Naturschutzbund "Aus Umweltaspekten ist kein einziges Kreuzfahrtschiff empfehlenswert"

Ein Schiff der Aida-Cruises-Flotte im Hafen von Rostock: So freundlich die Optik, so düster ist die Umweltbilanz der europäischen Kreuzfahrtschiffe.

(Foto: obs)
  • Der Naturschutzbund kritisiert im jährlichen Kreuzfahrt-Ranking die Umweltverschmutzung durch die europäischen Luxus-Liner.
  • Alle Kreuzfahrtschiffe führen noch mit Schweröl, neue Technik zur Abgasfilterung käme nicht zum Einsatz.

Unterhaltungsprogramm, Captains' Dinner und zwischendrin werden die Häfen der schönsten Reiseziele angesteuert: Immer mehr Reisende buchen eine Kreuzfahrt, immer günstiger werden die Tickets für die großen Luxus-Liner. Den Preis dafür zahlt jedoch die Umwelt, denn bei den meisten europäischen Kreuzfahrtschiffen handelt es sich um richtige Dreckschleudern.

Zu diesem Schluss kommt einmal mehr das jährliche Kreuzfahrt-Ranking des Naturschutzbundes (Nabu). Wie aus der Auswertung für 2016 hervorgeht, haben von 55 untersuchten Kreuzfahrtschiffen nur elf eine Technik zur Abgasentgiftung, die über die gesetzlichen Bestimmungen hinausgeht. Unter Umweltaspekten sei kein einziges Kreuzfahrtschiff empfehlenswert, erklärt der Nabu-Verkehrsexperte Dietmar Oeliger in Hamburg.

Vor einem Jahr zeigte sich der Nabu noch sehr viel optimistischer, als er in sein Ranking die Umwelttechnik der in Auftrag gegebenen Schiffe mit einbezog. Der Nabu sei bei seiner Voraussage "auf die Nase gefallen," räumte Oeliger ein. Anspruch und Wirklichkeit in der Kreuzfahrt-Branche würden weit auseinanderklaffen. Die angekündigte Abgasreinigung der im Mai getauften AIDAprima sei immer noch nicht im Einsatz.

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Dennoch schnitt die AIDAprima im Ranking am besten ab, gefolgt von der Europa (Hapag-Lloyd), der Flotte Mein Schiff (TUI) und den Schwesterschiffen Diadema und Fascinosa (Costa). Luxus-Liner wie die Queen Mary 2 und die Queen Elisabeth (Cunard) oder die älteren Schiffe von AIDA und Mein Schiff bekamen dagegen die "Rote Schiffsschraube", die Negativ-Bewertung.

Stickoxide und Feinstaub in den Häfen

Alle Kreuzfahrtschiffe fahren nach Nabu-Angaben noch mit Schweröl, das etwa 100 Mal mehr Schadstoffe produziert als handelsüblicher Lkw-Diesel. In Hamburg beispielsweise stammten 38 Prozent der Stickoxide und 19 Prozent des Feinstaubs in der Stadt von der Seeschifffahrt, so der Nabu. Kein einziges der beurteilten Kreuzfahrtschiffe fährt im Übrigen unter deutscher Flagge.

Der Kreuzfahrt-Dachverband CLIA hatte den Angaben zufolge in einem Schreiben an den Nabu erklärt, dass bereits 23 Schiffe über Rußpartikelfilter verfügen. Auf Nachfrage habe der Verband jedoch kein einziges benennen können, kritisierte Oeliger. Auch Royal Caribean habe angegeben, zwölf Schiffe seien mit Rußpartikelfilter im Einsatz. Tatsächlich fahre kein einziges mit dieser Technik.

Clia Deutschland, der Verband der Kreuzfahrtindustrie, wies die Vorwürfe zurück. Zahlen seien missinterpretiert worden, außerdem gebe es keinen wissenschaftlichen Standard für das Ranking, dessen Bewertungskriterien jährlich geändert würden. Clia Deutschland hatte jüngst mitgeteilt, dass in Europa 75 Schiffe mit Abgasreinigungssystemen ausgestattet seien und 52 Schiffe Voraussetzungen für Landstrom erfüllten. Für den Nabu ist fraglich, ob diese Techniken tatsächlich eingesetzt werden.

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