Lebendige Vergangenheit und farbenfrohe Gegenwart - auf den der Küste Senegals vorgelagerten Inseln können Urlauber beides erleben.

Es ist nur eine kurze Fahrt mit der Fähre, auf der sich Touristen und Schulkinder drängen. Doch je mehr der Hafen von Senegals Hauptstadt Dakar mit seinen Containerschiffen in die Ferne rückt und je größer vor dem Bug die Insel Goree wird, desto mehr ahnen die Besucher, dass sie eine Reise in die Vergangenheit vor sich haben.

Anzeige

Auf der kleinen Insel mit ihren engen Gassen, auf der nur 1300 Menschen leben und viele Künstler ihre Ateliers eingerichtet haben, scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Es gibt keine Autos - wozu auch? Die Insel, die nur drei Kilometer von der Küste entfernt ist, lässt sich leicht in einem zweistündigen Spaziergang umrunden.

Das ohnehin gemächliche afrikanische Tempo ist auf Goree noch einmal ein wenig gedrosselt. Dabei soll niemand behaupten, dass sich die Insulaner dem 21. Jahrhundert verschließen: Die Funkantenne für das auch auf der Insel funktionierende Mobiltelefonnetz steht - als Palme getarnt - am Rande der trutzigen Festungsanlage, und es gibt sogar einen Internet-Hotspot unter einem Schatten spendenden Banyan-Baum auf dem staubigen Platz vor dem Rathaus.

Bei der Ankunft im Hafen warten die einzigen Menschen auf Goree, die etwas Hektik verbreiten, wenn sie sich als Fremdenführer oder Souvenirverkäufer auf die Besucher stürzen. Auf der Insel dürfte es aber unmöglich sein, sich zu verirren - und so lässt sich die zum Weltkulturerbe gehörende Altstadt auch auf eigene Faust erkunden.

In den Gassen herrscht zwischen den in Gelb-, Rot- und Ockertönen gestrichenen Häusern mit ihren grünen oder blauen Fensterläden eine mediterrane Atmosphäre. Nur der feine, helle Saharasand und die Menschen in ihrer bunt bedruckten Kleidung erinnern daran, dass die französische und portugiesische Vergangenheit der Insel schon lange vorbei ist.

Das erste Ziel ist ein ziegelrotes Gebäude mit großzügig geschwungener Freitreppe, die in einen hellen Innenhof führt. Der fast barock anmutende Bau steht für ein düsteres Kapitel der Inselgeschichte: Im "Maison des Esclaves" befindet sich ein Museum, das an den Sklavenhandel nach Europa und Nordamerika erinnert, der Jahrhunderte lang auch in Goree ein wichtiger Wirtschaftszweig war.

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 4 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt Sklavenfort und Kolonialcharme
  2. Pilgerreise in die Vergangenheit
  3. Kolonialatmosphäre in St. Louis
  4. Feilschen und nicht alles glauben
Leser empfehlen