In der Region nördlich des Tejo klingen manche Fado-Lieder besonders melancholisch, wenn sie von der unglücklichen Liebe des Prinzen Pedro zu einer Hofdame erzählen - der König ließ sie umbringen. Nun liegen sich die Liebenden in einer Kathedrale gegenüber und warten auf den Jüngsten Tag.
Es war eine Liebesgeschichte, die noch heute die Nation zu Tränen rührt. Pedro hieß der Prinz, der sich vor fast 700 Jahren unsterblich in Inês verliebte. Sie lebten einige glückliche Jahre zusammen - bis zum gewaltsamen Tod von Inês. Ausgerechnet Pedros Vater, der portugiesische König, ließ die schöne Hofdame ermorden, weil ihm die Liaison politisch nicht passte. Doch Pedros Liebe überdauerte das Verbrechen.
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In der Klosterkirche von Alcobaça liegen sich Pedro und seine geliebte Inês gegenüber - Trost spenden steinerne Engel. Wenn die Liebenden am Jüngsten Tag auferstehen, schauen sie sich in die Augen, hoffte der spätere König Pedro. (© Blume/dpa-tmn)
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Noch heute liegt sich das Paar gegenüber, wie es Pedros Wunsch war. In der Klosterkirche von Alcobaça erhebt sich auf der linken Seite des Querschiffes das Grabmal der Inês. Auf dem Sarkophag ruht eine steinerne Figur der Verstorbenen. Auf der rechten Seite des Querschiffes steht der Sarkophag Pedros, auch dieser von seinem liegenden Abbild bedeckt. Wenn am Jüngsten Tage beide auferstehen, werden sie sich endlich wieder in die Augen schauen, so hatte es sich Prinz Pedro erhofft.
Alcobaça ist ein Städtchen rund 125 Kilometer nördlich von Lissabon. Stolz ragt die barock umgestaltete Fassade der gotischen Kirche über den Dorfplatz, hell leuchtet die weiße Hauptfront des Klosters in der Nachmittagssonne. Sie bildet einen Kontrast zu den bunten Häusern auf der anderen Seite des Platzes, in denen gleich mehrere Cafés untergebracht sind. Die Abtei von Alcobaça gilt als eines der schönsten Beispiele zisterziensischer Baukunst in Europa.
Gewaltig an Größe und schlicht in der Ausstattung ist das Innere der frühgotischen Hallenkirche. Im Königssaal schmücken landestypische "azulejos" die Wände, blaue Kacheln, bemalt mit Motiven aus der portugiesischen Geschichte. Besucher wandeln durch prächtige Kreuzgänge und baumbestandene Innenhöfe - und durch die Säle des einstigen Klosters: Das Refektorium, der Speisesaal, mit einer Lesekanzel oder das Dormitorium, in dem die Mönche schliefen.
Die ehemalige Klosterküche ist 18 Meter hoch und hat einen gewaltigen Kamin. Die Anlage von Alcobaça ist fast so alt wie Portugal selbst. Den Grundstein der Kirche legte Afonso Henrique, der erste portugiesische König, schon 1148. Damals war das Land noch zwischen Christen im Norden und Mauren im Süden umkämpft.
In der Region nördlich des Tejo wurde portugiesische Geschichte geschrieben, lange bevor von Lissabon die Karavellen aussegelten, den Seeweg nach Indien zu finden und "neue Welten für die Welt" zu entdecken, wie es der Dichter Luís de Camões im 16. Jahrhundert im Nationalepos "Die Lusiaden" beschreibt.
Dass es damals selten friedlich zuging, verrät das nächste Städtchen, 20 Kilometer nordöstlich von Alcobaça.
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