Post und ADAC planen Fernbus-Linien Nicht nur Bahnfahrer gehören zur Zielgruppe

Transport über weite Strecken gegen Bezahlung - für den Bonner Konzern ist es eine Fortsetzung seines Geschäftsmodells mit anderen Mitteln. "Die Post kann hier ihre Kompetenz im Betrieb von Netzen ausnutzen", sagt auch Alexander Eisenkopf, der an der Friedrichshafener Zeppelin-Universität Mobility Management lehrt. "Aber im Vergleich zu ihrem sonstigen Geschäft werden das Peanuts sein." Das große Geld sei mit Fernbussen auf Dauer kaum zu machen. "Eine Goldgrube wird das nicht", sagt Eisenkopf.

Aber Post und ADAC setzen offenbar vor allem auf Synergien. So verfügt die Post über ein dichtes Netz von Filialen, die künftig auch Busfahrscheine verkaufen könnten. Der ADAC steuert eine Mitgliederdatei mit mehr als 15 Millionen Adressen bei, mir der sich auch trefflich für eine Buslinie werben ließe. Obendrein kann das Engagement dem Image kaum schaden. Schließlich verstehe man sich nicht nur als Autofahrer-Club, sondern als Lobby der Mobilität schlechthin, heißt es bei dem Verband. Und die Post lobt überschwänglich, der ADAC ergänze "hervorragend" deren Ruf von Zuverlässigkeit und Schnelligkeit.

Wie genau das Fernbus-Netz aussehen soll, ließen Post und ADAC offen. Allerdings gehe es um ein wirklich flächendeckendes Angebot, das nicht nur die Metropolen bediene. Legt man allein Städte mit mehr als 150.000 Einwohnern zugrunde, kämen so locker an die 50 Zielorte zusammen. Sie würden dann zum einen über eine eigene Busflotte samt eigener Fahrer angesteuert. Zum anderen werde es aber auch Partnerschaften mit ausgewählten Busunternehmen geben. Einzelheiten wollen Post und ADAC in der ersten Hälfte des neuen Jahres bekannt geben.

Branchenbeobachter rechnen damit, dass die neuen Fernbusse nicht nur der Bahn Kunden abspenstig machen, sondern mehr noch Autofahrer anlocken - erst recht angesichts hoher Spritpreise. Auch die Nutzer von Mitfahrzentralen gelten als mögliche Zielgruppe für die neuen Buslinien. Der Wettbewerb dürfte dabei vor allem über den Preis geführt werden.

Im Vergleich zur Bahn haben die Busbetreiber einige Kostenvorteile. Sie müssen kein teures Schienennetz unterhalten und sind flexibler als der Staatskonzern. Rechnet sich eine Strecke nicht, wird sie eingestellt. Die Bahn selbst, die derzeit 30 Fernbuslinien betreibt, hält sich bislang zurück. Man beobachte erst die Entwicklungen - und werde gegebenenfalls reagieren.

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