Mitten in ...Als wäre man nackt in Tokio unterwegs

So kann sich jedenfalls fühlen, wer in Japan kein Meishi hat. Am Roten Meer dagegen ist der Ägypter namens Manfred ganz in seinem Element.

Mitten in ... Tokio

Die Visitenkarte ist in Japan das Gesicht eines Menschen. Sie jemandem achtlos oder zerknittert zu überreichen, ist so unhöflich, wie unfrisiert anzukommen. Überreichen muss man die Karte mit beiden Händen und einer angedeuteten Verbeugung. So nimmt man sie auch entgegen - und studiert sie lange. Richtig schlimm aber ist es, überhaupt kein Meishi zu haben, wie die Karten hier heißen. Das ist dann fast, als wäre man nackt unterwegs. Aber im Land der Verkaufsautomaten gibt es für jedes Problem überall eine Lösung. Auf dem Gipfel des Fuji zum Beispiel stehen Getränke-, Gemüse-, Reis- und Glübirnen-Automaten, in vielen Waschsalons gab es vor dem Zeitalter des Smartphones Pornohefte, und am Bahnhof Shinjuku kann man, welch Glück, für umgerechnet acht Euro am Automaten 30 Instant-Meishi drucken.

Christoph Neidhart

SZ vom 21. Juli 2017

Bild: Marc Herold 9. Juli 2017, 19:342017-07-09 19:34:53 © SZ/ihe