Hotel-Kette Motel One will sich nicht auf seinem Erfolg ausruhen

Motel One hat geschafft, was auch andere Hotel-Ketten erreichen wollen: Es gilt in der Branche als sehr erfolgreich. Jetzt reagiert das Unternehmen auf seine Nachahmer.

Von Michael Kuntz

Alle wollen sie so erfolgreich sein wie Motel One. Die von dem früheren Accor-Manager Dieter Müller gegründete Kette hat es geschafft, den Standard zu setzen, wie günstige und dennoch modern eingerichtete Hotels aussehen. Seit dem Jahr 2000 gilt Motel One der Branche deswegen als Vorbild. Die klassischen Ketten drängen auf den deutschen Markt und hoffen mit ihren Budget-Hotels so erfolgreich zu werden wie der Unternehmer aus München. Hilton bringt Hampton, Wyndham das Super 8. Aber nicht nur Amerikaner siedeln sich an, auch chinesische und europäische Hoteliers schauen nach Deutschland. Prizeotel oder CitizenM und 25hours, alle setzen auf Design zu erschwinglichen Preisen.

Motel-One-Unternehmer Müller versucht dem Ansturm neuer und alter Konkurrenten entgegenzusetzen, was er eine "Agenda New Challenge" nennt: "Wenn es einem besonders gut geht, soll man sich Gedanken machen, ob man den Erfolg einfach fortschreiben kann oder sich entwickeln muss. Sonst wird man überholt."

Eine besondere Herausforderung stelle der ständig notwendige Ausbau der Wlan-Netze dar. Die Gäste rufen immer größere Datenmengen ab und sollen die Zugänge vor allem abends immer funktionieren, wird man sie in den kommenden zehn Jahren mit der fünffachen Leistung ausbauen müssen. Noch gibt es den Zugang per Passwort, aber sobald die Gesetzeslage es definitiv zulässt, will man darauf verzichten.

Im Gegensatz zu den meisten Konkurrenten setzt Müller auf ein System fester Preise: "Das ist unser höchstes Gut." Die Raummieten beginnen bei 69 Euro für ein Einzelzimmer, etwa im Motel One Berlin-Tiergarten. Sie reichen bis zu 184 Franken im neuen Haus in Zürich, dem nach Basel zweiten in der Schweiz. Zürich wird im Sommer eröffnet und hier können zwei Personen inklusive Frühstück mehr als 200 Franken ausgeben. Zürich ist dann das teuerste Motel One überhaupt und Müller ist das fast ein wenig unangenehm: "Wegen der hohen Immobilienpreise brauchen wir diese Preise für eine Wirtschaftlichkeit."

"Der Festpreis gibt die Sicherheit, woanders keine günstigere Rate zu bekommen."

Feste Preise - es gibt doch Zuschläge bei großen Ereignissen in einer Stadt, etwa Messen? Die Eventzuschläge werden an maximal 20 Prozent der Tage eines Jahres erhoben, versichert Müller. Und wann steigen die Preise? Wenn renoviert worden ist, also alle fünf bis sieben Jahre und dann in Zehn-Euro-Schritten. Müller hält die Nachvollziehbarkeit der Preisgestaltung für einen wesentlichen Grund dafür, warum 77 Prozent der Zimmer bei Motel One direkt gebucht werden, das ist deutlich mehr als in der Branche üblich. Übrigens nicht nur per Mail, sondern auch am Telefon und sogar noch mit Telefax. Die meisten Hoteliers bevorzugen Tagespreise je nach Nachfrage und bieten restliche Zimmer über Hotelportale wie Booking und HRS an.

Davon hält Müller wenig. "Der Festpreis gibt unseren Kunden die Sicherheit, woanders keine günstigere Rate zu bekommen." Auch die Verfügbarkeit über seine Zimmer dürfe ein Hotelier nicht abgeben. "Das letzte Zimmer gibt es immer auf unserer eigenen Webseite." Ist ein Hotel dort ausgebucht, braucht man es auch nicht woanders zu versuchen, so lautet die Botschaft.

Ausgelastet waren die derzeit 55 Motel-One-Häuser mit 14 600 Zimmern im vorigen Jahr zu 76,6 Prozent, für viele Hoteliers ist das ein Traumwert. Ausgebucht sind viele Häuser von Dienstag bis Donnerstag, wenn Geschäftsleute reisen. Sie stellen zwei Drittel der Gäste im Motel One. Müller würde gern mehr Privatreisende beherbergen, vor allem, wenn sie ein verlängertes Wochenende bleiben wollen. So ließen sich die Motel Ones noch besser belegen, allerdings nicht um jeden Preis: Auf der Webseite gibt es zwar Werbung für interessante Veranstaltungen an den nicht so gefragten Tagen, aber keine Rabatte.

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In den kommenden drei Jahren will Müller 28 neue Häuser eröffnen, insgesamt wären es dann 83 Hotels mit 24 100 Betten. "Wir verdoppeln unsere Kapazität im Ausland, aber zeigen Flagge in Deutschland." Hierzulande wird als nächstes Haus Mitte April das Berlin-Upper-West eröffnet, mit 562 Zimmern. Das Hotel liegt zwischen Bahnhof Zoo und Breitscheidplatz, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Luxushotel Waldorf Astoria. Müller: "Das sind Kontraste, die wir mögen." Für einen Zimmerpreis ab 79 Euro gibt es eine Lounge und eine Dachterrasse mit Open-Air-Kino. Und die mit 16,8 Quadratmeter eher kleinen Zimmer mit hochwertiger Ausstattung. "Alles, was man anfasst, ist vergleichbar", traut sich Müller zu sagen mit dem Blick auf das Waldorf Astoria. Insgesamt plant Motel One in diesem Jahr acht Neueröffnungen, davon in Paris die erste in Frankreich und in Barcelona die erste in Spanien.

Dieter Müller agiert bei Motel One aus einer Position der wirtschaftlichen Stärke. Mit einem Umsatz von 357 Millionen Euro und einem Gewinn vor Steuern von 128 Millionen Euro schloss die Budget-Hotelkette das vorige Geschäftsjahr ab, in dem vier Häuser dazu kamen. Ganz abkoppeln konnte sich Motel One von den schwierigen Ereignissen 2016 nicht, Terror und Brexit. Der Umsatz pro verfügbarem Zimmer sank in Brüssel, Frankfurt, London, München und Köln. In Nürnberg legte er um 15 Prozent zu, wegen vieler Messen.

Müllers früherer Arbeitgeber Accor hat sich zuletzt mit der kleinen Lifestyle-Kette 25hours ein ebenfalls erfolgreiches Konzept eingekauft. Auch bei der Nummer eins in Deutschland mit Marken wie Ibis, Novotel und Mercure tut sich also etwas im gefragten Segment der Design-Hotels.

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