Spanien

Gerade für viele Deutsche ist es unverständlich, aber die meisten Spanier lieben jede Art von Lärm. Gemeint ist dabei nicht nur eine hohe Toleranzgrenze, sondern auch ein offenbar inneres Bedürfnis, Krach zu machen. Nicht umsonst ist Spanien laut einer OECD-Studie das zweitlauteste Land der Welt nach Japan: Autofahrer hupen ohne Grund, mitten in der Nacht wird die E-Gitarre ausgepackt oder das Altglas entsorgt - aber niemand beschwert sich.

Deshalb macht es für Urlauber wenig Sinn, sich an der Hotelrezeption über Ruhestörung zu beklagen. Selbst die Mitarbeiter der täglich vorbeiratternden Müllabfuhr lassen ganze Straßenabschnitte an ihrer Unterhaltung teilhaben. Schon nach ein paar Tagen wird Sie zumindest dieser Lärm nicht mehr aus dem Bett reißen. Der Krach verwandelt sich in ein spanisches Hintergrundrauschen. Für Kinder und Eltern ist Spanien übrigens ein Paradies: Schreiende Babys werden von wildfremden Passanten getätschelt, ältere Kinder dürfen beim Spielen hemmungslos lärmen. Davon könnten sich die Deutschen doch eine Scheibe abschneiden.

Bild: dpa 4. Juni 2014, 09:312014-06-04 09:31:50 © Süddeutsche.de/kaeb/cag/reek/dpa/tmn/sks/lala