Die Felszeichnungen der Aborigines im Arnhemland gehören zum ältesten Kulturerbe der Menschheit.
Am Mount Borradaile im Arnhemland, im nördlichsten Norden Australiens, ist die Natur im Aufbruch. In den Billabongs, wie die Aborigines die nach der Regenzeit überfluteten Gebiete nennen, brüten auf den Blättern der Seerosen farbenprächtige Vögel. Seeadler ziehen am wolkenlosen Himmel ihre Kreise, weiße Reiher stehen auf dem schwankenden Grün am Rande der Kanäle, die aus dem Wasserpflanzen-Teppich herausgefräst wurden.
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Der Kahn mit fünf Passagieren steuert in eine kleine Bucht. Von hier geht es einen moorigen Hang hinauf an haushohen Felsen vorbei, die noch mit Zeichnungen der Ureinwohner geschmückt sind. Kleine Wasserpfützen schimmern golden, weil der feine Blütenstaub das flach einfallende Licht reflektiert. Im Schatten von Stechpalmen wird gerastet.
Die Touristen übernachten in einem Zeltlager im Schutzgebiet der Aborigines. Zwei gutgelaunte Ranger von Davidson's Arnhemland Safaris, einem auf die Kultur der Ureinwohner spezialisierten Safari-Veranstalter, kümmern sich um die Besucher.
Der eigentliche Boss aber heißt Charlie Mangulda. Er ist "Senior Repräsentant" der traditionellen Besitzer des Landes am Mount Borradaile und der einzige Aborigine, der während der kommenden Tage hier zu sehen ist.
Allerdings hält er sich schweigsam im Abseits, wirkt fast abweisend, als müsse er eine Distanz legen zwischen die Gegenwart und seine Geschichte: Es gibt für seine Leute eine Menge heiliger Plätze hier. Nirgends sonst in Australien finden sich so viele gut erhaltene Felszeichnungen.
Die Generation von Charlies Vater war die letzte, die in der Tradition der Dreamline-Kultur lebte: Sie malte noch ihre Geschichte auf den Fels. So waren über die Jahrtausende diese Chroniken "des Lebens und der Gesetze" der Ureinwohner Australiens entstanden.
Dann kam schleichend das Ende: Bis in die 1970er Jahre betrieben die neuen Australier eine Umerziehung der Aborigines. Das bedeutete, dass die Traditionen einer mehr als 50 000 Jahre durchgehend lebendigen Kultur ausgelöscht wurden. Ein Opfer im Namen des angeblichen Fortschritts. Denn unter vielen der heiligen Plätze lagern immense Bodenschätze. An die wollen die Neuaustralier dran, und so werden sie nun nach und nach abgebaut.
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