Luxus an Bord Pomp und Überfluss

Den Luxus-Reedereien ist keine Anstrengung zu groß, um sich mit Service, Eleganz und Kulinarik vom Massenmarkt abzuheben. Zuweilen geht dabei der Geschmack über Bord.

Von Michael Wolf

Luxus bedeutet Verschwendung - und genauso wird der Begriff auch derzeit beim Thema Kreuzfahrten genutzt: verschwenderisch, regelrecht inflationär. Kaum ein Schlagwort ist in jüngerer Zeit so häufig verwendet worden wie der des Luxusliners oder des Traumschiffs - meist für Schiffe aus dem Massenmarkt, die diese Bezeichnung in keiner Art verdienen.

Noch vor wenigen Jahren mussten Veranstalter und Reedereien ihren neuen Kunden erklären, dass die Vorurteile in Bezug auf die Kreuzfahrt ("zu alt, zu teuer und luxuriös, zu elitär") ungerechtfertigt seien. Heute finden sich einige seit dem Boom dieser Art des Reisens in der gegenteiligen Situation - zu gerne würde man den Mythos von Luxus, Service und Eleganz aus der Zeit der echten Luxusliner auch auf die neuen Mega-Schiffe herüberretten, ohne auch nur annähernd richtigen Luxus bieten zu können.

Unter 500 Euro pro Tag geht in der Oberliga der Traumschiffe nichts

Was also ist dann eigentlich Luxus auf einer Kreuzfahrt? Welche messbaren Kriterien definieren diesen Unterschied zwischen dem Premium- und dem Luxusmarkt? Und wie viel Subjektivität steckt in der Wahrnehmung dessen, was man für sich selbst als Luxus ansieht? Karl J. Pojer, der Chef von Hapag-Lloyd Cruises in Hamburg, in deren Flotte die beiden vom Berlitz Cruise Guide am höchsten bewerteten Kreuzfahrtschiffe der Welt fahren (Europa und Europa 2), hat in den vergangenen Jahren hierzu einen signifikanten Wandel festgestellt. "Es zählen immer weniger Statussymbole. Heute ist Luxus für viele, Zeit zu haben und Raum. Das Erleben ist wichtiger geworden als das Besitzen - der ideelle Luxus hat den materiellen überholt."

Deshalb sagt er auch: "Wir verkaufen keine Kreuzfahrten, sondern Erlebnisse und Emotionen." Dazu können bei den Luxusreedereien bestimmte Events wie das Anmieten von antiken Theatern oder Schlössern gehören, in denen exklusive Konzerte stattfinden, das kann ein Einkaufsbummel mit Verkostung mit einem Chefkoch sein oder der Besuch eines Formel-1-Rennens. Besondere, vom Gast auch ansprechbare Lektoren wie ehemalige Minister oder Botschafter informieren die Gäste zu bestimmten Themen. Oder Spitzensportler wie die Ski-Weltmeisterin Maria Höfl-Riesch stellt für die Gäste der Europa 2 ein eigenes anspruchsvolles Fitnessprogramm auf und coacht bei einigen Reisen selbst.

Das ist die kreative Software im Luxus, die den Unterschied ausmacht. Selbstverständlich sein sollte ein exzellenter Service mit persönlicher Wiedererkennung des Gastes. Dabei machen die kleinen Aufmerksamkeiten den großen Unterschied: Die Gäste auf den Sonnenliegen werden mit gekühlten Tüchern bedient oder mit Evian-Wasser besprüht, die auf den Kabinen gelassenen Sonnen- oder Lesebrillen findet der Gast nach dem Landgang frisch gereinigt und mit einem kleinen Putztuch versehen vor.

Für immer mehr Passagiere ist es auch Luxus, ihren Urlaub ohne Krawatte oder Abendkleid zu verbringen. Darauf haben sich einige der Reedereien eingestellt wie auf den Yachten von Seadream oder der Europa 2, die auch als fast einziges Schiff in diesem Segment kinderfreundlich ist. Jürgen Kutzer, Inhaber des Reiseanbieters Aviation & Tourism International und einer der beiden Crystal-Cruises-Generalagenten, ist seit langem einer der erfahrensten Spieler im Luxuskreuzfahrtenmarkt. Seine Definition: "Schiffe im Luxus-Segment bieten zwischen 200 und 1000 Betten bei großzügigem Raumangebot, nur Außensuiten zwischen 25 und 300 Quadratmetern; ein ausgezeichnetes Personal-Gast-Verhältnis und eine Raum-Zahl, die vom Schiffsvolumen und der Gast-Zahl definiert wird."

