Nach Probelauf am Hamburger Flughafen Bosbach hält Körperscanner für nicht praxistauglich

Unzuverlässige neue Technik: Die am Hamburger Flughafen erprobten Körperscanner sind laut CDU-Politiker Bosbach bislang "nicht akzeptabel" - die Passagierabfertigung werde verzögert statt beschleunigt. Allerdings kann er dem Probelauf auch Positives abgewinnen.

Von Susanne Höll, Berlin

Die am Hamburger Flughafen erprobten elektronischen Körperscanner sind nach Einschätzung des Vorsitzenden des Bundestagsinnenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU) bislang nicht praxistauglich. Die Alarmquote der beiden Geräte sei mit 70 Prozent "nicht akzeptabel", sagte Bosbach der Süddeutschen Zeitung. Er bezog sich auf einen ersten Bericht der Bundespolizei über den Hamburger Test, der am Wochenende bekanntgeworden war.

Demnach gab es aus technischen Gründen oft Fehlalarm - Passagiere, die bei dieser elektronischen Prüfung aufgefallen waren, mussten danach aufwendig per Hand abermals kontrolliert werden.

Damit werde die Passagierabfertigung verzögert statt beschleunigt, ein wichtiges Ziel der Scanner mithin verfehlt, sagte Bosbach. Die deutschen Flughäfen könnten erst dann flächendeckend mit diesen Gerätschaften ausgestattet werden, wenn sie technisch akzeptabel seien. Ansonsten würden die Fluggäste sie meiden und stattdessen lieber gleich durch die üblichen Sicherheitsschranken gehen und sich von Hand abfertigen lassen.

Bosbach forderte das Bundesinnenministerium auf, in Gesprächen mit dem US-Hersteller L-3-Communications auf Verbesserungen zu dringen. Der CDU-Mann konnte dem Probelauf aber auch Positives abgewinnen: Die Scanner könnten am Körper versteckte Waffen und Sprengstoffe besser erkennen als die bislang üblichen Geräte. Auch blieben die Persönlichkeitsrechte bei den Scannern dieser Produktion gewahrt.

Das Bundesinnenministerium will in den nächsten Wochen entscheiden, ob und wann die Körperscanner an deutschen Flughäfen im Regelbetrieb eingesetzt werden. Die Resultate des Probelaufs würden jetzt ausgewertet, sagte ein Ministeriumssprecher.

Schon zu Beginn des Hamburger Probelaufes, bei dem sich insgesamt knapp 800.000 Passagiere freiwillig hatten scannen lassen, waren die hohen Alarmquoten bemängelt worden. In Sicherheitskreisen hieß es, es habe zwischenzeitlich technische Verbesserungen gegeben, abgestellt sei das Problem aber nicht.

Die ursprünglich einmal als "Nacktscanner" bezeichneten Geräte waren in Deutschland zunächst höchst umstritten: Es gab die Befürchtung, die Geräte würden ein originalgetreues Bild der Passagiere abbilden und damit die Menschenwürde der Fluggäste verletzten. Zu Beginn des Probelaufs hatte auch der Bundesdatenschutzbeauftragte Peter Schaar die Hamburger Scanner geprüft; er war zu dem Urteil gekommen, dass die Geräte keine Körperkonturen zeigen, sondern lediglich Strichmännchen.

In anderen Ländern, etwa den USA, sind die Flughäfen längst mit Scannern ausgerüstet, die Originalbilder des Körpers zeigen. Kontrolleure an den Bildschirmen sitzen aber weit entfernt von den Geräten und wissen nicht, welchen Passagier sie gerade sehen.