Kreuzfahrtschiffe im Test ADAC findet Sicherheitsmängel

Zehn Kreuzfahrtschiffe hat der ADAC auf ihre Sicherheitsstandards untersucht, das Ergebnis war insgesamt erfreulich. Ein "nicht zu unterschätzendes Risiko" fanden die Tester allerdings in Bereichen, die den Passagieren nicht zugänglich sind. Der Kapitän des Schwesterschiffs der "Costa Concordia" verweigerte den Test.

Kreuzfahrtschiffe haben nach einer ADAC-Stichprobe Nachholbedarf beim Sicherheitsmanagement. Ein halbes Jahr nach der Havarie der Costa Concordia nahm der Autoklub erstmals zehn Ozeanriesen unter die Lupe. Die Hälfte dieser Schiffe habe per Ausnahmegenehmigung wasserdichte Türen unterhalb der Wasserlinie auf See offen lassen dürfen. Darin sahen die ADAC-Tester das größte Problem.

Wasserdichte Schotten teilen das Schiff in Sektoren und verhindern bei einem Leck, dass sich Wasser unkontrolliert im gesamten Rumpf ausbreitet. Zwar können diese Schotten im Notfall jederzeit geschlossen werden, aber die Angewohnheit, diese im Normalbetrieb auf den Versorgungsdecks offen zu lassen, stellt dem ADAC zufolge ein "nicht zu unterschätzendes Risiko" dar. Geöffnete Türen könnten "schwerwiegende Folgen haben, wenn etwa ein Schiff Leck schlägt, Wasser eintritt und sich schnell und unkontrolliert im Rumpf ausbreitet", hieß es vom ADAC. Bei vier Schiffen ließen zudem die Rettungsübungen zu wünschen übrig. Rettungswesten oder -inseln seien teils verschlossen oder festgebunden gewesen.

Insgesamt gut bis sehr gut

Insgesamt attestierte der Autoklub den Kreuzfahrtschiffen aber einen guten oder sogar sehr guten Zustand. Bei den zehn untersuchten Schiffen gab es nach dem ADAC-Test moderne Sicherheits-, Rettungs- und Brandschutzeinrichtungen. Die Besatzung sei meist professionell gewesen. Allerdings beanstandeten die Tester auf den Schiffen Norwegian Epic, MSC Fantasia, Navigator of the Seas und MSC Splendida die Seenotrettungsübungen. Teils seien sie zu oberflächlich gewesen oder es seien nicht alle Passagiere zusammengerufen worden. Die Endnote "sehr gut" erreichten nur die Aida Bella und die Aida Diva des Kreuzfahrtunternehmens Aida Cruises aus Rostock.

Offene Schotten unterhalb der Wasserlinie fanden die ADAC-Tester auf Kreuzfahrtschiffen der drei Reedereien MSC Crociere (MSC Cruises), Royal Caribbean und Norwegian Cruise Line. Die Adventure of the Seas, die Norwegian Epic, die MSC Fantasia, die MSC Orchestra und die MSC Splendida hätten Ausnahmegenehmigungen ihrer Flaggenstaaten gehabt, um Arbeitsabläufe zum Beispiel in der Wäscherei oder in den Lagerräumen zu erleichtern. Laut ADAC ist dies ein bekanntes Schlupfloch in den Sicherheitsregeln für die globale Schifffahrt.

Costa-Schiff verweigert Zusammenarbeit

Getestet werden sollten auch zwei Schiffe der Genueser Reederei Costa Crociere, zu der die am 13. Januar havarierte Costa Concordia gehörte: Costa Fascinosa und Costa Serena. Die Costa Fascinosa schnitt bei allen Testpunkten "gut" oder "sehr gut" ab - auch beim Sicherheitsmanagement.

Bei dem 4880 Personen fassenden Luxusliner Costa Serena habe der Kapitän auf Anweisung der Reederei jedoch die Zusammenarbeit verweigert, hieß es beim ADAC.

Die Reederei teilte dazu mit, es sei zu Missverständnissen gekommen, die Costa bedauere. "Der ADAC ist jederzeit willkommen an Bord. Daher wurde auch voll mit den ADAC Testern auf der Costa Fascinosa, dem Schwesterschiff der Costa Serena, kooperiert und die Bewertung des Schiffes ermöglicht." Der ADAC sei eingeladen, jederzeit die Bewertung der Costa Serena nachzuholen. Die Einladung gelte auch für alle anderen Schiffe der Costa-Flotte.

Die Costa Concordia war am 13. Januar 2012 zu nahe an die Insel Giglio vor der italienischen Küste herangefahren, hatte einen Felsen gerammt und war dann mit 4200 Passagieren und Crew-Mitgliedern an Bord gekentert. Bei dem Unfall waren 32 Menschen ums Leben gekommen, unter ihnen zwölf Deutsche.

Allein in Deutschland sind 18 Kreuzfahrtschiffe registriert, weltweit sind nach Schätzungen Hunderte unterwegs. Die zehn vom ADAC untersuchten Kreuzfahrtschiffe fuhren bei dem Test alle im Mittelmeer. Der Autoklub schickte inkognito nautische Sachverständige mit Kapitänspatenten an Bord, die sich nach einigen Tagen zu erkennen gaben, um dann mit Schiffsleitung und Crew auch für Passagiere nicht zugängliche Schiffsteile begutachten zu können.

Die Testergebnisse hat der ADAC auf seiner Homepage veröffentlicht.