Die Finanzkrise lässt Island taumeln, zwei wichtige Banken sind kollabiert, der Kurs der Krone schmierte dramatisch ab - das wohlhabende Island war plötzlich zum Problemfall geworden. Doch gerade im der Wertverfall der Währung sehen manche auch eine Chance: Das teure Reiseland nahe des Polarkreises war plötzlich so günstig wie nie geworden.

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Das teilweise unwegsame Gelände ist oft nicht mehr mit Jeeps zu erreichen - dafür mit Island-Pferden.

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So preiswert, dass selbst der Unterstützerverein des aus der Schweiz stammenden katholischen Bischofs von Reykjavík bei den Eidgenossen für einen Trip auf die Insel wirbt: In einer Broschüre wird sogar der Umrechnungskurs für Schweizer Franken mitgeliefert - samt Aufforderung, dem Bischof in der Hauptstadt "einen freundschaftlichen Besuch abzustatten".

Die Krise und der Ausbruch belasten die malerische Region um den Eyjafjallajökull doppelt. Nun, am Ende der Hauptsaison wirken Skalakot und die umliegenden Weiler verlassen. Neben dem Journalisten aus Deutschland ist an diesem Tag kein einziger Gast auf dem Hof, der mehr als 30 Leuten Unterkunft bietet.

Eine nordische Idylle: Die Sonne hebt die Temperatur auf 15 Grad, irgendwo blökt ein Schaf, ein paar Lummen staksen über die Straße, die weiße Holzkirche schlägt zehn. Ein Dutzend Island-Pferde grasen gelangweilt auf der nahen Koppel: ein Ausritt hinauf, in das Massiv, eröffnet ein grandioses Panorama einer wundersamen Landschaft, man mag gar nicht mehr den Blick wenden von den schroffen Wänden, saftigen Weiden und dem glitzernden Meer.

Ein paar Kilometer weiter und einen halben Tag später spielt Þórður Tómasson auf der alten Kirchenorgel ein isländisches Volkslied, inbrünstig singt er und fordert seinen Besucher unverdrossen auf, einzustimmen. Schon in seiner Jugend hatte der heute fast 90 Jahre alte rüstige Senior angefangen, Dinge zu sammeln: Walharpunen und Hochzeitschmuck, alte Bibeln und Trachten und sogar ein ganzes Fischerboot. Inzwischen ist sein Heimatmuseum im Örtchen Skogar vollgestopft mit Tausenden Gegenständen. Im Außenbereich befinden sich alte Hütten mit Torfdach, in denen die Ahnen hausten.

Kurze Sommer und harte Winter

Die Reminensenzen des alten Island hat Þórður zu einer lokalen Berühmtheit gemacht und auf die Besucher als aller Welt, die heute kommen, ist er stolz. Doch wenn er sich an das Kind in sich zurückdenkt, überkommt den greisen Mann Wehmut. "Wir lebten wie im Mittelalter", Þórður rollt mit den Augen, "aber geborgen habe ich mich trotzdem gefühlt." Eingeklemmt zwischen dem schroffen Berg und dem Meer schlug sich seine Familie durch. Es war ein Dasein zwischen kurzen Sommern und harten Wintern. Fast alles musste man selbst machen: In der rauen See fischen, Ställe zimmern, Hufeisen und Werkzeuge schmieden, und die wertvollen Schafe scheren, für ihr Winterfutter sorgen. Die nächsten Nachbarn waren fern, die Hauptstadt Reykjavík schien unerreichbar, ab und zu dampfte ein Schiff vorbei.

Und dann waren da noch die Vulkane. Kurz bevor er zur Welt kam, brach die Katla aus, neben dem Eyjafjallajökull der zweite Feuerberg in der Nähe. Die Eltern erzählten dem Jungen von dem dreiwöchigem Naturspektakel, von den wuchtigen Eruptionen, die das Haus beben ließen, vom schier unglaublichen Gletscherlauf, als es so aussah, ganze Hügel würden am Stück in Richtung Meer geschwemmt.

Þórður sagt, er kenne die alte Regel, wonach immer zuerst der Eyjafjallajökull ausbricht und danach die Katla. Neulich habe ihm ein Mann gesagt, er habe von einem großen Ausbruch geträumt. Þórður winkt lachend ab: "Ich glaube der Mann war schon etwas alt und verrückt."

Der alte Mann sagt noch, die Touristen würden schon wieder kommen, er mache sich generell nicht so viele Sorgen. Und wenn, dann nur von anderen Dingen: wie dem EU-Beitritt.

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  1. Hobbitland am Fuße des Vulkans
  2. "75 Prozent aller Reittouren wurden gecancelt"
  3. Sie lesen jetzt "Wir lebten wie im Mittelalter"
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(sueddeutsche.de/kab/juwe)