Von Moritz Attenberger

Das Spazierengehen mit Stöcken ist ein Gesundheitssport ohne Leistungsdruck, Quälerei oder Altersgrenze.

Vorurteile sind vorhanden. Nordic Walking? Mit Stöcken spazieren gehen? So etwas Ähnliches gab es doch bereits vor ein paar Jahren, beim Walking. Damals sind gruppenweise Fitnesswillige hüftbetont durch die Gegend gewackelt. Und jetzt sind ein Nordic vor den Namen und Stöcke zu den Sportlern gekommen.

Ausschreiten heißt die Devise. (© )

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Für manche ist Nordic Walking daher immer noch ein vorübergehender Trend, doch die Fakten sprechen dagegen. Der Sport hat sich etabliert, immer mehr halten sich fit mit Nordic Walking, selbst Urlaubsorte machen Werbung damit. In Nesselwang gibt es sogar den ersten Nordic-Fitness-Park, in dem fünf unterschiedlich schwere Strecken ausgewiesen sind.

Rosmarie Pichler trägt den Titel Nordic Walking Instructor und betreibt mit ihrem Mann Christian die Hachinger Nordic-Walking- und Gesundheits-Schule. Doch vor dem Walken steht die Theorie, wenn auch nur in Form einer kurzen Einweisung.

Wie's geht

Wichtig ist es, den Stockeinsatz zum richtigen Zeitpunkt zu machen "und dann locker aus der Schulter raus anzuschieben"". Kinderleicht schaut das aus bei Rosmarie, und schon geht es los, hinein in den Perlacher Forst.

Für Außenstehende schaut das aus wie Langlaufen ohne Ski. "Früher haben Passanten öfter mal gefragt, ob wir die Ski vergessen haben", erzählt Rosmarie, "inzwischen höre ich das kaum noch."

Im Gegenteil, die Vorteile der ursprünglich finnischen Sportart haben sich überall herumgesprochen. Was einst als Sommertraining für Langläufer angefangen hat, ist inzwischen sogar von vielen Hotels in ihr Wellness-Programm aufgenommen worden. Nordic Walking ist ein Sport für alle, sowohl für Einsteiger als auch als Training für Sportliche.

Dabei werden die Gelenke geschont, das Herzkreislaufsystem aktiviert, Muskelverspannungen gelöst, Ausdauer, Kraft und Beweglichkeit gefördert. Sanft, fast, ohne dass man es merkt.

600 Muskeln im Training

Rosmarie gibt dabei Tipps, wie man aufrechter geht, mehr Spannung in den Oberkörper bringt und dabei die Kraftübertragung mit dem Stock auf den Boden optimiert. Jeder soll sich bewusst darauf konzentrieren, was in seinem Körper geschieht. Und dann merkt man schnell, dass der komplett arbeitet und in gleichmäßiger Bewegung ist. Mehr als 600 Muskeln werden gleichzeitig trainiert - kaum zu glauben.

Und trotzdem bleibt der Puls im Mittelbereich. Keiner kommt außer Atem, man kann sich nebenbei noch ohne Probleme unterhalten, und deshalb macht es in der Gruppe besonders viel Spaß. Eine Teilnehmerin erzählt, dass sie mit Nordic Walking in drei Monaten sieben Kilo abgenommen habe. Das Ganzkörpertraining verbrennt mehr Kalorien als beispielsweise Joggen und wirkt nachhaltiger, weil durch die sanfte Ausdauerbelastung Fettreserven verbrannt werden.

An einer Wegkreuzung macht Rosmarie kurz Halt. Angesagt sind Kräftigungsübungen mit den Stöcken, mit und ohne Partner. Und schon geht es weiter, diesmal mit verstärktem Stockeinsatz und höherer Geschwindigkeit. Der Vortrieb durch die Armkraft ist enorm, dynamisch geht es durch den Wald. Dennoch, am Schluss der Tour, nach ein paar Dehnungsübungen mit Rosmarie, ist man nicht ausgepowert, sondern eher entspannt - und bekommt Lust auf mehr.

Nordic Walking ist in aller Munde, auch bei Spitzensportlern. Seit diesem Jahr verbessern auch die Skispringer der deutschen Nationalmannschaft im Sommer ihre Kondition mit Hilfe des nordischen Stabganges. Nordic Walking ist mehr als ein Trend. Und man braucht nicht viel: Turnschuhe, leichte Kleidung und eben Stöcke, die es in der Hachinger Nordic-Walking-Schule aber auch zu leihen gibt, und schon kann es losgehen...

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