Madame hat die Hosen an - ganz legal

Kurioses Gesetz in Paris abgeschafft /
Von Stefan Ulrich, Paris
/ Veröffentlicht am , im Reiseblog

Entgegen mancher Erwartung tänzelt die elegante Pariserin nicht ständig in Kleidchen von Dior oder Chanel durch den Alltag. Olivier Magny, der ein Buch über die Hauptstädter geschrieben hat, behauptet sogar, alle Pariser unter 50, ob Frauen oder Männer, trügen Jeans. "Keine Jeans zu tragen, ist total subversiv."

Vor zweihundert Jahren war es genau umgekehrt: Am 7. November 1800 erließen die Pariser Behörden eine Verordnung, wonach Frauen eine ausdrückliche Genehmigung des Polizeipräfekten brauchten, wenn sie Hosen tragen wollten.

Dieses Gesetz wurde nie aufgehoben. Das rief vergangenes Jahr den konservativen Abgeordneten Alain Houpert auf den Plan. Er schrieb dem Frauenministerium, die Kleidervorschrift sei zwar später gelockert worden, als man Frauen auf dem Fahrrad oder zu Pferde Hosen erlaubte. Ansonsten gelte sie aber weiter, habe "symbolische Kraft" und verletze die Empfindungen moderner Menschen.

Sechs Monate brütete das Frauenministerium über dem Problem. Nun kam die Antwort. Die Hosen-Verordnung verstoße gegen den Gleichheitsgrundsatz der Verfassung und die europäischen Verpflichtungen Frankreichs. Sie sei daher "ohne jegliche juristische Wirkung". Die Französinnen dürfen aufatmen.

Sie können nun ohne Furcht vor Strafe in Hosen durch die Straßen laufen, so wie Jean Seberg mit Jean-Paul Belmondo schon 1960 in Jean-Luc Godards "Außer Atem".

Sogar in der Nationalversammlung werden seit Kurzem weibliche Abgeordnete in Jeans gesichtet. Für ihre männlichen Kollegen ist dagegen weiter streng korrekte Kleidung samt Krawatte Pflicht. Vive l'égalité!

Wenn nun "Hosen für alle" gilt, wollen Sie auch mal wieder nach Paris fahren? Hier finden Sie die Städtetipps von SZ-Korrespondent Stefan Ulrich.