Luxuskreuzfahrt neu definiert Wie es euch gefällt

Die "Silver Muse", jüngstes Schiff der Reederei Silversea, sticht mit modernen Konzepten in See. Die Hauptrolle spielt weiterhin die Küche.

Von Michael Wolf

Nur wenige Kreuzfahrtreedereien wie Hapag Lloyd Cruises, Crystal oder Seabourn spielen in der Liga der Ultra-Luxusklasse. Auch die in Monaco beheimatete Reederei Silversea Cruises gehört zum feinen Club - und Silversea hat jetzt zum ersten Mal nach acht Jahren ein neues Schiff auf den Markt gebracht. Die Silver Muse soll anspruchsvollsten Gästen gefallen: mit neuem Design, perfektem Service - 411 Crewmitglieder kümmern sich um die bis zu 596 Passagiere - , ausgefallenen Reiserouten. Und einem ausgefeilten neuen kulinarischen Konzept, sozusagen Gastronomie reloaded. Ein Rundgang schafft Klarheit über die neuen Dimensionen im Luxusmarkt.

Das neue Flaggschiff muss natürlich stets den Vergleich mit ihrer Vorgängerin in diesem hauseigenen Ranking, mit der Silver Spirit, aushalten. Anders als Letztere kommt sie im Innendesign mit hellen und modernen Farben daher. Roberto Martinoli, CEO von Silversea Cruises, bringt es auf den Punkt: "Unsere Gäste wollen es heute mehr mediterran mit leichten Farbmischungen. Der barocke Stil ist out."

Und weil das schwülstige Chippendale-Design ausgedient hat, liegen die wahren Werte der Silver Muse woanders. Da ist das moderne Theater mit seinen LED-Decken, die wie hängende Teppiche unterschiedliche Farbtönungen und -stimmungen kreieren. Oder die beiden offenen Treppenhäuser, die großen Außenflächen auf mehreren Decks in Teakholz vor allem am Heck, die immer wieder mit anderen Liegemöbeln, Minipools oder bequemen Sesseln überraschen.

Dazu einige Neuheiten - die Connoisseur's Corner in Rottönen mit Zigarrenhumidor, edlen Cohibas bis 34 US-Dollar das Stück, und alten Cognacs - oder das neue Arts Café, einem Marktplatz nachempfunden, mit Sitzecken, schweren Sesseln, Kunstwerken, Spielen und einer Bar mit Theke, an der ganztägig Snacks der feinsten Art angeboten werden. Drei Küchenmitarbeiter kümmern sich allein um die Zubereitung dieser Köstlichkeiten. Auf demselben Deck locken auch teure Boutiquen zum Konsum. Und natürlich gibt es wie bei jedem Silversea-Schiff die Observation Bar mit Bibliothek auf dem obersten Deck mit dem klassischen Panoramablick und dem fast geheimen Zugang zum Open-Air-Deck, auf dem sich nur selten Passagiere befinden. Platz ist Luxus.

Ein Schuhmacher fertigt auf dem Sonnendeck Sandalen - handgemachte Unikate

Die Suiten sind zwischen 30 und über 120 Quadratmeter groß, verfügen alle über private Balkone und Teakholz-Veranden, begehbaren Kleiderschrank und zwei TV-Screens. Geschmackvolle, helle Töne bestimmen das Design, die Badezimmer sind marmorgetäfelt und warten mit Kosmetikprodukten etwa von Bulgari auf, die der Passagier vom Tablett des Butlers wählt. Das hauseigene TV-Entertainmentprogramm ist auf dem letzten Stand: Interaktive Aktionen wie Buchungen von Landausflügen oder Rechnungsinfos gehören ebenso dazu wie eine umfangreiche kostenlose Auswahl von Filmen, darunter auch neueste Produktionen.

In der Eigner-Suite hängt nicht nur ein Gemälde des Silversea-Inhabers Manfredi Lefebvre d'Ovidio, sondern es gibt auch persönliche Gegenstände, die er selbst ausgewählt hat - Bücher, Kunstgegenstände, Fotos seiner Familie.

Butler kümmern sich um die Gäste - vom Koffer packen, Schuhe putzen, dem Reinigen der abgelegten Brillen bis zur Reservierung in den Restaurants oder dem Servieren von Gerichten. Joy Fernandes aus Mumbai ist der Manager der noblen Diener. Der 40-Jährige herrscht auf der Silver Muse über eine Truppe von 23 Butlern. Die Fluktuation ist groß - fast die Hälfte dieser speziell geschulten Mitarbeiter machen wenig später in anderen Luxushotels oder bei privaten Arbeitgebern, darunter auch königliche Familien, Karriere. "Als ich vor zehn Jahren bei Silversea zu arbeiten begann, hatten wir pro Schiff einen Butler, also sechs Butler für die gesamte Flotte", sagt Fernandes. Seit 2009 ist dieser Service durchgängig für alle Gäste. Interessant auch die Möglichkeit, per Roomservice einzukaufen - von der Zahnpasta über Schmerzmittel bis zum Präservativ (Trojan 5 Dollar 99) gibt es fast 50 Produkte.

