Niederlande Eine Tulpe soll aus dem Meer wachsen

Noch aus dem Weltall wäre die Tulpeninsel zu erkennen: Nach dem Vorbild der Palmeninsel vor Dubai planen nun auch die Niederlande ein künstliches Eiland in der Nordsee.

Die Regierung der Niederlande plant ein ehrgeiziges, rund zehn Milliarden Euro teures Bauprojekt: Vor der Nordseeküste soll eine rund 50 Kilometer lange künstliche Insel in Form einer Tulpe aufgeschüttet werden, berichtet die englische Zeitung The Sunday Times.

Premierminister Jan Peter Balkenende hat bereits eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse Mitte Januar 2008 vorgestellt werden sollen.

Die Tulpeninsel soll im Westen des Landes vor der Küste von Randstad entstehen. In der am dichtesten besiedelten Region, die unter anderem die Städte Amsterdam, Leiden, Den Haag und Rotterdam umfasst, leben 40 Prozent der niederländischen Bevölkerung.

Das neu gewonnene Land auf der zwischen 50.000 und 100.000 Hektar großen Insel soll Wohnraum bieten und sowohl für die Landwirtschaft als auch für Freizeitaktivitäten genutzt werden. Außerdem könnte die Insel auch als vorgelagerter Schutzwall vor der Küste dienen, so Joop Atsma, ein Mitglied von Balkenendes Partei CDA und Ideengeber für das Projekt, in The Sunday Times.

Naturgemäß haben die Niederlande große Erfahrung in der Landgewinnung und im Kampf gegen das Meer. Ungefähr die Hälfte des Landes liegt weniger als einen Meter über, rund ein Viertel des Landes unterhalb des Meeresspiegels (gemessen bei Amsterdam). Niederländische Unternehmen haben ihr Expertenwissen zuletzt vor allem bei ausländischen Großprojekten in Hongkong oder beim Bau der Palmeninsel vor Dubai eingebracht. Ministerpräsident Balkenende will dieses spezielle Know-how nun in der Heimat eingesetzt wissen.

Geradezu entsetzt zeigen sich die betroffenen Küstengemeinden und Naturschützer von dem Projekt. "Das ist eine verrückte Idee", meint Lisa van der Veen von der North Sea Foundation in The Sunday Times. "Das wäre viel zu teuer und die Konsequenzen für das Ökosystem wären dramatisch."

Gerade die Küstenzone der Nordsee sei eine der fruchtbarsten der Welt, so van der Veen zur Nachrichtenagentur Reuters. Außerdem hätten Meeresvögel und Fische die Folgen der Expansion zu tragen. "Das viele Geld wäre besser in der Verstärkung der Deiche eingesetzt."

Und selbst ein Vertreter der niederländischen Firma, die bei der Palmeninsel vor Dubai an den Aushubarbeiten beteiligt war, äußerte sich kritisch. "Symbole wie Tulpen, Holzschuhe oder Windmühlen sind ein amüsanter Weg, um eine Debatte in Gang zu setzen", so Bert Groothuizen von der Firma Van Oord, "man sollte sie allerdings tatsächlich für umsetzbar halten."

Im Gegensatz zum Persischen Golf, wo man es selten mit Wellen, die höher als zwei Meter sind, zu tun habe, fegten bis zu zehn Meter hohe Brecher über die Nordsee. "Das wird die Baukosten in die Höhe treiben", so Groothuizen. Realistischer sei es, bestehende Strände ins Meer zu erweitern oder den Hauptflughafen der Niederlande auf eine Insel im Meer zu verlegen.