Reise-Knigge:Vorsicht, internationale Fettnäpfchen!

Was kann man mit "Güle güle" falsch machen und was heißt "Pfiat di" auf Türkisch? Und warum stoßen Ungarn nicht mit Bier an?

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Türkei Wer aus Deutschland in die Türkei reist, bringt oft schon ein paar Floskeln mit ins Urlaubsland, aufgeschnappt in der heimischen Dönerbude oder beim Gemüsehändler. "Merhaba" heißt "Hallo", "Güle güle" sagt man dann zum Abschied - alles gar nicht schwer. Das glaubt zumindest der unbedarfte Reisende. Doch gerade für den Anfang und das Ende eines zwischenmenschlichen Zusammentreffens hält das Türkische eine ganze Reihe komplexer Regeln und blumiger Varianten bereit. Mit "Güle güle" zum Beispiel verabschiedet sich nur derjenige, der zurückbleibt, also etwa der Gastgeber. Für denjenigen, der geht, bietet sich hingegen "Allaha ısmarladık" an. Das türkische ı, ein i ohne Punkt, wird dabei kurz und eher wie eine Mischung aus e und ö ausgesprochen. Das Ganze bedeutet dann so viel wie: "Ich überlasse dich der Obhut Gottes." Ist also durchaus vergleichbar mit dem bayerischen "Pfiat di" - und von der Aussprache her für manch Zugereisten vermutlich ähnlich herausfordernd. Wer den Herrgott aus dem Spiel lassen will, für den gibt es noch eine weitere Lösung: "Görüşürüz", was so viel wie "Wir sehen uns!" bedeutet. Gesprochen wird das ganze "görüschürüs" und das klingt dann schon fast wie das deutsche "Tschüss!" So einfach geht Völkerverständigung. Weitere Knigge-Tipps für die Türkei finden Sie hier.

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USA Falls Sie im Urlaub in den USA eine Einladung zur "Baby Shower" erhalten, lassen Sie besser die Badesachen im Schrank! Dabei handelt es sich nicht um eine Schwimmstunde für die Kleinsten, sondern eine Party für eine schwangere Mutter und den bevorstehenden Nachwuchs. Normalerweise wird diese im letzten Drittel der Schwangerschaft gefeiert, Männer sind eher unüblich, die Frauen feiern unter sich. Jeder Gast bringt ein kleines Geschenk für die Mutter mit, etwa einen Strampler, Lätzchen oder Spielzeug für das Baby. Die Gäste wiederum bekommen eine Kleinigkeit als Dankeschön, meist ein Tütchen mit Süßigkeiten. Das wichtigste bei einer "Baby Shower" sind aber die Spiele rund ums Thema Schwangerschaft. Während sich die werdende Mutter entspannt zurücklehnt, müssen ihre Gäste etwa den Umfang ihres Bauches schätzen oder Fläschchen um die Wette leer nuckeln. Die Spiele sind der Fantasie der Gastgeberin überlassen, drehen sich aber normalerweise darum, Mutterqualitäten zu beweisen. "Baby Shower"-Partys werden in Deutschland übrigens auch beliebter. Es gibt schließlich kaum Schöneres, als ein neues Leben zu begrüßen. Falls Sie also eine Einladung erhalten, denken Sie daran: Lassen Sie das Handtuch zuhause. Es sei denn, es ist als Geschenk für die Mutter bestimmt.

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Ungarn Für Biertrinker in Deutschland ist es unerlässlich: Man stößt zusammen an und lässt die Gläser klirren. Das sollten Sie in Ungarn allerdings tunlichst vermeiden. Dort war das sogar 150 Jahre lang verboten. Denn nach der Niederschlagung der Ungarischen Revolution 1848 stießen die Österreicher darauf ausgiebig an - mit Bier. Ein weiterer Zwischenfall ereignete sich 1849: Im Auftrag von Kaiser Franz Joseph I wurden mehrere ungarische Generäle hingerichtet. Auch hierauf stießen die Henker ausgiebig an. Seitdem ist das Zuprosten mit Bier verpönt. Der Brauch hat sich bis heute gehalten. Sollten die Ungarn tatsächlich einmal ihre Biergläser erklingen lassen, fügen sie hinzu: "Haynau soll sterben". So hieß der damals für die Exekutionen zuständige Befehlshaber. Das Zusammenstoßen der Gläser gilt übrigens nur für Bier. Bei allen anderen Getränken lassen die Ungarn die Gläser genauso gerne klingen wie wir.

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Spanien Gerade für viele Deutsche ist es unverständlich, aber die meisten Spanier lieben jede Art von Lärm. Gemeint ist dabei nicht nur eine hohe Toleranzgrenze, sondern auch ein offenbar inneres Bedürfnis, Krach zu machen. Nicht umsonst ist Spanien laut einer OECD-Studie das zweitlauteste Land der Welt nach Japan: Autofahrer hupen ohne Grund, mitten in der Nacht wird die E-Gitarre ausgepackt oder das Altglas entsorgt - aber niemand beschwert sich. Deshalb macht es für Urlauber wenig Sinn, sich an der Hotelrezeption über Ruhestörung zu beklagen. Selbst die Mitarbeiter der täglich vorbeiratternden Müllabfuhr lassen ganze Straßenabschnitte an ihrer Unterhaltung teilhaben. Schon nach ein paar Tagen wird Sie zumindest dieser Lärm nicht mehr aus dem Bett reißen. Der Krach verwandelt sich in ein spanisches Hintergrundrauschen. Für Kinder und Eltern ist Spanien übrigens ein Paradies: Schreiende Babys werden von wildfremden Passanten getätschelt, ältere Kinder dürfen beim Spielen hemmungslos lärmen. Davon könnten sich die Deutschen doch eine Scheibe abschneiden.

