Namibia Wellness in der Wildnis

Auf einer Farm in Namibia gehen die Gäste nicht nur auf Safari, sondern erholen sich bei Thalasso und Nackenmassage.

Von Barbara Schaefer

"Ist das ein Panzernashorn?", fragt eine Besucherin. Ingo Stritter schaut, als hätte die Urlauberin gefragt, ob auf seinem Besitz in Namibia Pinguine leben. "Die gibt es nur in Indien", erklärt Stritter im Ton eines etwas ungeduldigen Lehrers. Auch schwarze Nashörner grasen nicht auf seinem Besitz, sie sind "viel zu aggressiv", sondern vier weiße Rhinozerosse, Breitmaulnashorn genannt. Selbst Leoparden und Geparde jagen über sein Land. Als aber die Gäste fragen, ob da auch Löwen leben, resigniert er. Kein Mensch würde in ein privates Tier-Reservat Löwen bringen, die seien doch viel zu gefährlich. Stritter lebt umgeben von Weißwedelgnus und Elenantilopen und vergisst schon mal, dass die größten Tiere in Deutschland Kuh und Pferd heißen.

Womit sich Ingo Stritter jedoch sehr gut auskennt, ist die Afrika- und Erholungssehnsucht seiner Gäste: Er betreibt eine Wellnesslodge, umgeben von einem 6000 Hektar großen Natur-Reservat. Seit vier Generationen lebt seine Familie in Namibia, unverkennbar ist der harte Akzent des 37-jährigen Afrika-Deutschen. Auch der Besuch der Hotelfachschule Tegernsee konnte das nicht mildern. Stritter ist ein drahtiger Mann, sein sportlicher Körper verrät, dass er selbst gerne die Fitness-Geräte seiner Lodge nutzt.

Diese Annehmlichkeiten genießen aber vor allem seine Gäste. Tagsüber liegen sie am Pool, sinken in einen der mit hellen Leinenmatten belegten Teakstühle. Als geschwungene Acht strahlt das Blau des Wassers aus dem satten Grün des Rasens, eine Brise aus den Bergen streicht über die Szenerie und kühlt die Ruhenden. Die einen lassen sich im Freien massieren, um Verspannungen zu lockern. Andere wählen eine Thalasso-Anwendung mit Meerwasser aus der Lüderitzbucht oder eine Gesichtsbehandlungen nach der Baobab-Methode. Am späten Nachmittag treffen sich die Gäste zur Safari. Der Besitz ist groß und Fahrer Richard erspäht auf Anhieb nicht allzu viele Tiere. Die Illusion von Wildnis lebt in den Köpfen der Safariteilnehmer auf, sie nimmt schließlich den größten Anteil im Posten Afrika-Sehnsucht ein. Tatsächlich lässt sich eines der weißen Nashörner blicken, majestätisch - und unbeeindruckt vom Jeep - walzt es durch die Savanne. Richard hält an und packt die Kühlbox aus: Zeit für den Sundowner, den abendlichen Gin Tonic.

Entspannen von staubigen Safaris und holprigen Straßen

Die Idee, in Namibia eine Wellness- Lodge zu eröffnen, hatte Stritter "schon in der Hotelfachschule". Wellness-Angebote gibt es in Namibia bislang kaum, wer würde dafür eine so weite Reise auf sich nehmen? Doch nach einer staubigen und anstrengenden Rundreise durch Namibia, in Flughafen-Nähe ein paar Tage zu entspannen, das könnte funktionieren, dachte sich der Jungunternehmer. Er kaufte zusammen mit seinem Vater den Besitz GocheGanas, der in Dokumenten erstmals im Jahr 1903 als Farm "Gochekanas" in Deutsch-Südwestafrika erscheint. Von 1928 bis 1936 wurde hier Käse produziert: Gouda. 1997 kauften die Stritters die Farm und wandelten sie in ein Wildreservat um. Das wiederum ist nicht neu für Namibia. Da namibische Viehzüchter auf dem Weltmarkt nicht mehr konkurrieren können, satteln viele um auf Tourismus, verkaufen ihr Vieh und schaffen sich Wild an. Die Stritters zogen 36 Kilometer Zaun um ihren Besitz und führten 1600 Tiere ein, 21 verschiedene Arten.

Vor einem Jahr eröffnete Stritter die Wellnesslodge, die mit ihrer einzigartigen Architektur, Kultur und Geschichte Namibias mit den neuesten Trends der Wohlfühlindustrie kombiniert. Die Gäste entspannen sich von staubigen Safaris und holprigen Straßen im Granit-Bad (Stein-Sauna), im beheiztem Innenschwimmbad oder lassen sich in den Massageräumen durchkneten.

"Vor meiner Terrasse standen heute morgen vier Giraffen", freut sich eine Besucherin beim Frühstück. Es sei ihr vorgekommen, als würden deren sonst so arroganten Mienen zum Abschied freundlicher blicken. Ingo Stritter hört es zufrieden. Giraffen funktionieren immer.