Lufthansa verliert Vielflieger-Prozess Miles & Less

Ein Professor hätte mit seinen Bonusmeilen ein paar Extrarunden um die Welt drehen können - bis Lufthansa plötzlich die Bedingungen für die Miles&More-Konten der Vielflieger änderte. Das ließ sich der Flugstrecken-Sammler nicht gefallen.

Von Katja Schnitzler

Es gibt Berufe, in denen man oft fliegt. Und es gibt Berufe, in denen man öfter an Bord ist als auf der Autobahn. Tobias Eggendorfer hat offenbar so einen Beruf, der Hamburger ist IT-Professor. Doch wirklich in die Luft ging Eggendorfer erst am 3. Januar 2011.

An diesem Tag änderte die Lufthansa ihr Bonusprogramm Miles&More: Wer nun einen Fernstreckenflug mit Flugmeilen begleichen wollte, musste dafür weitaus mehr investieren als bisher. Dies hatte die Lufthansa ihren Stammkunden zwar mitgeteilt, aber nicht auf die feine englische Art: Nur einen Monat vorher erwähnte die Airline die Änderung in einem Newsletter. In dieser Zeit konnten die wenigsten Passagiere ihre angesparten Meilen noch zu den alten Bedingungen einlösen.

Nun hortete Eggendorfer zu diesem Zeitpunkt einen für Normalflieger schier unvorstellbaren Meilen-Schatz von 887.000 Bonusmeilen. Dieses Vermögen war auf einen Schlag fast ein Viertel weniger wert. Das wolle er sich nicht gefallen lassen. Der Professor wählte für die nächsten 80 Flüge im vergangenen Jahr eine andere Airline und zog gegen Lufthansa vor Gericht.

Das Kölner Landgericht rechnete genau nach und entschied dann für den Stammkunden und gegen Lufthansa (AZ: 32 O 317/11): Zwar darf die Airline ihre Teilnahmebedingungen für das eigene Bonusprogramm ändern - aber mit einem Vorlauf von vier Monaten. Nach Meinung der Richter vertrauen die Meilensammler darauf, dass sie ihr Guthaben wie gehabt gegen Flüge eintauschen können, wenn seit acht Jahren die Spielregeln nicht geändert worden waren.

Also soll nun die Lufthansa für Eggendorfer zwei Bonuskonten führen: Das alte mit den 887.000 Meilen, die er zu den bisherigen Konditionen eintauschen kann. Und ein neues, für das die aktuellen, ungünstigeren Tauschregeln gelten. Die Lufthansa überlegt noch, ob sie Einspruch einlegen soll.

Nun wird der Hamburger Professor doch wieder mit Lufthansa fliegen - aber nur, um die 887.000 Bonusmeilen aufzubrauchen. Dafür könnte er fast zehn Mal in die USA und wieder zurück fliegen.