Sie erzählen Geschichten und Mythen - von der Erschaffung der Welt, der Dreamtime. Auch historische Ereignisse der jüngeren Zeit sind im Bild festgehalten, die Umrisse einer Barke oder einer Flinte, Zeugnisse der ersten Begegnungen mit den Europäern, die ihr Land in Besitz nahmen.

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Diese Orte waren Kreuzpunkte auf den langen Wanderungen der Aborigines. Hier spielte sich in immer wiederkehrenden Zyklen ihr soziales Leben ab. Hier waren sie mit ihren Urahnen und der Schöpfungsgeschichte verbunden und dahin müssen sie zurück, wie das Bruce Chatwin in "Traumpfade" beschreibt: Sie werden wieder an die Stätte gebracht, "wohin man gehört": an die "Stätte der Empfängnis".

Gerippe und Schädel in Felsnischen

So finden sich heute noch Gerippe und Schädel aufgebahrt in den hohen Nischen der Felsen. Eigenartige Empfindungen stellen sich ein an diesen Orten: Staunen über die Kühnheit und somit die Schönheit der Kunst der Aborigines und wie sie darin die Geheimnisse dieses so anderen Leben bewahrten. Und Trauer, dass diese Kultur zerstört wurde, dass man letztlich allein schon durch seine Anwesenheit selbst Teil dieser Zerstörung ist.

Nach Stunden, auf dem Rückweg, trifft die Gruppe Charlie dort wieder, wo er zurückgeblieben war. Er sitzt in der Hocke, so als meditierte er. Von den Ankömmlingen nimmt er kaum Notiz, als wollte er sich schützen vor der Neugier der Touristen oder indiskreten Fragen.

Der Frage, ob er sich fotografieren ließe, stimmt Charlie mit einem kaum wahrnehmbaren Kopfnicken zu: Er fügt sich den Anforderungen der neuen Zeit, in der nicht der eigenen Wahrnehmung vertraut, sondern nach der oberflächlichen Abbildung gesucht wird, um sich so das Exotische dauerhaft anzueignen.

Ein schmaler Grat zwischen zwei Welten

Aber er zeigt auch mit der Trauer, die sich in seinem Verhalten artikuliert, dass er - ein Wanderer auf dem schmalen Grat zwischen zwei Welten - Gefahr läuft, wie viele der Ureinwohner in den großen Städten, seine eigene Geschichte, seine Identität zu verlieren.

Und doch und gerade wohl deshalb: Diese Reise um die halbe Welt zur Spitze des kleinsten Kontinents, diese kurze Expedition am Cooper Creek rund um Mount Borradaile - den heiligen Berg der Aborigines, den kein Fremder betreten darf - ist voller Überraschungen und lang nachwirkender Erlebnisse. Und sei es nur das Bad in den Mulden eines glasklaren Bächleins, das unter den sengenden Sonnenstrahlen im stürzenden Lauf eine Felsplatte überwindet, der junge Dingo, der am frühen Morgen scheu aus der Ferne die Fremden beäugt, oder die Kahntour in das Blütenmeer des Billabong, um den blutrot aufflammenden Sonnenuntergang zu beobachten.

Auf der Fahrt in der Dämmerung durch die Mangroven zurück zum Lager schrecken lärmend Vögel auf. Ins schwarze Wasser gleiten Krokodile, deren Augen wie glühende Kohlen im Scheinwerferlicht aufleuchten und dann wieder erlöschen. Das Gekecker und Gehusche danach sagt: Es ist alles in Ordnung.

Informationen

Einreise: Das elektronische Einreisevisum wird beim Kauf des Flugtickets im Reisebüro erteilt.

Anreise: Hin- und Rückflug von München über London und Singapore mit Quantas nach Darwin ab ca. 1200 Euro. Von Darwin aus organisiert die Weiterreise Davidson's Arnhemland Safaris: www.arnhemland-safaris.com, E-Mail: info@arnhemland-safaris.com oder Fax: 00 61/889 45 09 19. Beim Weiterflug ab Darwin sind nur zehn Kilo Gepäck erlaubt. Leichte Wanderausrüstung und wasserdichte, feste Schuhe sind erforderlich.

Weitere Auskünfte: Australisches Fremdenverkehrsamt, Neue Mainzer Straße 22, 60311 Frankfurt, Tel.: 069/95 09 61 73, Internet: www.australia.com

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(SZ vom 15.11.2007)