Das kulinarische Angebot zählt zu den größten auf Luxus-Kreuzfahrtschiffen. In acht Restaurants kann aus 26 verschiedenen Menüs gewählt werden. Für das neue Konzept der kulinarischen Vielfalt arbeiten an Bord 76 Köche und Küchenmitarbeiter sowie zwei Nachtchefs. Der Informationsfluss ist modern: Die Bestellungen werden per iPad direkt an die Hauptgalley geschickt. Sie leuchten dort auf großen Screens in Echtzeit, zugleich erhält die Küche Informationen über sämtliche georderten Mahlzeiten sowie den Lagerbestand.

Vier der acht Restaurants liegen sich auf Deck 4 um einen gemeinsamen Eingangsbereich gegenüber. Die beiden kleinsten sind dabei auch die feinsten, bei denen jeweils 60 Dollar Zuzahlung fällig ist. Das "La Dame" (elegante Tischgruppierungen um einen raumhohen Weinhumidor) ist eine Kooperation mit der Hotel-Vereinigung Relais et Châteaux. Puristische Einrichtung dagegen in Blau und Grau im "Kaiseki", wo Hummer oder Filet vom Wagyū-Rind vor dem Gast zubereitet werden.

Das Hauptrestaurant "Atlantide", in warmen Rot- und Brauntönen gehalten und mit Lichtwänden unterteilt, wartet mit einer bemerkenswert umfangreichen Karte auf. Vom Kalbstartar mit weißen Albatrüffeln oder Hummersalat mit Kaviar bis zum 22 Monate abgehangenen Steak aus Patagonien gibt es so ziemlich alles, was der Gaumen begehren kann, auch vegetarische Gerichte. Das "Indochine" präsentiert Kompositionen der asiatischen Küche, das "La Terrazza" widmet sich dagegen italienischen Spezialitäten. Sehr schön ist der Außenbereich mit direktem Meerblick. In diesem Restaurant werden auch Frühstücks- und Lunchbuffets aufgebaut. Open Air bietet "The Grill" um den Pool herum mittags Salate und Snacks, abends Grillspezialitäten auf Hot Stones.

Eine Besonderheit im Entertainment-Programm ist das "Silver Note", ein Jazzclub, in dem diniert werden kann. Für die musikalische Begleitung sorgt ein wirklich exzellentes Jazzduo aus Südafrika. An der kleinen Bar kann dann auch spät noch mitgeswingt werden.

Das All-Inclusive-Angebot umfasst bis auf wenige Ausnahmen Getränke an den Bars und in den Restaurants. Zum Essen haben die Gäste die Wahl zwischen 49 Rot-, 38 Weißweinen und mehr als 20 Rosés aus internationalen Anbaugebieten.

Und da man im Luxussegment immer noch einen Extra-Seller braucht: Der bordeigene Schuhmacher Gennaro fertigt auf dem Sonnendeck für seine Kundinnen individuelle Sandalen der Luxusmarke Preludio Capri. Absätze und Ausstattung, Leder oder Juwelenlook, alles kann frei gewählt werden.

Der Zàgara Spa bietet ein weitgefächertes und wie auf den meisten Schiffen nicht gerade preiswertes Angebot an Wellness- und Beautybehandlungen. Neben den üblichen Massagen sind auch Akupunktur, Botoxbehandlungen oder das Zahnbleaching Go Smile im Angebot: 30 Minuten für zwei Personen für 299 Dollar.

Ob Trüffelsuche in der Toskana, private Empfänge auf Schlössern oder individuelle Yachttrips: Je nach Fahrtroute werden neben den normalen Landausflügen auch exklusive Event-Ausflüge offeriert. Lektoren und TV-Produktionen bereiten auf die Landgänge vor.

Das Entertainmentprogramm ist professionell, kleine Musikergruppen spielen live in den diversen Bars und Lounges. Abends verwandelt sich die Panoramalounge oben auf Deck 11 in eine veritable Disco mit zuckenden Lichtern und Livemusik. Das Theater Venetian Lounge bietet junge Tanzgruppen und Shows sowie gute Stimmen und einen interessanten Music-Mix. Aber das beste Entertainment auf der Silver Muse ist zweifelsohne das kulinarische.

Informationen: Die Silver Muse ist weltweit, im Sommer 2018 auch im Mittelmeer unterwegs. Preisbeispiel: 7 Tage Mittelmeer-Kreuzfahrt von Civitavecchia (Rom) nach Barcelona mit Stopps in Lipari, Trapani/Sizilien, Cagliari/Sardinien, Alghero/Sardinien, Ibiza, Palma de Mallorca ab 5130 Euro/Person, www.silversea.com

Hinweis

Die Recherchereise für diesen Beitrag wurde zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Fluglinien und/oder Tourismus-Agenturen.