Luxus definiert sich auch durch den Preis: Unter der 500-Euro-Grenze pro Tag läuft in diesem Segment selten etwas. Das kann gerne auch bis in den fünfstelligen Bereich klettern. Auf der ersten echten Kreuzfahrt der Geschichte, organisiert von Albert Ballin auf der Augusta Victoria, gab es bereits 1891 Luxus im Überfluss. Vor allem im Service: 241 Passagiere wurden von nicht weniger als 245 Besatzungsmitgliedern versorgt, eine bis heute nicht wieder erreichte Quote auf den Schiffen. Natürlich wurde damals schon geschlemmt - Kaviar satt, Champagner und Austern gehörten zum kulinarischen Standardprogramm. Sicher ist auch heute noch Kaviar und Champagner an Bord dekorative Begleitmusik auf Luxusschiffen. Bei Seadream gibt es noch immer den berühmten Caviar Splash - ein Champagner- und Kaviarbuffet am Strand oder am Pool. Und die Reederei Seabourn serviert kostenfreie Kaviarportionen auf die Kabine, auch wenn das offiziell nicht mehr auf der Karte steht.

Kulinarische Vielfalt auf höchstem Niveau ist immer noch ein wichtiges Standbein im Luxusgeschäft. Fast alle größeren Schiffe bieten mehrere Dining-Optionen, die Betreuung der Restaurants durch Sterneköche und natürlich kostenfreien Roomservice rund um die Uhr. Der angebotene Tischwein schmeckt heute nicht? Bei Silversea gehören auf dem Flaggschiff derzeit 49 im Reisepreis inkludierte Weine aus den Weinregionen der ganzen Welt zum Angebot. Jürgen Kutzer: "Luxus ist aber sicher auch, die Freiheit zu haben, etwas ganz Bestimmtes essen zu können zu einem Zeitpunkt, an dem man dazu Lust hat und mit wem man möchte."

Hinweis der Redaktion

Die Recherchereisen für diese Ausgabe wurden zum Teil unterstützt von Veranstaltern, Hotels, Fluglinien und/oder Tourismus-Agenturen.

Regent Seven Seas Cruises bezeichnet dies kurz als "Choice", den Luxus der Wahl.

Mit der Seven Seas Explorer stellte die amerikanische Reederei vergangenes Jahr ein neues Schiff in Dienst, das sie gänzlich unbescheiden als "the most luxurious cruise ship ever built" bezeichnete: Dekorationen und Lüster aus Muranoglas, Lalique-Skulpturen, 4000 Quadratmeter Marmorvertäfelungen, elegante Freitreppe im Atrium, exklusiver Spa-Bereich mit Infinity-Pool am Heck. Die Regent Suite ist mit 281 Quadratmetern und einer 130 Quadratmeter großen Terrasse die größte auf See. Bestückt ist sie mit einem Steinway-Flügel, einem Bett, das für etwa 100 000 Dollar auch für das eigene Heim erworben werden kann und einem privaten Spa mit Sauna. In diesem Jahr wurden mit der Seabourn Encore und der Silver Muse zwei weitere neue Luxusschiffe in Dienst gestellt.

Chippendale-Möbel, Himmelbett, goldene Wasserhähne: Geschmacksache, aber auch purer Luxus ist es, in der original erhaltenen Eignersuite einer amerikanischen Multimillionärin auf dem 86 Jahre alten Windjammer Sea Cloud zu nächtigen. Das berühmte Schiff und seine jüngere Schwester Sea Cloud II gehören zu den schönsten und prächtigsten Großseglern.

Aber natürlich ist es auch Luxus, einen Ort zu besuchen, von der man immer schon geträumt hat. Vielleicht zum Nordpol auf einem russischen Eisbrecher wie der 50 Years of Victory. Der Preis ab 27 995 US-Dollar ist nicht gerade günstig, dafür ist das Transportmittel einzigartig.