Von Von Philip Wolff

Der Wirbelsturm ¸¸Larry" hat das Great Barrier Reef angegriffen - ein Albtraum für Meeresbiologen und Taucher.

Kurz nach 20 Uhr am Korallenriff. Die Stille nach Sturm Larry hat sich über das Wasser gelegt. Unter den Ausläufern des entfernten Sturmtiefs Wati regnet es, und die Boote der australischen Marine Park Authority tuckern hinaus: nachschauen, was vom Great Barrier Reef übrig geblieben ist.

Anzeige

So begann am Mittwochabend die zweitägige Bestandsaufnahme der Schäden, die der heftigste je dokumentierte Zyklon am Montag vor Australiens Nordostküste angerichtet hatte. Nur die Biologin Katharina Fabricius musste die Frage von ihrem Büro in Townsville aus bereits beantworten: Wird die Rifflandschaft die 48 Kilometer breite Wunde überleben, die Larry ins Korallen-Paradies schlug?

Wissenschaftler und Naturschützer aus aller Welt haben die Expertin vom australischen Meeresforschungsinstitut bereits angerufen. Sie behauptet: ¸¸Ja, das Riff überlebt." Zumindest wisse sie aus dem vergangenen Jahr, wie solche Sturmschäden in der einst bunt verspielten Unterwasserwelt aussehen. Zyklon Ingrid habe 2005 eine vermutlich ähnliche Schneise hinterlassen: ¸¸eine schreckliche Korallenschutthalde. Doch wenn alles gut geht, wird das Ökosystem in 20 Jahren schöner aussehen als zuvor."

Die Prognose beruhigt, nachdem Meeresökologen wie Hobbytaucher seit Tagen um das 345 000 Quadratkilometer große Barrier Reef fürchten: um seine 400 Korallenarten, 1500 Fischspezies und 8000 verschiedenen Weichtiere und Krebse.

Dabei wissen Riff-Experten wie Fabricius: ¸¸Dieses viele Millionen Jahre alte, submarine Universum hat schon viele Stürme überlebt." Zyklon Larry sei so etwas wie ein Schnupfen für einen Menschen gewesen: ¸¸Ist der Organismus gesund, geht er gestärkt daraus hervor", bestätigt auch der Berliner Geoforscher Reinhold Leinfelder.

Die Acropora wachsen wieder

In 20 Jahren, was umgerechnet in die Altersdimensionen des Riffs ein paar Menschentagen entspricht, könne die Unterwasserwelt vielfältiger strahlen als je, weil zum Beispiel die bislang dominierenden Acropora-Korallen abgerissen worden seien und damit Platz für andere Korallenarten gemacht hätten, sagt Leinfelder. Zudem wüchsen die verzweigten Acropora andernorts binnen kürzester Zeit wieder an.

Voraussetzung für diesen Heilungsprozess ist allerdings: In den nächsten Jahren dürfen keine weiteren Superzyklone folgen. Das Wasser darf nicht zu warm sein. Landwirtschaft und Schiffstourismus müssen ihre Abwässer streng kontrollieren. All diese Einflüsse haben das über Jahrmillionen vor Gesundheit strotzende Great Barrier Reef momentan in eine kritische Lebensphase gebracht. Ist es tatsächlich gesund genug, um sich zu erholen?

Etwa tausend lizenzierte Tourismus-Unternehmer vermitteln Besuchern der Riffe heute mehr als 1,3 Millionen Tauchgänge pro Jahr. Einer der dafür populärsten Orte, Innisfail, wurde von Zyklon Larry fast vollständig zerstört. ¸¸Doch vor allem durch ins Meer gespülte Düngemittel war die von Larry zerpflügte Korallenlandschaft vorgeschädigt", sagt Fabricius. Beides, Tourismus und Landwirtschaft, müsste in Zukunft stärker kontrolliert werden.

Sie sind jetzt auf Seite 1 von 2 nächste Seite

  1. Sie lesen jetzt Angst um das Korallen-Paradies
  2. Angst um das Korallen-Paradies
Leser empfehlen 
Lesetipp aus der aktuellen SZ: Wo die Deutschen wohnen

Die Nationalmannschaft logiert während der EM an einem exklusiven, schnörkeligen Ort. Reise-Beilage zur EM Jetzt lesen ...