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Italien Deutsche Urlauber schauen in Italien immer wieder verwundert auf ihre Teller. Das soll eine ordentliche Portion Nudeln, Gnocchi oder Risotto sein? Das kennt man von "Bei Luigi" um die Ecke aber anders! Das hat einen einfachen Grund: Pasta und Co. sind in Italien nur Zwischengänge. Unsere südlichen Nachbarn zelebrieren das Essen und die Hauptmahlzeit kann sich deswegen schon mal über mehrere Gänge und damit Stunden ziehen, sie ist ein großes und kommunikatives Miteinander. Um in einem italienischen Restaurant nicht unangenehm aufzufallen, sollten Sie daher einige Punkte beachten. Das Essen beginnt mit einem Aperitivo. Das muss nicht zwingend Alkohol sein, aber ein Prosecco kann ja kaum schaden. Auch gern genommen: ein Aperol Spritz. Dann folgen die Vorspeisen, die Antipasti. Diese können je nach Region diverse Brotspezialitäten sowie gegrilltes oder eingelegtes Gemüse umfassen. Dann endlich: der Primo (Piatto), der erste Gang. Hier können Sie bei Pasta, Risotto oder einer Suppe zuschlagen. Nach einer kleinen Pause folgt der Secondo (Piatto), der zweite Gang. Traditionell wird Fleisch oder Fisch serviert. Wünschen Sie eine Beilage dazu, müssen sie diese extra bestellen. Um das Mahl abzurunden, folgt noch der Nachtisch. Hier haben Sie die Wahl zwischen Kuchen, Obst oder Käse. Sollten Sie dann noch nicht ermattet auf den Stuhl zurücksinken, empfehlen wir einen Espresso. Aber bestellen Sie ja keinen Cappuccino, damit outen Sie sich als Tourist! Dieser wird in Italien nur morgens getrunken.

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USA Die große Stärke von Thomas Gottschalk als Moderator: Er kann einfach drauf losplappern und dabei kaum etwas sagen. Kein Wunder, dass er sich bei "Wetten, dass..?" bestens mit US-Promis verstand: Amerikaner sind Meister der unverbindlichen Konversation. Verwechseln Sie ein freundliches "How are you?" also nicht mit echter Gesprächsbereitschaft. Ihr Gegenüber würde es als durchaus aufdringlich empfinden, wenn Sie nun berichteten, dass Ihr Flug mehr als unangenehm war und Sie seitdem unter starken Kopfschmerzen leiden, von den bereits wundgelaufenen Füßen ganz zu schweigen. "How are you?" ist als bloße Begrüßung zu verstehen. Daher darf und sollte auch die Antwort eine Floskel sein: "Fine, thanks". Überschwängliche Komplimente wie "You're looking great today!", also: "Du siehst heute so toll aus!", sind in den USA an der Tagesordnung. Fühlen Sie sich nicht zu sehr geschmeichelt, es handelt sich nur um 08/15-Smalltalk. Amerikaner lieben es, zu loben - sei es die Frisur, die Kleidung, oder Ihr fantastisches Englisch. Freuen Sie sich darüber, aber bewerben Sie sich nach der Rückkehr nicht gleich als Simultandolmetscher. Smalltalk gehört in den USA zum zwischenmenschlichen Miteinander, selbst bei Geschäfts-Meetings gilt es, sich höflich fünf bis zehn Minuten warmzuplaudern. Wichtig ist es, das Gespräch am Laufen zu halten - "to run with the ball", wie der Amerikaner sagt. Das heißt, man spielt sich Fragen und Antworten zu, so dass keine unangenehmen Pausen entstehen. Übliche Themen sind Sport, Hobbys und das Wetter - also nichts Verfängliches. Oder loben Sie Errungenschaften der USA, das kommt bei den durchaus nationalstolzen Bürgern stets gut an. Falls Sie nicht Opfer sozialer Ächtung werden wollen, vermeiden Sie Themenfelder wie Politik, Sex und Religion. Speziell bei Äußerungen zu den lockeren Waffengesetzen, Nahost-Politik oder 11. September verstehen die Amerikaner keinen Spaß. Da wäre auch den Stars auf der Couch von Thomas Gottschalk das Lachen vergangen. Weitere Knigge-Tipps für die USA finden Sie hier.

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Indien Schüttelt ein Europäer den Kopf, ist die Aussage klar: Er meint Nein oder zeigt seine Ablehnung. In Indien sieht das anders aus. Dort gilt das seitliche Wackeln mit dem Kopf als Zustimmung. Der Kopf schwingt langsam hin und her. Gleichzeitig signalisiert Ihr Gesprächspartner damit Interesse: Je länger er den Kopf bewegt während Sie reden, umso größer ist seine Aufmerksamkeit. Ein "Nein" lässt sich auch mit dem Kopf ausdrücken: Er wird abrupt von links nach rechts und wieder zurück gedreht, wie in Europa. Und damit es nicht zu leicht ist: Auch für ein zweifelndes "Na ja" ist der Kopf zuständig, der dafür nicht so heftig und ruckartig wie beim Verneinen geschüttelt wird, aber doch heftiger als beim Interesse-Wackeln. Sind Sie jetzt verwirrt? Dann geht es Ihnen wie vielen Reisenden durch Indien. Also, noch einmal zusammenfassend: Seitliches Wackeln: Ja Nicken von rechts nach links: Nein Das Wackeln dazwischen: Na ja Wem das nicht rei​cht, dem hilft dieses Video weiter, das ein YouTube-Hit ist. Hier nehmen zwei Inder ihre Kopfbewegungen selbst auf die Schippe und schaffen zumindest ein wenig Klarheit. Einen ausführlichen Indien-Knigge finden Sie hier.

