Der Münchner Lampen-Designer Ingo Maurer über richtige Wohnzimmer-Beleuchtung, erotisches Glimmen im Schlafzimmer und die wunderbare Poesie der Glühbirne
Deutsche Wohnzimmer lassen Ingo Maurer in Depressionen verfallen, machen ihn wütend. Dabei ist der mit allen internationalen Design-Preisen geehrte Lampen- Konstrukteur aus Schwabing privat ein ruhiger Mensch, dem das münchnerische Prinzip "leben und leben lassen" ein Grundbedürfnis ist.
(© Fotos: Ingo Maurer GmbH)
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Was stört Sie, Herr Maurer? "Ich rege mich weniger über die Möbel auf als vielmehr über das Licht. Es gibt den verbreiteten Hang, ein Zimmer total auszuleuchten. Noch bevor die Couch und der Schrank platziert sind, prangt schon die zentrale Lampe an der Decke. Gleichförmiges Licht von oben ist nicht nur langweilig. Es ist auch nicht schön, vor allem macht es die Menschen nicht schön. Schlechtes Licht macht unglücklich."
Maurers Credo ist das Licht der Natur. Vom grellen Sonnenlicht bis zum Dunkel der Nacht, vom Weichzeichner des Herbstlichtes bis zu den Spielarten des Schattens. Licht ist differenziert. Und: Licht differenziert. Zurück zum deutschen Wohnzimmer: Wie beleuchten Sie, Herr Maurer?
"Ich arbeite mit verschiedenen Lichtquellen: Hängelampe, Stehlampe, Tischlampe, Klemmlampe. Und besonders wichtig für die Wohnatmosphäre: Lichtquellen unterhalb der Augenhöhe, manchmal auch in Bodennähe. Entscheidend für den Wohlfühlfaktor in den eigenen vier Wänden ist ein differenziertes Licht. Hell, Dunkel, Halbdunkel - so ist die Natur, so tickt der Mensch. Und so sollte man seine Wohnung beleuchten."
Von dogmatischen Designer-Regeln, dass etwa eine Hängelampe 60 Zentimeter über dem Esstisch zu platzieren sei, hält Ingo Maurer nichts. "Ich weiß nicht, ob dann die Spaghetti besser schmecken. Licht ist Gefühl. Und das Gefühl muss stimmen."
Bei Gefühl denkt man oft an Sex. Also, Herr Maurer, und das Schlafzimmer? "Auch hier gilt: Wohlfühlen ist entscheidend. Ich habe zum Beispiel nach japanischem Vorbild eine Lampe entwickelt, die im ausgeschalteten Zustand einen neutralen Papierschirm hat. Wenn man das Licht anknipst, erscheinen auf dem Schirm erotische Motive von kopulierenden Paaren. Ich habe auch Lampen-Bildschirme mit Motiven aus dem Kamasutra, der indischen Liebeskunst entwickelt.
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