholt.
Berlin ist so groß, vielfältig und immer neu wachsend, dass niemand je alles Gute entdeckt haben kann. Und wer vielleicht fast alles in der Stadt kennt, kann noch das brandenburger Umland erforschen. Oder den Berliner und seine brandenburgische Grundmentalität an sich.