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Japan In Europa sind Visitenkarten in Zeiten von Smartphones und anderen digitalen Errungenschaften fast schon ein Relikt der Vergangenheit. Für Japaner hingegen haben die kleinen Kärtchen noch immer eine große Bedeutung, sie gelten als ein Teil der Persönlichkeit. Nicht nur Manager, auch Hausfrauen überreichen sie. Das Austauschen folgt dabei einer festgelegten Prozedur. Als erstes ist die jüngere oder im Rang niedrigere Person an der Reihe. Zum guten Ton gehört es, die Karte mit beiden Händen zu überreichen und sie so zu halten, dass sie vom Gegenüber sogleich gelesen werden kann. Der Empfänger nimmt sie ebenso mit beiden Händen an. Als Dank folgt eine Verbeugung und die Karte wird eingehend und auf keinen Fall zu kurz studiert. Der gleiche Vorgang wiederholt sich nun umgekehrt - vorausgesetzt, Sie haben daran gedacht, sich vor der Reise mit Visitenkarten einzudecken. Im Idealfall sollte die Karte zweisprachig auf Englisch und Japanisch verfasst und einwandfrei sein. Geknickte Ecken und Schmutz wären mehr als unhöflich. Und noch ein Tipp: Stecken Sie das Kärtchen auf keinen Fall sofort ein, das gilt als grober Fauxpas! Legen Sie die Karte zur Seite oder im Restaurant auf den Tisch. Nur vergessen sollten Sie sie dort nicht. Weitere Knigge-Tipps für Japan finden Sie hier.

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Australien und andere Länder In vielen Ländern ist die Sache klar: Wer den Daumen hochhält, setzt damit ein eindeutiges Zeichen - alles super, alles dufte. Den Ursprung hat die Geste, die auch zum Trampen benutzt wird, wohl hin und wieder auch bei römischen Gladiatorenkämpfen. Doch im Gegensatz zur Darstellung in Hollywoodfilmen bedeutete der nach oben gereckte Daumen eben nicht, dass der unterlegene Kämpfer leben sollte. Die Geste stand als Sinnbild für das tödliche Schwert - und die Ermordung des Gladiators. Wollte das Publikum ihn verschonen, versteckten sie den Daumen in der Faust wie das Schwert in der Scheide. So lässt sich vielleicht auch erklären, warum die Geste in einigen Ländern negativ besetzt ist: In Afghanistan, Iran, Irak, Australien und Nigeria gilt der nach oben gereckte Daumen als schwere Beleidigung, wie bei uns etwa der Mittelfinger. In Syrien, Saudi-Arabien und im Libanon gilt die Daumen-Geste als Aufforderung zu homosexuellen Handlungen. Wer also in diesen Ländern seinem Gegenüber per Daumen-Zeichen mitteilen will, dass alles in Ordnung ist, sollte sich nicht wundern, wenn die Reaktion anders ausfällt als erwartet. Und vielleicht doch lieber auf die passenden Worte ausweichen. Oder einfach nett lächeln.

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New York, USA Der Anblick ist aus US-Serien und Filmen bekannt: Während sich deutsche Liftfahrer auch mal einander zuwenden und sich an Seitenwände lehnen, stehen US-Amerikaner meist in Reihen. Die Rückwand befindet sich stets hinter ihnen und die Aufzugtür haben sie fest im Blick. Oder ihre Schuhe. Oder die Stockwerksanzeige. Ach ja, telefonieren gehört natürlich auch nicht zum guten Ton. Schließlich sind Aufzüge in New York Orte der Stille, die allerdings eher anstrengend als erholsam ist. Der Schweizer Kabarettist Emil Steinberger, der sechs Jahre in Manhattan wohnte, meint, "dass die Menschen an diesem Ort sogar den Atem anhalten, sich gleichzeitig aber die Zehen in ihren Schuhen zu krümmen beginnen, während der ganze Körper regungslos und steif, wie angewurzelt, an einer Stelle stehen bleibt". Denn viele Menschen sind New Yorker zwar gewöhnt - aber zu nah sollten die anderen doch nicht kommen. Daher versuchen sie, die Fahrstuhlfahrt so unpersönlich wie möglich zu gestalten. Urlauber passen sich an, indem sie beim Zusteigen höchstens freundlich nicken und sich dann sogleich in Position stellen: die Augen immer geradeaus zur Tür. Mehr Knigge-Tipps für die USA finden Sie hier.

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Großbritannien Die britische Küche war lange Zeit nur für ein Gericht berühmt: Fish and Chips. Dennoch machen es sich die Briten beim Essen alles andere als einfach. Eine ganz spezielle Tischsitte ist nicht wirklich logisch, und praktisch schon gar nicht: Während die Deutschen die Wölbung der Gabel dafür nutzen, um draufzuschaufeln, was schwer aufzuspießen ist, verzichten Briten auf dieses Drehen und Wenden. Bei ihnen zeigt immer die Wölbung der Gabel nach oben, es wird gepiekst und gestochert. Der Knigge-Vorteil: Die Gabel kann so nicht überladen werden und der Mund genausowenig. Der große Nachteil: Das Essen von Erbsen dauert viel zu lang. Doch die Briten wissen sich zu helfen. Mit dem Messer pressen sie alles, was nicht aufzupieksen ist, von hinten gegen die Zinken der Gabel und balancieren diese zum Mund. Wer als Tourist die Gabel dennoch wie gewohnt hält, begeht zwar keine große Stilsünde. Überfrachten sollte man sie dennoch nicht. Denn wer will schon auffallen, weil er den Mund zu voll nimmt? Unserer Leserin Barbara Parsonage zufolge verhält es sich mit den britischen Tischsitten noch strenger: "... in Grossbritannien wird gepiekst und gestochert - eben nicht! Als Wahl-Britin muss ich hier eine kleine Korrektur vornehmen, es ist in der Tat alles noch viel schlimmer! Es wird eben NICHT gepiekst. Nun versuchen Sie mal, Erbsen zu essen, ohne zu pieksen oder gar die Gabel richtig herum zu halten! Und dann keine Miene zu verziehen, wenn bei einer Dinnerparty die Erbsen übers Cocktailkleid kullern :-("

