Seit dem Herbst fegen Orkane über Sylt und spülen den Sand von den Stränden. Das Problem könnte noch schlimmer werden, meint Helge Jansen, Bürgermeister von Rantum.
Die Nordseeinsel Sylt hat seit dem Herbst etwa 800.000 Kubikmeter Sand verloren, schätzt Helge Jansen, 58. Der Vorsitzende des Landschaftszweckverbandes Sylt und Bürgermeister in Rantum fürchtet, dass den nordfriesischen Inseln durch die Klimaerwärmung folgenreichere Sturmwinter drohen.
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sueddeutsche.de: Herr Jansen, wie ist das Wetter bei Ihnen?
Helge Jansen: Der Wind hat etwas nachgelassen, er bläst noch mit Stärke vier bis fünf.
sueddeutsche.de: Aber die nächsten Stürme sind bereits angekündigt...
Jansen: Ja, und das ist unser Problem: Seit Mitte November haben wir hier ein Sturmflut-Szenario. Dass heftige Unwetter den Sand abtragen, ist eigentlich normal - aber sonst haben wir dazwischen ein paar Wochen Ruhe. Nun stürmt es seit acht Wochen, so dass der weggespülte Sand nicht mehr ans Ufer zurückgetragen wird. Er ist für Sylt verloren.
sueddeutsche.de: Das Meer holt sich also die Insel?
Jansen: Nicht nur Sylt. Durch die Klimaveränderung drängt die Nordsee mehr ans Land. Im Moment ist Sylt zwar nicht massiv bedroht, aber wir müssen uns auf die neue Witterung einstellen.
sueddeutsche.de: Jedes Frühjahr werden riesige Mengen Sand vom Meeresgrund hochgepumpt und auf dem Strand verteilt. Gibt es noch andere Möglichkeiten, die Insel zu schützen?
Jansen: Nein. Zwar habe ich hier eine Liste mit 200 Ideen, was man tun könnte. Aber die Sandvorspülung ist derzeit am effektivsten und wirtschaftlichsten. Andere Möglichkeiten wie eine große Mauer an der Westseite wären immens teuer.
sueddeutsche.de: Ein Wall statt Seeblick würde wohl auch Urlauber abschrecken...
Jansen: Das kommt noch dazu. Sylt lebt vom Brandungsszenario der Nordsee. Ein vorgelagerter Deich würde die Insel zwar massiv schützen, aber die Brandung würde es so nicht mehr geben.
sueddeutsche.de: Hat der Ort Hörnum an der Südspitze bald eine eigene kleine Insel?
Jansen: Wenn es so weitergeht, ja. Der Südzipfel der Insel ist stark in Mitleidenschaft gezogen. Wir müssen damit rechnen, dass die Spitze wieder abgetrennt wird. Sie ist überhaupt in den letzten 20 Jahren erheblich kleiner geworden.
sueddeutsche.de: Hörnum war schon einmal von Sylt getrennt?
Jansen: Nein, nur die Spitze südlich von Hörnum Anfang der 90er-Jahre, da haben wir die Lücke mit Sand wieder geschlossen. Aber wir können immer nur im Nachhinein reagieren, das ist das Problem mit unserer sandigen Küste. Wir wissen nie, wo der Sturm als nächstes angreift.
sueddeutsche.de: Sollten Westerland, Wenningstedt und Rantum besser auf die Wattseite im Osten ziehen?
Jansen: Die Frage stellt sich immer wieder. Im Moment ist die Sandvorspülung noch wirtschaftlich. Sollte da der Aufwand erheblich größer werden, muss man neu überlegen.
sueddeutsche.de: Der Aufwand wäre aber doch enorm, wenn es in jedem Jahr so stürmt wie in diesem Winter?
Jansen: Ja, wir erahnen gerade, dass mit der Klimaerwärmung auch die Zahl der Stürme zunimmt - und damit die Menge an Sand, die wir nachschütten müssen. Noch geht die Rechnung aber auf.
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(sueddeutsche.de)
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