Proteste in der Türkei Ist Istanbul noch sicher?

Auch wen viele am Taksim-Platz demonstrieren: Touristen sind von den Protesten nicht betroffen.

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Die Unruhen in der türkischen Metropole verunsichern Touristen. Können sie noch nach Istanbul fahren? Wie die Lage vor Ort aussieht und was Reiseveranstalter dazu sagen.

Von Carolin Gasteiger und Christiane Schlötzer, Istanbul

Aus dem friedlichen Protest in einem Bürgerpark Istanbuls wurden in den vergangenen Tagen große Aufmärsche und ein Auflehnen gegen die Regierung von Ministerpräsident Erdoğan. Inzwischen kamen zwei Menschen ums Leben.

Ausschreitungen in Paris, Randale in Stockholm und nun gewaltsame Demonstrationen in Istanbul: In den vergangenen Monaten brachen immer wieder an beliebten Reisezielen Unruhen aus. Obwohl Touristen meist nicht direkt betroffen sind, fragen sich viele: Wie sicher ist es gerade, nach Istanbul zu fahren?

Urlauber sollten die Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes berücksichtigen: Im Fall von Istanbul rät die Behörde, sich von Demonstrationen und Menschenansammlungen fernzuhalten und die Medienberichterstattung aufmerksam zu verfolgen - eine übliche Empfehlung im Krisenfall, auch in anderen von Unruhen erschütterten Städten und Ländern. Eine konkrete Reisewarnung für Istanbul besteht jedoch nicht.

Beobachter in Istanbul schätzen den Taksim-Platz dennoch als nicht gefährlich ein. Die Stimmung dort sei momentan friedlich, geradezu festlich. Gleiches gilt für den Gezi-Park, der nach wie vor besetzt ist.

Wer die Unruhen aber wie vom Auswärtigen Amt empfohlen weiträumig umgehen will, sollte diese Plätze meiden. Istanbuls Hauptattraktionen lassen sich dennoch besichtigen: Denn die Blaue Moschee, der Topkapi-Palast oder die Hagia Sophia liegen in der Altstadt, auf der anderen Seite der Bosporusbucht Goldenes Horn. Und dort merkt man nichts von den Protesten.

Gefährlich könnte es in den Vierteln Besiktas beim Dolmabahce-Palast, und Gümüssuyu, südlich des Taksim werden. Nachts kämpfen dort Polizisten und Demonstranten, Rauchgasbomben fliegen umher. Vor den Vierteln Beyoğlu und Besiktas in Ufernähe des Bosporus warnt auch das deutsche Generalkonsulat in Istanbul: Unbeteiligte könnten hier bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizei in Mitleidenschaft gezogen werden, vor allem wegen des Tränengases.

In welcher türkischen Stadt auch immer: Ihre Urlaubsreise müssen Touristen nicht überstürzt abbrechen oder stornieren. Einen Buchungsrückgang bemerken Reiseveranstalter derzeit nicht. Sie richten sich ebenfalls nach der Einschätzung des Auswärtigen Amtes. "Wir stehen in regelmäßigem Kontakt mit den zuständigen Behörden", sagt Kathrin Rüter, Sprecherin von Öger Tours.

Vorsichtig sollten Touristen dennoch sein. Denn wie sich die Lage entwickelt und ob die Vermittlungsversuche der Regierungsleute in Istanbul erfolgreich sein werden, lässt sich noch nicht sagen.