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Japan Sollten Sie auf Ihrer Japanreise zufälligerweise dem Kaiserpaar Akihito und seiner kaiserlichen Gemahlin Michiko begegnen - was mehr als unwahrscheinlich ist - wäre die Sache klar: Sie würden sich mindestens so tief verbeugen wie auf diesem Bild Premierminister Shinzo Abe, während die Regenten höchstens würdevoll den Kopf neigen. Aber welche Regeln gelten unter Normalsterblichen in Japan? Zunächst zur Ausführung: Machen Sie keinen Buckel, sondern beugen Sie den Rücken möglichst gestreckt. Männer halten die Hände an der Seite, Frauen verschränken sie vor ihrem Schoß. Nun geht es in die Tiefe: Der Rangniedere beugt sich weiter hinab als der Ranghöhere, dabei steht der Ältere über Jüngeren, Gäste über den Gastgebern (außer der Kaiser oder Premier hat Sie eingeladen, was abermals eher selten vorkommen dürfte). Im Geschäft verbeugt sich meist nur der Verkäufer, was der Kunde mit einem höflichen Nicken beantwortet. Und die Urlauber? Sind mit einer mittleren Verbeugung auf der sicheren Seite. Weitere Kniggetipps zu Japan, dem Land der Fettnäpfchen, finden Sie hier.

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Thailand Buddhistische Mönche in Thailand (und anderen buddhistischen Ländern) müssen sich an ein Zölibat halten, das noch viel strenger ist als das Keuschheitsgebot für katholische Geistliche. Der Vorteil der Thailänder: Sie sind oft nur wenige Monate lang Mönch. In dieser Zeit aber dürfen sie keinen Sex haben (auch nicht mit ihrer Ehefrau, sollten sie verheiratet sein), nicht allein mit einer Frau sprechen und diese nicht berühren. Daher sollten Frauen den orangegewandeten Mönchen ihre Almosenspeise nicht direkt geben, sondern sie einem Mann weiterreichen oder das Essen auf einem Tuch zu Füßen des Mönchs abstellen. Und in vollen Bussen steuern Frauen besser nicht den letzten freien Platz neben einem Mönch an - damit bringen sie ihn in höchste Bedrängnis. Daher ist oft die letzte Sitzreihe für die keuschen Mönche reserviert.

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Bali Mittlerweile sind der Namensgebung kaum noch Grenzen gesetzt. Egal ob Stadt, Land oder Fluss - alles ist denkbar für den Nachwuchs. Ganz anders auf Bali: Dort gibt es einen Brauch, der die Namen für vier Kinder anhand der Geburtsfolge vorgibt - egal ob männlich oder weiblich. Das Namenssystem wird auf Bali, aber auch in den westlichen Teilen der Nachbarinsel Lombok gepflegt. Die meisten Namen sind in Sanskrit, einige stammen aber auch aus alter balinesischer Tradition. Zwar gibt es Unterschiede in der balinesischen Namensvorlage, die auf Kastenzugehörigkeit, regionale Traditionen oder Sprachunterschiede zwischen Nord- und Südinsel zurückgehen, aber in der Regel werden vor allem folgende Namen verwendet: die Erstgeborenen heißen "Wayan" oder "Gede" oder "Putu" das zweite Kind "Made" oder "Nengah" das dritte Kind "Nyoman" oder "Komang" das vierte Kind "Ketut" Hat eine Familie mehr als vier Kinder, beginnt der Namenszyklus von vorn. Woher genau dieser Brauch stammt, ist nicht bekannt. Die Tradition kommt aber offenbar nur auf Bali vor. Seien Sie also nicht verwundert, wenn Ihnen auf der Insel zum fünften Mal ein "Wayan" begegnet. Kann ja nicht jeder "Brooklyn" heißen.

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Frankreich In französischen Restaurants nehmen sich die Gäste Zeit zum Essen, zumindest am Abend. Diese Zeit bemisst sich nicht nur in Stunden, sondern vor allem in Gängen, inklusive Zwischengänge. Dazu gehört die Käseplatte - und schon wird es schwierig, wenn man kein Einheimischer ist. Der erste Fehler wäre, die köstliche Käseauswahl komplett aufzuessen - egal, wie gut sie schmeckt. Das fände ein Franzose maßlos, wenn nicht gar gierig. In den zweiten Fettnapf treten auch zurückhaltende, aber unwissende Touristen, die nur zwei oder drei Sorten probieren wollen: Ungeniert kappen sie die Spitze des Käsedreiecks und säbeln den Camembert in Scheiben. Der Franzose neben ihnen ist sprach-, da fassungslos. Denn so landet die würzige Käsemitte allein auf dem Teller des Urlaubers, während die anderen mit dem trockenen Rand vorlieb nehmen müssen. Daher lautet die Grundregel: Das Käsemesser immer in der Mitte des Laibes ansetzen, also aus dem Käsetortenstück von der Spitze her ein Käsetortenstückchen abschneiden. Dann bekommen alle etwas von der guten Mitte ab. Hier finden Sie den Frankreich-Reiseknigge und auf arte.tv weitere Tipps zum richtigen Käseanschneiden.

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Brasilien Churrascarias sind definitiv nichts für Vegetarier. In diesen traditionellen brasilianischen Restaurants gibt es Fleisch satt. Die Kellner servieren Grillgut direkt von einem gewaltigen Spieß am Tisch des Gastes. Egal ob Rind, Huhn, Schwein oder Lamm. Und zwar so lange, bis der Besucher Einhalt gebietet. Das geht oft ohne Worte, trotzdem ist es nicht unhöflich: Dafür brauchen die Kunden einen Bierdeckel, den sie von der grünen Seite auf die rote umdrehen - die sogenannte "Fleischampel". Damit signalisiert der Gast, dass er genug hat. Die Tradition der Churrascarias, in Deutschland auch Rodizio genannt, stammt von den Gauchos aus dem 19. Jahrhundert, die mit ihren Rinderherden oft wochenlang unterwegs waren. Zur eigenen Verpflegung schlachteten sie Tiere aus der Herde und brieten sie an langen Spießen über offenem Feuer. Das Fleisch schnitten sie direkt auf den Teller. Somit waren sie auf ihren langen Ritten versorgt. Ob sie schon eine Fleischampel hatten, ist nicht überliefert. Vielleicht reichte damals auch ein simples "Ich bin satt!"

