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Teure Audio-Guides sind für Leute, die Gelaber vom Band mögen. Im Augsburger Schaezlerpalais haben sie so was nicht, sondern etwas viel Besseres. Am letzten Tag der Dürer-Ausstellung ist eine Kohorte Kunsthistoriker unterwegs, freundliche Menschen mit Bildungsauftrag, die sich über die Besucher hermachen mit dem Satz: "Kann ich Ihnen etwas erklären?". Sie können! Vor dem Druck "Der Verzweifelnde" steht eine gepflegte ältere Dame. Auf dem Bild sehr gut zu ahnen ist das, was sonst ein Lendenschurz verhüllt. Ungewöhnlich. Und damit Gegenstand wissenschaftlichen Interesses einer jungen Cicerone: Das Bild gelte als Indiz, Meister Dürer habe sich sexuell für Männer interessiert, erläutert sie kundig. Das ist natürlich ein Hammer. Die Dame schaut, als wäre ihr das fast etwas viel Bildung. Aber so sind sie in Augsburg.

Claudia Tieschky, SZ vom 02.02.2013

1. März 2013, 16:58 2013-03-01 16:58:00

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