Nach Praxistest am Hamburger Flughafen Polizeigewerkschaft fordert Verzicht auf Körperscanner

Hohe Fehlerquote, lange Wartezeiten: Nach zehn Monaten sind zwei Körperscanner am Hamburger Flughafen wieder abgebaut worden, einem Zeitungsbericht zufolge ist die Technik beim Praxistest durchgefallen. Das Innenministerium bestreitet das, die Gewerkschaft der Polizei ist dennoch gegen den flächendeckenden Einsatz der Scanner.

Wegen einer hohen Fehlerquote der umstrittenen Körperscanner fordert die Gewerkschaft der Polizei den Verzicht auf einen Einsatz der Geräte an deutschen Flughäfen. "Der Praxistest in Hamburg hat gezeigt, dass Körperscanner derzeit nicht für den flächendeckenden Einsatz taugen", sagte der Gewerkschaftsvorsitzende Bernhard Witthaut der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Am Hamburger Flughafen wurden fast 800.000 Passagiere seit Ende September 2010 freiwillig durch den Körperscanner geschleust.

(Foto: dapd)

Das Sicherheits-Niveau an deutschen Flughäfen lasse sich durch die technisch unausgereiften Geräte sicher nicht verbessern, so Witthaut. Die Testläufe hätten zudem ergeben, dass Passagierkontrollen wegen der hohen Fehlerquote der Körperscanner nicht beschleunigt, sondern verzögert würden. Witthaut forderte die Bundesregierung auf, stattdessen für ausreichend geschultes Sicherheitspersonal bei der Bundespolizei zu sorgen.

Nach zehn Monaten Testbetrieb sind zwei Körperscanner am Hamburger Flughafen wieder abgebaut worden. Das Innenministerium bestreitet aber, dass die Geräte durchgefallen seien. Ein Sprecher nannte die Forderung der Polizeigewerkschaft unseriös. Zuvor hatte die Welt am Sonntag berichtet, das umstrittene Gerät sei bei dem Praxistest durchgefallen. Die beiden Scanner hätten bei der Erprobung ständig Fehlalarme produziert. "Die derzeitige Alarmquote beträgt 70 Prozent und ist zu reduzieren", zitiert die Zeitung aus einem internen Bericht der Bundespolizei.

Dem Zeitungsbericht zufolge hat die Bundespolizei vor allem moniert, dass die hohe Alarmquote eine Nachkontrolle notwendig gemacht hätte. Beim Hamburger Test wurden fast 800.000 Passagiere seit Ende September 2010 freiwillig durch die Körperscanner geschleust. Bislang werden bei den Sicherheitskontrollen sogenannte Torsonden eingesetzt. Bei ihnen liegt die Quote der Nachkontrollen unter 50 Prozent.

Die Körperscanner arbeiten nach einem anderen technischen Prinzip als die Metalldetektoren und können deshalb zum Beispiel Keramikmesser oder am Körper getragene Sprengstoffe aufspüren. "Der Sicherheitsgewinn ist damit eindeutig", sagte der Fraunhofer-Experte Professor Klaus Thoma. Kritiker der Geräte hatten jedoch immer wieder bemängelt, dass die Kontrollen damit tendenziell länger dauern und es vor allem bei Hochbetrieb auf den Flughäfen zu Staus vor den Sicherheitsanlagen kommen könne.