Reiseführer "Die Bücher haben sich auch ohne Werbung verkauft"

Unterwegs mit dem Tablet: Auch die klassischen Verlage bringen Apps und andere digitale Angebote mit Reisetipps heraus.

(Foto: imago/Westend61)

Noch läuft das Geschäft mit gedruckten Reiseführern. Verleger Michael Müller erzählt, warum er trotzdem auf Apps setzt, wie er auf die Overtourism-Diskussion reagiert - und was er selbst im Urlaub macht.

Interview von Stefan Fischer

Ruhestand? Ist kein Thema für den Verleger Michael Müller, obwohl er kürzlich 65 Jahre alt geworden ist. Er möchte seinen Michael Müller Verlag selbst in eine ungewisse Zukunft führen. Denn die Reiseführerbranche ist im Umbruch: Zwar verkaufen sich die gedruckten Ratgeber trotz leichter Umsatzrückgänge nach wie vor gut. Doch in absehbarer Zeit werden sich die Menschen ihre Reise-Tipps mehr und mehr digital besorgen. Die Verlage stehen vor der Herausforderung, mit den kostenlosen Informationen von Kartendiensten, Bewertungsportalen und sozialen Netzwerken zu konkurrieren. Michael Müller hat schon früh begonnen, in die Digitalisierung zu investieren. Obwohl er bis heute nichts lieber tut, als zu reisen und Bücher zu schreiben.

SZ: Herr Müller, Sie waren gerade in Portugal. Arbeit oder Urlaub?

Michael Müller: Das war ein Urlaub.

Können Sie das überhaupt, Urlaub machen? Oder schielen Sie nicht doch immer nach neuen Restaurants und aktuellen Öffnungszeiten?

Ich kann schon auch Urlaub machen. Das heißt aber nicht, dass ich mir am Strand die Sonne auf den Bauch scheinen lasse. Ich möchte etwas sehen. Das war schon immer so, in meiner Jugend habe ich die Ferien voll ausgeschöpft.

Heute verreisen mehr Menschen denn je monatelang, etwa nach der Ausbildung oder während eines Sabbaticals. Haben die Reiseführer dabei?

Eher nicht. Sie haben meist die Fertigkeit, ihre Reisen mit dem Smartphone zu organisieren.

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Sie investieren viel in die Digitalisierung. Welche Erfahrungen machen Sie dabei?

Es ist sehr aufwendig und bringt bislang kaum Ertrag. Wobei eine App zu programmieren, überschaubar ist. Entscheidend ist das System dahinter, in dem die Inhalte für Bücher und Apps bearbeitet werden, ohne alles doppelt machen zu müssen.

Trotzdem entsteht ein Mehraufwand.

Ja, ich brauche gut bezahlte Informatiker. Dabei macht der digitale Bereich nur 1,5 Prozent unseres Umsatzes aus. Aber ich habe den Ehrgeiz, die Kurve zu kriegen. Eine App hat unschätzbare Vorteile, sie verortet mich und zeigt mir an, was um mich herum von Interesse ist für mich. Im Buch muss ich erst den richtigen Kartenausschnitt suchen und dann blättern, um die Beschreibungen zu lesen. In einer App lässt sich das viel eleganter umsetzen.

Reicht dafür nicht Google Maps - wozu brauche ich eine Reiseführer-App?

Bei Google werde ich geflutet von Angeboten. Dann muss ich noch bei Tripadvisor schauen, wie die Angebote bewertet werden. In einer Reiseführer-App bekomme ich Informationen kompakt und gefiltert.

Aber die App kostet etwas.

Es gab Informationen schon immer überall gratis. Früher konnte man ins Tourismus-Büro gehen und ist mit einem Koffer voller Prospekte wieder rausgekommen. Aber wer hat Lust, sich durch diesen Berg zu wühlen? Wir filtern Informationen, bewerten sie und geben uns Mühe, das nachvollziehbar zu beschreiben.