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Nord- und Südkorea Erster Stock, zweiter Stock, dritter Stock - fünfter Stock. Für Koreaner ist das nichts Ungewöhnliches. In öffentlichen Gebäuden wird die Vier ausgelassen, in privaten Häusern durch "F", wie das englische "Four" ersetzt. Der Grund für den Logikknick: Die koreanische Vier (sa in der romanisierten Umschrift) klingt ausgesprochen ähnlich wie das Wort für Tod. Der Aberglaube stammt aus China und ist in Korea wie auch in Japan weit verbreitet, da beide Länder kulturell stark von dem großen Nachbarn beeinflusst wurden. So gibt es in Korea neben dem eigenen Zahlensystem auch ein chinesisches. Beim Nachbarn geht die Angst vor dem bösen Omen sogar noch weiter: Selbst bei Autokennzeichen und Handynummern vermeiden die Einheimischen die potenziell tödliche Ziffer. Ganze Zahlenreihen, die die Vier enthalten, wie zum Beispiel 42, 47 usw. werden ausgespart. Da sind die Koreaner mittlerweile moderner: In den letzten Jahren ist immer öfter auch in Gebäuden die Vier über der Drei zu finden. Also genau da, wo sie hingehört. Aber wundern Sie sich nicht, wenn Sie doch einmal ein Stockwerk überspringen. Der Aufzug ist vollkommen in Ordnung. Nur ihr Gastgeber ist abergläubisch.

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Mexiko Die Herrscher über die öffentlichen Verkehrsmittel in Deutschland sind oft gnadenlos. Wer zu spät kommt, den bestraft der Busfahrer: Rein lässt der niemanden mehr, wenn die Türen erst einmal zu sind. Außer er hat gerade ausgesprochen gute Laune. Ganz anders in Mexiko: Hier wird jeder mitgenommen und kann den Bus wieder verlassen, wenn er es will. Zwar gibt es offizielle Haltestellen, doch die dienen nur zur Orientierung. Denise Gutierrez´vom Fremdenverkehrsamt erklärt: "Der Bus hält, wenn jemand aufsteht, die Hand hebt oder etwas sagt. Jeder kann überall aussteigen." Wer da als Tourist eine Haltestelle nach der anderen vorbeirauschen lässt und erst laut wird, um sich über diese haltlosen Zustände zu beschweren, wird im besten Fall mit verwunderten Blicken bedacht. Bezahlen müssen aber auch in Mexiko alle. Das Gerücht stimme nicht, dass Fahrgäste, die zur Unterhaltung der anderen Gitarre spielen oder singen, kein Ticket lösen müssten: "Wenn sie umsonst im Bus mitfahren, dann weil sie sich reingeschlichen haben", so Gutierrez. "So sind die Leute in Mexiko eben". SZ.de/reek/kaeb

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China Mädchen halten sich gerne an den Händen. In Fußgängerzonen, im Café, auf Konzerten. Sie drücken damit ihre Verbundenheit aus, beste Freundinnen eben. Bei Männern ist das anders: Ein fester Händedruck, der das Gegenüber im besten Fall auch noch in die Knie zwingt, ist das höchste der Gefühle. Mehr Körperkontakt ist in unserer Gesellschaft verpönt. Eine Umarmung vielleicht, aber auch erst nach 30 Jahren Freundschaft. Ganz anders in China: "Männer, die sich an den Händen halten, sind nichts Ungewöhnliches. Auch legt man sich die Hände auf die Schultern", erklärt Sven Meyer, Sprecher des Fremdenverkehrsamt. "Das drückt eine sehr enge Freundschaft aus." Schlüsse auf ihre sexuelle Orientierung zieht keiner. Eigentlich ein schöner Gedanke - daran könnten sich die Deutschen doch mal ein Beispiel nehmen. Welche Benimmregeln Sie sonst noch in China beachten sollten, finden Sie in unserem Reise-Knigge.

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USA In Europa wird die Jogginghose zwar langsam salonfähig, aber die meisten tragen sie nach wie vor zu Hause oder zum Sport. In der Öffentlichkeit? Niemals. In den USA gehört die Jogginghose dagegen längst ins Standardrepertoire - trotz ihres nicht gerade schmeichelhaften Namens. Im Amerikanischen heißen die Schlabberhosen "sweatpants", also Schwitzhosen. Im Trainingsanzug ins Hotel spazieren oder zum Shopping losziehen? Kein Problem. Lässigkeit lautet in den USA das oberste Gebot bei der Freizeitkleidung. Wer wie angezogen ist, interessiert die wenigsten. Also wundern Sie sich nicht über den Schlabberlook. Aber kein Grundsatz ohne Ausnahme: Sollten Sie einen offiziellen Geschäftstermin wahrnehmen oder in einem edlen Restaurant verkehren, tauschen Sie den Jogger bitte gegen Anzug und Kostüm, möglichst in dunkler Farbe. Es könnte auch Krawattenzwang bestehen. Aber die lässt sich ja am späteren Abend leicht ablegen. Eine Hommage zum Internationalen Tag der Jogginghose lesen Sie hier.

