Pünktlichkeitsstatistik der Bahn Intransparent und missverständlich

Eine Statistik, die eigentlich keinen Aussagewert hat: Deutsche Wissenschaftler bewerten die jüngste Pünktlichkeitsstatistik der Bahn als mangelhaft.

Der Wert hört sich eigentlich ziemlich gut an. Bei 96,5 Prozent der Züge hat die Bahn im Januar eine sogenannte "Fünf-Minuten-Pünktlichkeit" festgestellt. Doch deutsche Wissenschaftler aus verschiedenen Disziplinen können sich so gar nicht mit der Bahn freuen. Sie warfen dem Unternehmen bei der jüngsten Pünktlichkeitsstatistik mangelnde Transparenz vor und zeichneten die Angaben als "Unstatistik des Monats" aus - einen zweifelhaften Titel, den die Wissenschaftler-Gruppe regelmäßig für Statistiken vergibt, die intransparent sind und missverständliche Interpretationen erlauben.

Für Fahrgäste sei nur schwer ersichtlich, was genau die "Fünf-Minuten-Pünktlichkeit" bedeute, teilten die Wissenschaftler vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung, der TU Dortmund und dem Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Essen mit. "Wir würden uns wünschen, dass die Bahn ihren Kunden mehr Informationen an die Hand gibt. Mit seiner Statistik zwingt das Unternehmen die Leute, genauer hinzuschauen", sagte der beteiligte Berliner Psychologe Prof. Gerd Gigerenzer.

Zugausfälle nicht in der Statistik

Die Quote der "Fünf-Minuten-Pünktlichkeit" gibt an, wie viel Prozent aller Haltepunkte im S-Bahn-, Nah- und Fernverkehr mit weniger als sechs Minuten Verspätung erreicht wurden. Gigerenzer und seine Kollegen kritisierten, dass Zugausfälle komplett aus der Statistik genommen worden seien. Außerdem gebe die Zahl zwar Auskunft über eingehaltene Zeitpläne an einzelnen Streckenabschnitten, nicht jedoch über die Pünktlichkeit an den Ziel-Bahnhöfen. Wie viele Fahrgäste ihr Ziel nach Fahrplan erreichten, gebe die Quote ebenfalls nicht preis.

Die Wissenschaftler wiesen zudem darauf hin, dass in anderen Ländern bereits ein Plus von drei Minuten als Verspätung registriert werde. Die Deutsche Bahn gehe weniger streng mit sich ins Gericht: Sie beginnt erst bei mehr als fünf Minuten mit dem Zählen. Seinem Anspruch, internationale Vergleichbarkeit zu gewährleisten, werde das Unternehmen so nicht gerecht, sagte Gigerenzer.

Bahn weist Kritik zurück

Die Bahn wies die Kritik der Wissenschaftler als unbegründet zurück. "Mit der im September 2011 gestarteten Veröffentlichung von monatlichen Pünktlichkeitswerten haben wir ein Zeichen für mehr Transparenz gesetzt", sagte ein Bahnsprecher in Berlin. Ohnehin interessierten sich Kunden aber vor allem dafür, ob ihre individuell geplanten Züge pünktlich abfahren. Das könnten sie stets aktuell auf der Homepage erfahren, betonte der Bahnsprecher.