Mitteldeutsche Regiobahn Kontroverse um Frauenabteile in der Regionalbahn

  • Mit der Ankündigung eines neuen Angebots für die weiblichen Fahrgäste erregt die Mitteldeutsche Regiobahn Aufmerksamkeit.
  • Einen Zusammenhang mit der Problematik sexueller Belästigung weist das Unternehmen jedoch zurück.
  • Die Debatte wird international immer wieder geführt - mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen.

Die Mitteldeutsche Regiobahn (MRB) führt auf den Zügen zwischen Leipzig und Chemnitz spezielle Frauenabteile ein. Diese sollen alleinreisenden Frauen sowie Müttern mit Kindern zur Verfügung stehen, teilte das Unternehmen mit.

In jedem Zug der Regional-Expresslinie RE6 sollen in den kommenden Wochen jeweils zwei Frauenabteile eingerichtet werden, um das Sicherheitsgefühl der weiblichen Fahrgäste zu stärken. Die beiden Abteile werden im mittleren Wagen direkt neben den Ruhezonen sowie dem Dienstabteil zu finden sein. "Die örtliche Nähe zum Kundenbetreuer ist dabei bewusst gewählt", hieß es.

Die Nachricht sorgte in den sozialen Netzwerken für eine angeregte Debatte, so dass der MDR eine Erklärung der Betreiber nachlieferte. Demnach wolle man die Maßnahme als Service verstanden wissen:

Die Mitteldeutsche Regiobahn MRB ist Teil der privaten Transdev GmbH, zur der unter anderem auch die Bayerische Oberlandbahn BOB und diverse Busunternehmen gehören - in Konkurrenz zur Deutschen Bahn.

Die Idee ist international immer wieder in der Diskussion

Das Konzept ist, wie in dem Statement der MRB angedeutet, alles andere als neu. In der Schweiz etwa führte die SBB vor fast 15 Jahren ein entsprechendes Pilotprojekt durch. Wegen der geringen Nutzung wurde schließlich ein anderes Sicherheitskonzept weiterverfolgt - ohne Frauenabteile. In Tschechien drohte 2012 der "Väter-Bund" der Bahn mit einer Klage gegen "Apartheid-ähnliche Regelungen", als dort entsprechende Abteile in Fernzügen angekündigt wurden.

Im vergangenen Sommer brachte der Politiker Jeremy Corbyn die Forderung nach Frauenabteilen im öffentlichen Personenverkehr in Großbritannien erneut ins Spiel, als er dort erfolgreich für den Vorsitz der sozialdemokratischen Labour-Partei kandidierte.

Auch damals wurde wurde emotional diskutiert, die BBC zitierte unter anderem eine Studie der Middlesex University, die das Konzept als möglichen Rückschritt bezeichnete, der "als beleidigend, bevormundend und beschämend sowohl für Männer als auch für Frauen verstanden werden könnte". Gerade in Großbritannien, wo die letzten "Ladies only"-Abteile erst 1977 aus den Zügen verschwanden, sahen viele weniger Vorteile als vielmehr Diskriminierung in einer derartigen erneuten Trennung - auch wenn diese nur optional und nicht verpflichtend wäre.

In anderen Ländern sind Frauenabteile etwa in der U-Bahn oder in Zügen alltäglich - unter anderem in Japan, Indien, Mexiko, Brasilien, Ägypten oder Indonesien. Die Deutsche Bahn bietet in Liegewagen von Nachtzügen separate Abteile für alleinreisende Frauen an. In den meisten ICEs, ECs und ICs stehen zudem sogenannte Kleinkindabteils zur Verfügung - mit diesem Angebot werden jedoch "Kunden" und nicht speziell Mütter angesprochen.