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Irland Es ist nicht leicht, sich in Irland zurechtzufinden. Ein Teil der Straßenschilder ist in Gälisch, ein anderer in Englisch verfasst. Die Entfernungen sind entweder in Meilen oder in Kilometern angegeben. Manchmal wurden sie bei der Umrechnung auch einfach eins zu eins übernommen. Dazu kommt die Sprache: Der irische Akzent ist schwer zu verstehen, der Süden des Landes spricht sogar für den Rest des Inselstaates in Rätseln. Einen Iren nach dem Weg zu fragen, macht ebenfalls kaum Sinn. Die Antwort ist meist: "Sure, it is only down the road" oder "just around the corner", also nur die Straße runter oder gleich um die Ecke. "Und plötzlich ist man doch eine gute Viertelstunde unterwegs", so eine Sprecherin des Fremdenverkehrsamtes. Reisende sollten sich vorher also eine Karte der Region zulegen. Oder ein Navigationsgerät.

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Norwegen Sobald es dunkel wird, ziehen die Deutschen ihre Gardinen und Vorhänge zu. Es soll ja niemand in ihre Wohnungen schauen. Ganz anders in Norwegen: Wundern Sie sich nicht, wenn dort die Fenster hell erleuchtet sind und der Blick in die Wohnungen einladend - Vorhänge nutzen die Norweger nur als Dekoration. Viele Norweger stellen im Fenster nicht nur ein Licht auf, um die im Norden lange andauernde Dunkelheit zu "erhellen" - sondern auch, um Nachbarn und Passanten willkommen zu heißen. Skandinavische Gastfreundlichkeit eben.

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Schweden Ikea-Jünger wissen: Schlangestehen oder gar Drängeln gibt es in Schweden nicht. Stattdessen muss man immer und überall eine Nummer ziehen: in der Apotheke, am Käsestand, beim Arzt - oder eben bei Ikea an der Warenausgabe. "Tag en nummerlapp" lautet die Aufforderung auf Schwedisch: "Ziehen Sie eine Nummer". Einen Ikea-Sprecher zitiert die Welt mit: "Schweden ist das Mutterland der Wartemarke." Wundern Sie sich also nicht, wenn in schwedischen Warteschlangen niemand mehr die Frage stellt: "Wer ist denn hier der Letzte?" Es ist eindeutig derjenige ohne Nummer.

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Thailand Die Neun ist in Thailand häufig auf Kennzeichen und in Telefonnummern zu finden. Bei Hochzeiten sind neun Affen zugegen, in buddhistischen Tempeln gießen Gläubige neun Aale ins Wasser. Warum wissen die Thailänder selbst nicht so genau. Laut einer Sprecherin des Fremdenverkehrsamtes könnte es an der Ähnlichkeit der Aussprache des Wortes für neun, kao (๙), mit zwei anderen wichtigen Begriffen liegen: Kow-nah steht für Fortschritt. Den wünscht sich schließlich jeder im Leben. Und khao ist das thailändische Wort für Reis, das wichtigste Grundnahrungsmittel des Landes. Reisende dürfen sich also freuen, wenn ihnen immer wieder die Zahl neun begegnet: Die Thailänder wünschen nur, dass es voran geht - oder dass sie zumindest stets einen gut gefüllten Magen haben.

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Polen Eine Handtasche, abgestellt auf dem Boden - in Polen ist das undenkbar. "Keine Polin würde das je tun", erklärt Magdalena Korzeniowska vom Polnischen Fremdenverkehrsamt. In feinen Restaurants oder Bars eilt sogar der Kellner herbei und bringt einen niedrigen Hocker für die Tasche. Dies geht zurück auf einen Aberglauben: Die Polen glauben, dass sie Geld verlieren, wenn sie eine Tasche auf den Boden stellen, so Korzeniowska. Das gilt allerdings nicht für Einkaufstüten. Ist man in einem polnischen Haushalt zu Gast, gehört die Tasche auf einen freien Stuhl am Tisch. Sind alle Plätze belegt, hängt die Dame sie über die Lehne ihres eigenen Stuhls. Auf dem Tisch hat eine Handtasche nichts zu suchen. Mehr Benimm-Tipps für die Reise nach Polen finden Sie im Reiseknigge.

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Tschechien Manche Menschen tragen einen Chip für den Einkaufswagen im Geldbeutel - andere einen Glückspfennig. Viele Tschechen hingegen stecken eine getrocknete Karpfenschuppe in das Portemonnaie. Das soll bewirken, dass die Besitzer im folgenden Jahr keine Geldsorgen haben, erklärt ein Sprecher des tschechischen Fremdenverkehrsamtes den Brauch. Besonders pflegen ihn die Tschechen an Weihnachten, wenn sie traditionell Karpfen und Kartoffelsalat essen. Wundern Sie sich also nicht, wenn Ihr Gastgeber seinem Fisch vor dem Essen einige Schuppen abschabt - es dient einem guten Zweck.

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Australien Die "stade Zeit" ist selbst in Bayern nicht mehr allzu still. Doch im australischen Darwin rennen, hüpfen und springen die Menschen im Dezember nicht nur durch die Straßen, sie tragen noch dazu Santa-Clause-Kostüme, wahlweise mit oder ohne Rauschebart. Und das bei Temperaturen über 30 Grad Celsius. Da staunt der Tourist und fragt sich: Muss das denn sein, mit Weihnachten hat das ja wohl nichts mehr zu tun? Doch da liegt er falsch, denn dem lustigen Kostümtreiben liegt ein äußerst weihnachtlicher Gedanke zugrunde: die Nächstenliebe. Der "Variety Santa Fun Run" ist die Benefizveranstaltung einer Kinderhilfsorganisation und zum festen Bestandteil des Festes geworden. Bei dem Wohltätigkeitsrennen auf einer zwei Kilometer langen Strecke wird Geld für notleidende Kinder gesammelt - die Zeit spielt keine Rolle, Hauptsache man kommt ins Ziel. Nur das Kostüm ist Pflicht, ob der Hitze darf Santa aber auch kurze Hosen tragen. Besinnlich wird es in Australien bei den "Carols by Candlelight": In der Weihnachtszeit treffen sich Familie, Freunde und Nachbarn zum Picknick im Kerzenschein und singen gemeinsam. Warm genug ist es. Wie Sie sich bei australischen Barbecues und im Alltag richtig verhalten, lesen Sie im Australien-Knigge.

