Wie ein Chefkoch beim Freestyle Cooking Traditionelles neu belebt Foto: Lindner Hotels
Höchstens Bandbreite sollten die Nudeln haben. Doch was beim ersten Durchlassen des Spaghettiteigs durch die Walze herauskommt, ist ein Fladen, der als Pizzaboden für eine Großfamilie herhalten könnte. Als ich das Ergebnis dann auch noch stolz präsentiere, wird allen klar: Hier ist ein Grobmotoriker am Werk, ein Banause, der vom Kochen keinen Schimmer hat, geschweige denn von den Feinheiten dieser Kunst. Gut, dass die andere Gruppe gerade damit beschäftigt ist, einen großen Lachs zu filetieren und zu beizen. Sonst würden auch diese Probanden vermutlich kurz die Augenbrauen hochziehen, mit der unausgesprochenen Frage auf den Lippen: Und das sollen am Ende hausgemachte Spaghettini mit Sommertrüffeln und Schnittlauchbutter werden? Mit der weißen Schürze, meinem Kampfanzug, komme ich mir vor wie Helmut Qualtinger in "Geschichten aus dem Wienerwald". Fehlt nur noch das Fleischermesser.
(© Foto: Lindner Hotels)
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Warum muss ich auch, als einziger Mann unter zehn Frauen, an der Koch-Session "Freestyle Cooking" im "Lindner Grand Hotel Beau Rivage" teilnehmen, einem 1874 erbauten stilvollen Haus im schweizerischen Interlaken? Als Führerscheinneuling steuert man ja auch nicht gleich die Formel- 1-Reife an, sondern versucht sich erst mal an den Basics. Küchenchef Martin Liefeith beruhigt mich. "Es geht nur darum, ein bisschen zu experimentieren, Bekanntes neu zu kombinieren", sagt er. "Traditionelle Gerichte im neuen Gewand" lautet denn auch das Motto der Veranstaltung. Und während die einen von dem für uns schon vorbereiteten Arrangement aus geräucherten Schweinebäckchen, einer Linsenvinaigrette und Kartoffelbrot kosten, stelle ich als Mitglied der rustikaleren Fraktion fest, wie gut Bitterschokoladeblättchen zu appetitlichen Gruyère-Stücken und einem Glas erlesenen Rotweins schmecken. "Wir werden das schon schaukeln", sagt Martin Liefeith beim Testen meiner doch noch ganz passabel gewordenen Spaghettini mit einem Augenzwinkern. Wir? Ich habe mich zu diesem Zeitpunkt bereits auf die Seite des genießenden Konsumenten geschlagen.
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