Reisen im Herbst Wohin im November? Tipps für Inseln, Berge und Genussregionen

Die starken Passatwinde auf den Kanaren freuen nicht nur Surfer, sondern auch Drachenbauer.

(Foto: mauritius images)

Der November ist ein schwieriger Monat zum Verreisen. Aber auch in Europa gibt es ein paar Ziele, für die gerade in diesen Wochen die beste Zeit ist.

Von SZ-Autoren

Drachen sehen - beim Cometas-Festival auf Fuerteventura

Der Ort: Die zweitgrößte der Kanarischen Inseln gehört politisch zu Spanien und geografisch zu Afrika. Sie liegt nur etwas mehr als 100 Kilometer vor der marokkanischen Küste beziehungsweise der Westsahara.

Warum gerade jetzt? Die Temperaturen auf Fuerteventura sind das gesamte Jahr über angenehm mild und betragen meist zwischen 20 und 25 Grad Celsius. Das Meer ist erfrischend, die starken Passatwinde halten die Saharaglut fern - es sei denn, es herrscht Calima, eine besondere Wetterlage mit Ostwind, die Backofenhitze voller Wüstensand übers Meer trägt und auf die Atemwege schlägt. Im November ist der Atlantik mit etwa 20 Grad immer noch warm genug zum Baden. Und es gibt keine näherliegende Option, um vor dem nasskalten deutschen Herbst in den permanenten Frühling zu flüchten: Der Flug dauert nur viereinhalb Stunden. Außerdem findet vom 9. bis 12. November wieder das Drachentreffen Festival Internacional de Cometas statt. Im nunmehr 30. Jahr dieser Veranstaltung kommen Hunderte Fans papierner Lenkdrachen im Wanderdünengebiet El Jable bei Corralejo im Nordosten Fuerteventuras zum Fachsimpeln und Feiern zusammen.

Was bringt's? Schöner kann Wind nicht anzusehen sein als unter den Cometas. Das naturgeschützte, acht Kilometer lange und bis zu vier Kilometer breite Wanderdünengebiet flimmert in der Sonne, als wäre es nicht von dieser Welt. Seine gleißenden Körnchen waren einmal Muschelschalen und Schneckengehäuse. Und wenn darüber noch knallbunte, aufwendig gestaltete Drachen stehen, ist der surreale Eindruck perfekt. Zum einen ist das Festival eine fantastische Gelegenheit, mit schrulligen Bastlern ins Gespräch zu kommen. Andererseits ist es eine gute Inspiration dafür, selbst dem Wind zu folgen und sich treiben zu lassen über eine sehr touristische Insel, die aber auch ihre wunderbaren, wilden Ecken hat.

Jochen Temsch

Glücklich abhängen - Auf Kalymnos ist jetzt Klettersaison

Nur für Spinnenmenschen: eine von 2500 Routen, die auf der Insel in den Fels gebohrt wurden.

(Foto: imago/Westend61)

Der Ort: Griechische Insel der Dodekanes-Gruppe in der Südlichen Ägäis, früher Hochburg der Schwammtaucher, jetzt der Kletterer.

Warum gerade jetzt? Wenn auf den Badeinseln in der Ägäis die Saison abebbt, geht es auf Kalymnos erst richtig los. Der Herbst ist, zusammen mit dem Frühling, die beste Zeit zum Klettern. An den beliebtesten und am schnellsten erreichbaren Routen muss man manchmal Schlange stehen. Im November aber wird es schon ruhiger. Und das Meer ist immer noch warm genug zum Baden - zumindest wenn man verschwitzt von den Felsen zurückkommt.

Was bringt's? Gebräunte, sehnige Arme. Und extrem gute Laune. Denn entspannter kann ein Sporturlaub kaum sein. Morgens tuckert man auf dem Roller zu den Felswänden, vorbei an weiß getünchten Häusern und blühenden Bougainvilleen. Wer bisher nur in überfüllten städtischen Kletterhallen herumgekraxelt ist, wird sein Glück nicht fassen: Mehr als 2500 Routen wurden auf Kalymnos in den Kalkstein gebohrt, von Anfängerrouten bis zu halsbrecherischen Überhängen für Spinnenmenschen. Wenn man den Kopf ein wenig dreht, blickt man hinunter aufs Meer. Und weil es keinen Rettungshubschrauber gibt, sind die Bohrhaken aus Sicherheitsgründen nur zwei Meter voneinander entfernt. Sehr beruhigend für Einsteiger.

Wen all das nicht in den Fels zu locken vermag, der kurvt einfach eine Zeit lang über die Hügel der Insel, schnuppert dabei den Duft des wilden Thymians, macht Pause und trinkt Kaffee und Ouzo in einer Taverne an einer ruhigen Kiesbucht. Oder er schaut im Nautischen Museum am Hafen in Pothia vorbei und lässt sich die Geschichte der Schwammtaucher erzählen, der Helden des alten Kalymnos. Die neuen Helden trifft man dann abends wieder, bei Fisch und Calamares vom Grill.

Florian Sanktjohanser

Stadt, Land, Berg

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Ski fahren - Gletscher sind die beste Wintervorbereitung

Der Ort: Es gibt nicht nur einen Ort. Es sind viele Orte, an denen Ski fahren Anfang November möglich ist. Gemeinsam ist all diesen Alpenorten ein Gletscher. Beispiele? In der Schweiz wären da die Eisflächen bei Saas-Fee und Zermatt, in Südtirol der Schnalstaler Gletscher und in Österreich der Mölltaler, Hintertuxer oder auch der Stubaier Gletscher.

Warum gerade jetzt? Dafür gibt es mehrere Gründe. Erstens: Sonne. Der Nebel liegt besonders gerne im Tal und schafft es oft nicht bis hinauf zu den Gletschern. Zweitens: wenn nicht jetzt, wann dann? Im Hochwinter findet sich nur selten ein wichtiger Grund, bis zu den Gletschern am Ende eines Tales zu kurven, weil dann die niedrigeren Skigebiete am Anfang eines Tales geöffnet haben. Drittens: sich auf den Skiwinter vorbereiten. Leider ist das auch der Hauptgrund für enorm viele professionelle, halbprofessionelle und gar nicht professionelle Rennteams, die mit ihrem Training einen Teil der Pisten blockieren. Was zu viertens führt: die erste Skitour. Weg vom Pistenbetrieb der (Halb-)profis führt beispielsweise der Weg auf die Wildspitze (3770 Meter) am Pitztaler Gletscher oder auch jener hinauf zum Zuckerhütl (3507 Meter) am Stubaier. Außerdem - fünftens - frisst die Gletscherschmelze den Gletscherskigebieten mittelfristig den Boden unter den Füßen weg. Zumindest diesen und nächsten November sollte es sich aber noch ausgehen.

Was bringt's? eine unverschämte Spätsommerbräune, eine beneidenswerte Frühwinterform. Beides hängt von Wetter und Aktionsradius ab. Wer weder Lust auf Bräune noch Frühform hat, kann am Hintertuxer Gletscher eine Eishöhle besuchen oder am Pitztaler auf 3440 Meter einfach nur einen Kaffee trinken. Was es jedoch bringt, auf dem Kaunertaler Gletscher am "Shoot your half mile Jib Line Award 2.0" teilzunehmen, können freilich nur die beantworten, die das auch verstehen.

Dominik Prantl