Von Titus Arnu

Gespart wird auch beim Schlafen: Immer mehr Hotelketten setzen auf das preisgünstige Segment.

Rechts das Speisezimmer, in der Mitte der Salon mit dem Steinwayflügel, daneben eine Bibliothek, dahinter das Schlafzimmer und der Badesaal, daneben noch ein Schlafzimmer. Das Bad verfügt über eine Sauna, eine Dampfdusche und einen Whirlpool. Im Schlafzimmer kann der Gast zwischen Kissen mit Rosshaar-, Dinkel- oder Grünkernfüllung auswählen. 190 Quadratmeter misst das pompöseste Hotelzimmer Berlins, die Präsidentensuite im Hotel Adlon. Sie kostet 8500 Euro pro Nacht.

So nächtigt man im Etap-Hotel. (© )

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Genau 8470 Euro günstiger kommt die Übernachtung im Etap Hotel Hoppegarten im Osten Berlins. Die Adresse der Sparherberge (Handwerkerstraße 30) klingt zwar nicht so mondän wie die des Luxushotels Adlon (Unter den Linden 77). Und der Blick geht nicht auf das Brandenburger Tor, sondern auf einen Baumarkt.

Dafür sind die Bettdecken äußerst farbenfroh gestaltet, es gibt eine Dusche, einen Fernseher und ein Doppelstockbett. Das Frühstücksbüffet kostet fünf Euro pro Person - dafür bekommt man im Adlon ein Glas Wasser.

In dieser Bandbreite bewegt sich der Hotelmarkt in Deutschland, und während das Luxussegment ziemlich ausgereizt scheint - so viele Präsidenten, Popstars und Ölscheichs wollen ihre Zeit nun auch wieder nicht in deutschen Hotelsuiten verbringen - steigt die Nachfrage im unteren Preissegment stark an. Die französische Hotelgruppe Accor, größter Hotelkonzern Europas, hat im vergangenen Geschäftsjahr vor allem mit ihren preiswerten Hotels mehr umgesetzt. In den Hotels der Mittel- und Luxusklasse dagegen fiel das Umsatzwachstum moderater aus.

Das wundert einen nicht, denn welche Familie kann sich schon einen Städtetrip leisten, wenn das Hotelzimmer mehr als 100 Euro pro Nacht und Nase kostet? Seit die meisten Firmen bei den Reisespesen sparen, suchen auch immer mehr Geschäftsleute nach Übernachtungsmöglichkeiten, für die man weniger als 50 Euro zahlen muss. Billighotel-Ketten wie Etap, Easyhotel oder Motel One sind deshalb dabei, ihre Angebote in Deutschland auszuweiten.

Die Low-Budget-Hotelkette Motel One eröffnet dieses Jahr fünf neue Häuser mit insgesamt 720 Zimmern, der Konzern hat bereits zehn Hotels mit 1100 Gästebetten in Deutschland. Die neuen Hotels in Hamburg, Düsseldorf, Nürnberg, Stuttgart und Frankfurt befinden sich in bester Innenstadtlage, weitere Standorte sind geplant. Philippe Weyland, Geschäftsführer von Motel One, umschreibt das Motto von Motel One so: ,,Viel Design für wenig Geld.'' Hauptzielgruppe sind Geschäftsreisende und Städtetouristen.

Von anderen Billighotels unterscheidet sich die neue Hotelkette durch gehobene Gestaltungs-Ambitionen. Die Zimmer sollen nicht aussehen wie Schlafwagenabteile, sondern durch klare Linien, frische Farben und extravagante Akzente überzeugen. Dazu zählen unter anderem die von Philippe Starck entworfenen Sitzmöbel in der Lobby des Motel One Berlin-Mitte oder die bunte Reproduktion einer Statue von Niki de Saint Phalle in der Lobby des Motel One Frankfurt-Niederrad. Die Optik wirkt hochwertig: In den Zimmern Leder und Holz, im Bad Granit und Chrom. Und mit 14 bis 16 Quadratmetern sind die Zimmer zwar überschaubar, aber nicht zu winzig.

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