Von Thomas Becker

Lenken mit den Füßen, Gas geben am Seitenfenster: In Perth im Westen Australiens kann man sich seinen Traum vom Fliegen erfüllen. Das ist alles andere als harmlos.

Wir kennen uns erst zehn Minuten, sind vor fünf Minuten gemeinsam in ein sehr kleines Flugzeug gestiegen, als Jack seine Hand vom Steuerknüppel nimmt und diesen Adrenalin-Satz sagt: "Du kannst dann den Start machen, wenn du willst." So sind sie, die Briten: immer zuvorkommend, immer lächelnd, selbst auf der Startbahn eines Flughafens.

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Wenn ich will, kann ich also den Start machen - warum auch nicht? Hat doch jedes Kind schon von geträumt.

Nur: In 99 Prozent der Fälle bleibt es beim Träumen. "Foxtrott Papa Papa ready for Take-off", knarzt Jack Richtung Tower. Bekommt "Roger Foxtrott Papa Papa. Take off and make a left turn" zur Antwort - und schaut mich auffordernd an.

Die Ankündigung im Prospekt hatte harmlos geklungen. "Pilot for a day" , die once-in-a-lifetime-experience: selbst ein Flugzeug lenken. 203 australische Dollar, etwa 120 Euro, für eine halbe Stunde Rundflug über der Skyline von Perth, samt Zertifikat.

Klar, wie so was abläuft: Ein erfahrener Pilot hebt den Vogel in die Luft, oben darf man mal kurz das Steuer halten, Beweisurkunde, fertig.

Es ist anders.

Überhaupt nicht harmlos.

Sondern: verdammt aufregend.

Jandakot Airport bei Perth, Südwestaustralien. Piloten von Air China und Singapore Airlines trainieren hier. Kookaburra Air ist eine kleine Flugschule, die hier ihre Basis hat. Namensgeber ist ein eher unspektakuläres Federvieh mit bescheidener Spannweite. Macht sich aber gut auf dem Prospekt.

Darrel, der Chef, holt Flugwillige in der Stadt ab und gibt sie dann flott an Jack weiter, einen gemütlichen Briten mit vier Streifen auf der Schulter: Chief Pilote. Nach wenigen, sehr allgemeinen Sätzen - für die durchweg unkomplizierten Australier ist Fliegen in ihrem Riesenland so selbstverständlich wie für uns Fahrradfahren - stehen wir auch schon vor unserer Maschine: eine Eagle 150, sechs Meter lang, sieben Meter Spannweite - eine Nussschale, ein Fliegendreck von einem Flugzeug.

Bilder von diesen Kirmes-Karussellen mit auf und ab wabernden Fliegern, Hubschraubern und Feuerwehrautos tauchen auf. Ach was, die Eagle ist ein ausgewachsenes Flugzeug! Ganz bestimmt!

Wir sitzen nebeneinander, einen Joystick als Steuerknüppel in der Mitte. Jeder hat dieses Armaturenbrett vor sich, das man aus den Flugzeug-stürzt-fast-ab-Filmen kennt. Immerhin gehen die immer gleich gut aus: Wird-vom-Helden-gerade-noch-so-gerettet. Jack redet ruhig, aber viel.

Ich merke mir vor allem die Sache mit dem Höhenmesser. Wo ist eigentlich das Lenkrad? "Gelenkt wird mit den Füßen", sagt Jack und grinst.

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