Von Anna Fischhaber

Big Apple in Aufruhr: Die Gäste des Luxushotels "The Standard" präsentieren sich unzüchtig an den Panoramafenstern - und die New Yorker wissen nicht, wie sie das finden sollen.

"Ein gutes Hotel bringt die Leute immer ein wenig aus der Fassung" hat Hotelmagnat Andre Balazs kürzlich in einem Interview erklärt. Wie recht er damit hat, zeigt sich nun ausgerechnet an seinem eigenen "The Standard", eine noble Herberge im Zentrum von New York. Der imposante 20-stöckige Glaswürfel schwebt, von mächtigen Stelzen gehalten, direkt über dem High Line Park. Die Grünfläche, die sich auf der Trasse einer stillgelegten Bahnlinie erstreckt, wurde gerade neu eröffnet - und zieht bereits zahlreiche Schaulustige an.

The Standard, oh

Das New Yorker Luxushotel "The Standard" - der imposante Glaswürfel schwebt auf mächtigen Stelzen über dem High Line Park. (© Foto: oh)

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Einzigartig ist nämlich nicht nur der Ausblick aus den großen Panoramafenstern des "The Standard", die vom Boden bis zur Decke reichen. Das Luxushotel eröffnet auch spektakuläre Einblicke. "Lassen Sie Ihre Kinder nicht nach oben schauen", warnt nun die New York Post alle Eltern, die den High Line Park besuchen wollen. Immer wieder bekäme man dort nackte Hotelgäste in ihren Zimmern zu Gesicht, heißt es in einem reich bebilderten Zeitungsartikel, der derzeit für Empörung in Manhattan sorgt.

Einige Besucher sollen dieses voyeuristische Spiel sogar freiwillig auf die Spitze getrieben haben: Verärgerte Nachbarn berichten, sie hätten Paare beim Sex und Aufnahmen für Porno-Videos beobachtet. "Dieses verrückte Verhalten ist völlig unnötig," beschwert sich etwa Bobby Shoule, 37, Vater einer 15 Monate alten Tochter. "Ich habe einige Pornoaufnahmen beobachtet. Drei Männer sind mit Kameras und Lichtern in einem Hotelzimmer umhergelaufen und haben ein Paar gefilmt", sagt ein Geschäftsmann von nebenan. "Samstagnacht ist dort Showtime!"

"Wir haben ein nacktes Mädchen beim Trampolinspringen gesehen - genau vor dem Fenster", erzählt Shannon Brickner, die in einer Boutique in der West 13th Street arbeitet, in der New York Post. Das Hotel selbst soll nicht ganz unschuldig an dem unzüchtigen Treiben sein: "Leben Sie Ihren Exhibitionismus aus! Und bitte teilen Sie Ihre intimen Momente mit uns - die Glasfronten sind nicht nur für den Ausblick da", hieß es offenbar kürzlich noch auf der Facebook-Seite des "The Standard".

"In London wäre man geschockt"

Mittlerweile wurde die Aufforderung entfernt. Dafür hat nun ein User einen Fernsehbeitrag über die kostenlose Peepshow online gestellt. "Ich kann es gar nicht mehr abwarten, dorthin zu kommen! Reserviert mir einen Fensterplatz", hat er darunter gepostet. Im High Line Park versammelten sich in den vergangenen Tagen zahlreiche Neugierige in der Hoffnung einen Blick auf unbekleidete Hotelgäste zu erhaschen.

"Wenn etwas passiert, packe ich mein Opernglas aus", sagt eine Schaulustige in einem Fernsehbeitrag auf NBC. "In London wäre man geschockt, aber New York gibt damit an", erklärte der britische Tourist Peter Jennett, 49 der Zeitung Daily News. Gaspar Libedinsky, einer der Designer des High Line Parks, spricht von einem "innerstädtischen Catwalk". "Das hier ist ein Ort zum Sehen und gesehen werden."

Christine Quinn, Sprecherin der Stadt, nannte die Fensteraktionen dagegen "unakzeptabel". Dabei hat die kommunale Kunstgesellschaft das "The Standard" mit einem Preis für den besten Neubau der Stadt im Jahr 2008 ausgezeichnet. "Das Hotel wird alles dafür tun, die Gäste daran zu erinnern, dass die Fenster in den Zimmer durchsichtig sind", war der einzige Kommentar, den ein Hotelmanager abgeben wollte.

Doch so leicht wird sich das Problem wohl nicht lösen lassen: Komplett verglast sind nämlich nicht nur die über 300 Zimmer des Hotels, sondern auch alle Badezimmer. Da hilft nur: Vorhang zu.

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(sueddeutsche.de/cmat)