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Südafrika Gans mit Knödeln und Rotkohl gilt zwar als typisches Weihnachtsessen, aber eher in Ländern, wo es um die Zeit kalt ist. Südafrika feiert Weihnachten jedoch im Hochsommer - und zu 35 Grad und Sonnenschein passt eine Grillparty besser als ein üppiges Festtagsmenü. Braai ist die afrikanische Variante des Barbecue, die Südafrikaner nicht nur an Feiertagen genießen. Traditionell wird dabei das Fleisch über einer offenen Flamme zubereitet. Meist verwendet der Grillmeister Rind und Lamm, manchmal aber auch Springbock und Strauß (hier eine nicht ganz ernst gemeinte Video-Anleitung). Oder Boerewors, eine aufgerollte Wurst mit Koriander. Auf ein üppiges Festtagsmenü dürfen Besucher sich trotzdem freuen: Ein Braai kann sich durchaus über mehrere Stunden hinziehen.

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(Foto: Stilfehler / CC-by-sa-3.0)

USA Nirgendwo fühlen sich Amerikaner so wohl wie in ihrem Auto. Es gibt Restaurants und Supermärkte zum Durchfahren, selbst heiraten kann man, ohne aussteigen zu müssen. In seinem Auto lacht, weint, küsst der US-Bürger - hier ist er Mensch, hier darf er`s sein. Da verwundert es nicht, dass in den Vereinigten Staaten immer öfter der Trauer auf dem eigenen Fahrzeug Ausdruck verliehen wird. "RIP Daddy" - "Ruhe in Frieden, Papa", steht mit den Lebensdaten auf der Heckscheibe, dass jeder auf dem Highway oder dem Parkplatz es sehen kann. Wenn der Tod eines Kindes betrauert wird, sind manchmal die Abdrücke der Händchen dabei. An die Eltern erinnert ein "in loving memory", also "in liebender Erinnerung". Unumstritten ist die Sitte nicht - selbst in den USA. Während die Befürworter argumentieren, Trauer lasse sich besser bewältigen, wenn man sie teile, wollen andere nicht mit Werbeanzeigen ihres Leids durch die Gegend fahren. Comedian Debbie J. Smith bringt es provokant auf den Punkt: "Ich verstehe nicht, wie man einem Hinterbliebenen auf der dreckigen, vogelbekackten Scheibe Tribut zollen will. Und wenn das dann von der Heckscheibe des 86er Chevy Nova abblättert, sieht es eher aus, als habe ein Gecko dort sein Leben ausgehaucht." Was bringen Sie mit, wenn Sie in den USA zur "shower" eingeladen werden? Hier finden Sie Knigge-Tipps für die USA.

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(Foto: Fräulein.Palindrom/photocase.com)

Niederlande Jemandem zum Geburtstag zu gratulieren, ist selbstverständlich. Aber reicht das? Schließlich ist ja niemand von allein auf die Welt gekommen. Die Niederländer feiern daher nicht nur das Geburtstagskind, sondern auch dessen Familie, besonders die Eltern. Die sollten Besucher beim Gratulieren nicht übersehen. Lädt ein Jubilar zum Beispiel zu sich zum Kaffee ein, begrüßen ihn die Gäste mit einem "Herzlichen Glückwunsch", geben dann aber auch etwa dessen Mutter die Hand und sagen: "Alles Gute zum Geburtstag deines Sohnes." Mehrere Torten müssen Sie deswegen aber nicht gleich mitbringen.

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(Foto: Getty Images)

Polen Egal, ob selbstbewusste Top-Managerin oder mächtige Politikerin: Polnische Frauen sind es gewohnt, dass Männer ihnen die Tür aufhalten. Das sollten auch Touristen im Nachbarland beachten. "In Polen ist es üblich, dass man einer Frau den Vortritt lässt", sagt eine Sprecherin des Polnischen Fremdenverkehrsamtes. Das gilt nicht nur beim Betreten eines Hauses oder Raumes - auch Wagentüren sollten Männern den Frauen immer aufhalten. Diese höflichen Gesten seien nicht nur bei Männern der Alten Schule angesagt. Und sie gelten auch für andere Umgangsformen: "Selbst für junge Männer in Polen ist es ganz selbstverständlich, einer Dame in den Mantel zu helfen." Worauf Sie sonst noch achten sollten, wenn Sie in Polen zu Gast sind, erfahren Sie in diesem Reiseknigge.

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(Foto: Robert Haas)

Spanien Vorsicht beim Saubermachen: In Spanien behauptet der Volksmund, dass eine alleinstehende Frau oder eine Witwe ihr Leben lang allein bleibt, wenn über ihre Füße gefegt wird. Ob sie selbst dabei fegt oder jemand anderes, spielt keine Rolle. Früher dachte man, wer über die Füße fegt, habe keine Ahnung von Hausarbeit und sei keine patente Ehefrau. Noch heute gilt es vornehmlich in kleineren spanischen Dörfern als Unsitte, einer Single-Frau etwas vor die Füße zu fegen - denn dann heiratet sie angeblich niemals. Aber es gibt Hoffnung: Wer seinen Besen danach einen Tag vors Haus stellt, kann danach wieder einen Mann finden.

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Schweden Von dieser schwedischen Frühstücksspezialität müssen Sie nicht begeistert sein. Aber interessant ist es schon, wie die schwedischen Samen ihren Kaffee einnehmen, den Lappkaffe: Statt Toast oder Croissants tunken sie Rentierfleisch ein oder werfen kleine Stückchen in den Kaffee. Dann werden Fleisch und Kaffee aus der Tasse getrunken. Wie das genau aussieht und dass der Lappkaffe gewöhnungsbedürftig ist, sehen Sie in diesem Video. Auch wenn Ihnen diese Tradition nicht zusagt, sollten Sie von Ekeläußerungen besser Abstand nehmen - und einfach einen normalen Kaffee bestellen. Im Bild: Diese Rentiere stehen in Schottland und sind dort vor der Lappkaffe-Tradition sicher.

