Reisen in Asien Schlaflos in Singapur

Manchmal muss eine Nacht reichen, um eine fremde Welt zu entdecken. In Singapur erlebt man ganz Asien auf einem Fleck - eine Wanderung durch das wilde Herz der "Löwenstadt".

Von Marcel Burkhardt

Die beiden Mädchen amüsieren sich prächtig in dieser schwülheißen tropischen Nacht. Sie kichern aufgekratzt, trinken Eiskaffee und rauchen unbekümmert eine Zigarette nach der anderen - und das im Trubel der Orchard Road, der größten Einkaufsstraße vonSingapur, der angeblich lustfeindlichen Metropole Südostasiens..

Singapur bei Nacht

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Wer das sieht, möchte die beiden warnen. Rauchen ist hier doch an allen öffentlichen Orten strengstens verboten, oder? "Nicht überall, es gibt kleine Raucherinseln", sagt eines der Mädchen und pustet den herb duftenden Tabakrauch die Luft.

Die Gedanken fliegen zurück; am Changi-Airport hatten einige Reisende ein paar Stunden zuvor noch Zigaretten in der Gepäckablage des Flugzeugs versteckt, weil in der Kabine das Gerücht umging, wer Tabak einführe, bekomme gleich mächtigen Ärger mit der Polizei.

Ein bisschen mulmig kann einem schon werden vor der Ankunft in "Singapura", der autoritär geführten "Löwenstadt". Der reiche Stadtstaat am südlichsten Zipfel der malaiischen Halbinsel ist bekannt für seine drakonischen Strafen und Verbote.

Es ist eine Stadt, in der ein Taxifahrer zu zwei Wochen Haft verurteilt werden kann, weil er einem weiblichen Gast am Ende der Fahrt die Hand geküsst hat. Eine Stadt, die das Wegwerfen eines Kaugummis mit umgerechnet mindestens 250 Euro ahndet, Wiederholungstäter zusätzlich zur noch höheren Geldstrafe in einem knallroten Anzug öffentliche Plätze putzen lässt. Eine Stadt, in der dem Besitzer von 30 Gramm Kokain oder 200 Gramm Haschisch die Todesstrafe droht. Mit Strenge wollen die Stadtväter erreichen, dass in der prosperierenden Fünfmillionen-City am Äquator alles friedlich und wohl geordnet bleibt.

Singapur gilt als das Drehkreuz Südostasiens. Touristen stoppen hier meist nur kurz, bevor es weitergeht nach Malaysia, Thailand, Indonesien, Vietnam oder Kambodscha. Dreieinhalb Tage bleiben Besucher im Schnitt in der Glitzerstadt an der Straße von Malakka, lassen sich beeindrucken von den Banken-, Büro- und Wohntürmen, den gigantischen Einkaufstempeln, einer äußerst erfolgreich laufenden Geschäftsmaschinerie.

Aber jenseits aller Klischees vom Sauberland einer Demokratur, vom Shoppingparadies und Business-Moloch existiert ein anderes Singapur. Wer hier nur 24 Stunden hat, muss schlaflos bleiben: Schließlich gibt es hier ganz Asien an einem Flecken Erde zu entdecken, Abenteuer inklusive.