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Österreich Auf ihre Titel legen die Österreicher großen Wert. Wundern Sie sich also nicht, wenn plötzlich vom Herrn Magister oder der Frau Doktor die Rede ist. Und unsere Nachbarn reden nicht nur förmlich, sondern verhalten sich auch elegant: Den Damen kann es immer noch passieren, dass sie mit Handkuss begrüßt werden. Statt angesichts dieser etwas angestaubt erscheinenden Sitte die Stirn zu runzeln, sollten sie sich geschmeichelt fühlen, rät ein Sprecher von Österreich Werbung. Touristen versuchen jedoch besser nicht, den Handkuss nachzuahmen. Wer ihn nicht richtig ausführt - und das können die wenigsten -, macht sich nur lächerlich. Auf welche österreichischen Sitten und Bräuche Sie noch achten sollten, erfahren Sie in unserem Reise-Knigge.

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Kambodscha Sind das nicht ... Pyjamas? Das fragen sich Erstbesucher in Kambodscha, wenn sie auf den Straßen Frauen in luftigen Hosen und passendem Hemd sehen, in schrillen Farben und mit Mustern bedruckt, gerne auch mit Comicfiguren. Ja, es sind Pyjamas. Und nein, das ist kein Grund für hochgezogene Augenbrauen oder verständnisloses Kopfschütteln. Schließlich betonen die Frauen mit Hello-Kitty-Aufdrucken und floralen Mustern ihre Individualität, die den Kambodschanern einst durch die Roten Khmer genommen werden sollte: Während ihrer Terrorherrschaft in den 1970er Jahren wollten sie jegliche Individualität eliminieren. Alle Einwohner mussten schwarze Pyjamas tragen, egal ob Mann oder Frau. Heute ziehen die Frauen die angenehm luftigen Pyjamas freiwillig an - in bunt statt schwarz. SZ.de/kaeb/dpa_tmn

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(Foto: REUTERS)

Thailand Der Kellner schüttet das Bier auf den Schoß des Gastes, das Hotel hat doch nicht die gebuchten Nichtraucherzimmer - Frust hoch drei für Reisende. Den Ärger zu zeigen, ist in Thailand aber ein absolutes Tabu. Vom Buddhismus geprägt, lehnen die Thais jede Form von Unbeherrschtheit ab. Auch gebietet es ihr Glauben, ihrem Gegner zu verzeihen: Wo Einheimische also auf ein Missgeschick mit einem entspannten Lächeln reagieren, kann es für westliche Besucher schwer werden, an sich zu halten. Aber ungestüm aufspringen, mit der Faust auf den Tisch schlagen oder die Stimme erheben sind für Thailänder ein Affront ohnegleichen. Viel besser: Tief durchatmen, lächeln, und ein fröhliches "Mai pen rai" - etwa: "Macht nichts". Eine Geduldsübung für meckerfreudige Ausländer, die auch dem eigenen Gemüt manchmal gut tut. Im Bild: Lichterprozession am Rande Bangkoks zu Vesakh, dem höchsten buddhistischen Feiertag

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Japan Auch in deutschen Schwimmbädern wird höflich darum gebeten, sich abzuduschen, bevor man ins Becken springt. Manche ignorieren das, andere benetzen höchstens Haut und Haar und sind der Meinung: Sauber werden sie beim Schwimmen sowieso. Mit dieser Einstellung suhlen sie sich in einem japanischen Badehaus jedoch im Fettnapf. Hier dürfen nur die Gäste ins Wasser, die nicht nur sauber, sondern rein sind: Sie seifen sich in öffentlichen Bädern oder an heißen Quellen gründlich ein und duschen sich ab, bevor sie ins Becken steigen. Geduscht wird übrigens im Sitzen, aus Höflichkeit: Dann spritze es weniger, erkärt die Tourismusabteilung in Tokio in einem Etikette-Führer. Immerhin: Das Abschrubben diene nicht nur der Hygiene und der Höflichkeit anderen gegenüber, sondern rege auch den Kreislauf an. Wer sauber geduscht ist, lässt alles hinter sich - auch die Badehose - und steigt nackt ins Wasser. Nimmt jemand Lappen oder Tuch, mit denen er sich gewaschen oder abgetrocknet hat, mit ins Becken, sitzt er bald alleine da. Schließlich soll dort niemand seinen Schmutz hineintragen. Mehr Fettnäpfchen, die in Japan bereitstehen, finden Sie hier. SZ.de/kaeb/dpa_tmn Im Bild: Nein, keine Angst, dieses japanische Paar sitzt nicht im eigenen Dreck, sondern genießt ein Bad mit hoffentlich pflegender Schokolade.

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Grönland Geburtstag, die erste Jagd, der erste Schultag - das muss gefeiert werden, meinen die Grönländer und laden ein zum "Kaffemik". Wer sich aber ein Kaffeekränzchen im kleinen Kreis vorstellt, irrt: Beim Kaffemik kommen in einem Zeitraum von mehreren Stunden schon mal 70 bis hundert Leute vorbei. Tagelang backen die Gastgeber daher, um genug Kuchen für alle zu haben. Die Gäste sollten sich daher mit höchstens zwei Tassen Kaffee und zwei Stück Kuchen begnügen. Und nur kurz vorbeischauen, ein kleines Präsent überreichen und ein wenig plaudern. Wer sich allzu lange niederlässt, sich gar häuslich einrichtet, stresst die Gastgeber. Da die nächsten zehn Besucher schon in der Tür stehen, verabschieden sich Grönländer beim Kaffemik bald wieder - sonst wird es einfach zu eng. In diesem Youtube-Video erklärt eine Grönländerin, wie ein Kaffemik abläuft. Hier finden Sie noch mehr internationale Knigge-Tipps für den Urlaub.

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